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Reviews

Uriah Heep

Fallen Angel (Review-Serie, Folge 7)


Info

Musikrichtung: Hard Rock / Progressive Rock

VÖ: 1978

(Bronze / Chrysalis)

Gesamtspielzeit: 39:36

Internet:

http://www.uriah-heep.com

50 Jahre Uriah Heep – Reviews zum Jubiläum; Folge 7: Fallen Angel


Seit Juli feiern wir den 50. Geburtstag von Uriah Heep mit einer Review-Serie, in der wir alle Uriah Heep-Alben besprechen wollen, zu denen in der fast zwanzigjährigen Geschichte von musikansich.de noch keine Review erschienen ist.

Stefan nimmt sich in diesem Monat des dritten und letzten Albums mit dem zweiten Uriah Heep-Sänger John Lawton an. Generell hat es einen eher schlechten Ruf im Heep-Katalog. Aber Stefan ist bereit reichlich Punkte dafür auszuspucken. Damit befindet er sich derzeit in guter Gesellschaft.

In der Mega-Box 50 Years in Rock, mit der die Band selber ihren Geburtstag feiert, befinden sich unter anderem vier CDs, mit denen vier vor allem ehemalige Bandmitglieder, die schon in den frühen Jahren an Bord waren, ihr Favoriten aus dem Band-Katalog vorstellen. Dort ist Fallen Angel so stark vertreten, dass es massiv unter den Top 3 ist. Nur von Demons and Wizards und The Magician’s Birthday wurden mehr Stücke ausgewählt, als von dem Lawton-Schwanengesang.

Zwei der an der Auswahl beteiligten Musiker sind übrigens noch im Heep-Jubiläumsjahr verstorben: Lee Kerslake im September und Ken Hensley im November.



Fallen Angel ist das 12. Studio-Album der britischen Hardrock-Institution und das dritte Studio-Album innerhalb von zwei Jahren mit Sänger John Lawton. Dieses enorme Pensum wäre heute gar nicht mehr vorstellbar und macht deutlich, unter welchem Druck die Musiker damals standen. In vielen Bewertungen im Internet steht, dass die Songs auf dem Album poppiger oder weichgespülter klingen. Na ja, das ist vermutlich auch dem Zeitgeist geschuldet. In England verloren Uriah Heep immer mehr an Bedeutung. In Deutschland jedoch waren sie zu dieser Zeit erfolgreicher denn je. Außerdem waren die Siebziger Jahre am Ausklingen und Bands wie Abba oder Boney M dominierten die Hitparaden. Und die besten progressiven Stücke hatten sie sowieso schon geschrieben. Von daher war ein leichter Stilwechsel vielleicht sogar eher zu erwarten.
So richtig nachvollziehen kann ich diese Bewertungen jedenfalls nicht völlig. „Woman Of The Night“ etwa knallt richtig rockig los. Die Orgel grummelt schön aufbrausend im Hintergrund, die Stimme von John Lawton dominiert wie ein Gewitter über einem ausgedörrten Talkessel. Der Song jagt mir jedes Mal wahre Schauer über den Rücken.
„Falling In Love“ ist tatsächlich ein bisschen softer ausgefallen. Aber auch dieses Stück bringt alle Heep-Merkmale mit den typischen Chören zum Vorschein, die Melodie ist sehr eingängig.
„One More Night“ ist eine richtig schmissige Rock n Roll – Nummer. Der Song macht gute Laune und erinnert mich ziemlich stark an Meat Loaf.
Bei der Ballade „Put Your Lovin‘ On Me“ schüttet Sänger John Lawton im übertragenen Sinne sein Herz aus. Richtig gut gemacht, der Gesang ist phänomenal.
„Come Back To Me“ ist in meinen Augen eine Weltklasse-Ballade. Der Song hat eine wunderschöne Melodie und Lawton liefert einmal mehr eine wahre Meisterleistung ab. Welche Frau würde da nicht sofort wieder zu ihm zurückkommen?
„Whad‘ Ya Say“ besticht durch einen markanten und äußerst raffinierten Basslauf. Tieftöner Trevor Bolder beweist sein bestechendes Können, für mich war er einer der besten und gleichzeitig bescheidensten Bassisten aller Zeiten.
„Save It“ kann gerade am Anfang seine „Gypsy“-Ähnlichkeiten nicht verleugnen. Das macht jedoch gar nix, denn nach kurzer Zeit geht das Ding in eine völlig andere Richtung. Der Rock n Roll regiert! Ken Hensley liefert ein starkes Honky-Tonk-Piano ab. Gitarrist Mick Box steuert eine scharfe Slide-Gitarre bei, und die Party kann beginnen.
Etwas unspektakulär erscheint „Love Or Nothing“. Völlig zu Unrecht, denn im Laufe der Zeit gewinnt der Song definitiv und lässt ihn bei mehrmaligem Hören zu einem kleinen Geheimtipp werden.
„I’m Alive“ sollte jedem mit voller Lautstärke „Ohral“ verabreicht werden, der morgens nicht aus dem Bett kommt. Hier wird aus allen Rohren gefeuert. Die Hammond röhrt und gurgelt, die Gitarre kracht und das Rhythmusgespann Trevor Bolder und sein Kollege Lee Kerslake sorgen für entsprechenden Drive.
Mystisch und magisch kommt der Titelsong um die Ecke. „Fallen Angel“ gefällt durch seine unaufgeregte Art und seine Dramatik, die durch die Chöre, die Keyboard-Effekte und nicht zuletzt durch Micks akustische Gitarre entsteht. Für mich ein Klassiker, den ich jedoch leider noch nie live gehört habe.


