Liebe Leser,

das Jahr 2020 geht in seinen vorletzten Monat – ein Jahr, in dem die Welt aus den Fugen geriet. Drastische Veränderungen gab es auch in den vergangenen Jahren zuhauf, aber nicht überall auf einmal, nicht so allumfassend, nicht so durchgreifend bis auf die privatesten Ebenen des eigenen Lebens. Wegen eines unsichtbaren kleinen Virus nahm so vieles einen verheerenden anderen Pfad.

Neue weitreichende Einschränkungen des öffentlichen und auch privaten Lebens stehen uns bevor. Es wird ein einsamer, dunkler, kalter Winter werden. Gelebte Gemeinschaft, Kultur, Musik – alles, was das Leben für das soziale Wesen Mensch angenehm und erträglich macht – sind selbst erkrankt mit schwerem Verlauf und unklarem Ausgang.

Während es in dieser düsteren Zeit nicht viel gibt, was Hoffnung schöpfen lässt, ist einer der verbliebenen Bereiche menschlichen Miteianders ausgerechnet das Digitale – Musik, Medien und Kommunikation über das Internet. Ohne physischen Kontakt, aber doch mit dem klaren Signal: Da draußen sind noch andere Menschen, mit denen wir etwas teilen. Zuvor oft verurteilt als die Verkümmerung tatsächlicher analoger Erlebnisse von Angesicht zu Angesicht, ist es nun fast alles, was uns bleibt. Unsere Hoffnung ist, dass wir mit Musik an sich auch ein kleiner Teil dieses Gemeinschaftserlebnisses sein können. Wir geben uns alle Mühe.

Im Schatten der Pandemie am 6. Oktober 2020 viel zu früh von uns gegangen ist leider Gitarrenheld Eddie van Halen. Gleich zwei Nachrufe haben wir in dieser Ausgabe auf ihn – einmal von Stefan Graßl und ein weiterer von Roland Ludwig. Norbert von Fransecky erzählt in seiner Kolumne „25 Years after – Mein Leben mit der CD” vom Album „Watch” von Manfred Mann’s Earth Band, dessen Cover in diesen Tagen merkwürdig wie eine Anspielung auf die Eröffnung des BER anmutet.

Auf einige „echte” Live-Konzerte hat es auch diesen Monat wieder Roland geschafft – und berichtet Euch vom Gewandhausorchester, welches Schostakowitsch unter den gegebenen Umständen bravourös interpretiert, vom Klangprojekt Leipzig und von The Hirsch Effekt.

Bessere Zeiten werden kommen. Bis dahin wünsche ich Euch und Euren Lieben alles Gute. Gebt auf Euch acht, bleibt gesund, körperlich und seelisch

Euer Linus