Bewertung:
Wieder einmal hat es mir großen Spaß gemacht, dieses Album am Stück konzentriert zu hören und daraus einen Rückblick zu verfassen. Musikalisch ist Fallen Angel für mich zumindest sehr gelungen. Auch wenn nicht die großen Band-Klassiker darauf enthalten sind, ist die Scheibe abwechslungsreich und interessant. Man darf sie halt nicht mit Demons And Wizards oder anderen Scheiben dieser Band vergleichen.
Danach stiegen John Lawton und Lee Kerslake aus. Wie so oft bei Uriah Heep sollten sie später sogar zusammen wieder Live-Konzerte geben. Kerslake kehrte 1982 wieder zurück in den Schoß der Heep-Familie zurück und blieb bis 2007, wo er aufgrund gesundheitlicher Probleme leider aussteigen musste.
Kurze Zeit später (nach dem ersten; nicht dem zweiten Ausstieg Kerslakes; Red.) stieg dann auch noch der kreative Kopf Ken Hensley aus. Aber das ist eine andere Geschichte…
Wichtige Info: Während ich den Artikel verfasse, bekomme ich mit, dass Lee Kerslake am 19.9.2020 im Alter von 73 Jahren verstorben ist. (Stefan war mehr als überpünktlich mit seinen Beiträgen zur Review-Serie. Ich habe sogar schon die Review zu `Sonic Origami´ auf der Festplatte, mit der wir frühestens im August die Serie beschließen werden. Alle späteren Alben sind bereits in der MAS besprochen worden; Red..) Er war an Prostata- und Knochenkrebs erkrankt. Ich habe ihn ein paar Mal nach Uriah Heep Konzerten und bei einer Autogrammstunde persönlich treffen können. Er war immer freundlich, ein echter Gentleman und ein richtig guter Schlagzeuger und Musiker. Sehr schade, es geht ein weiterer Großer des Rock!


Punkte:
Punkte? Hm – ich gebe 18 Punkte. Weil ich „Fallen Angel“ schlichtweg für sehr empfehlenswert halte. Als Zugabe empfehle ich noch das Live-Album „Live In Europe 1979“. Hier merkt man, welche Qualitäten etliche Stücke dieser Scheibe vor allem Live entwickeln konnten.



Stefan Graßl

Trackliste

1Woman Of The Night
2Falling In Love
3One More Night (Last Farewell)
4Put Your Lovin‘ On Me
5Come Back To Me
6Whad‘ Ya Say
7Save It
8Love Or Nothing
9I’m Alive
10Fallen Angel

Besetzung

John Lawton – lead vocals
Mick Box – guitars, vocals
Ken Hensley – keyboards, vocals, guitars
Trevor Bolder – bass, vocals
Lee Kerslake – drums, vocals

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger