Mozart, W. A. (Glassberg)

La Clemenza di Tito


Info
Musikrichtung: Wiener Klassik / Oper

VÖ: 04.11.2022

(Alpha / Outhere / Note 1 / CD / 2020 / Artikelnr. ALPHA 793)

Gesamtspielzeit: 113:14

Internet:

Ben Glassberg


Er hat auf das vermeintlich bewährte und damit gleichwohl auf´s falsche Pferd gesetzt: Seinen Einstand als Chefdirigent beim Orchestre de l'Opera de Rouen Normandie wollte der junge britische Dirigent Ben Glassberg mit jenem Bühnenwerk geben, das ihn 2017 mit gerade einmal 23 Jahren quasi über Nacht berühmt gemacht hat. Damals sprang er beim renommierten Glyndebourne-Festival für Robin Ticciati ein und begeisterte sogleich das Publikum. Dem Plan, auf französischem Bodem daran anzuknüpfen, machte Corona einen Strich durch die Rechnung. Statt Aufführungen vor vollbesetzten Rängen blieb im Jahre 2020 daher letztendlich "nur" die Aufnahme. Hier aber erweist sich, dass Überraschungserfolge sich nur selten kopieren lassen.

Der "Titus", den Glassberg damit abliefert, ist zwar handwerklich auf solidem Regionalbühnen-Niveau, vor allem im Orchesterpart jedoch nicht hinreichend durchgearbeitet. So erscheint Mozarts späte bzw. verspätetete Seria-Oper tatsächlich vielfach als Sammelsurium überkommener Formeln. Das hört man so nicht selten, doch haben andere längst vorgemacht, was für ein Reichtum eigentlich in dem Stück steckt, wenn man es als Brückenschlag von der Seria zur frühromantischen Oper zu deuten versteht. Offenbar braucht es dazu dann aber doch deutlich mehr Erfahrung; das derzeit zu beobachtende Phänomen der Dirigenten-Wunderkinder fordert womöglich seinen Tribut. Denn Glassbergs Ansatz hat zum jetzigen Zeitpunkt weder die strukturelle Klarheit und plastische Formung eines Gardiner (DGG, 1991), noch die dramatische Durchschlagskraft eines Jacobs (hm, 2005). Allzu oft versucht er, diese durch schneidige Klangeffekte von Pauke und Blech herbeizuzwingen, was indes nicht aufgeht, wenn die Streicher dabei ideenlos vom Blatt spielen.

Die Leistung der Solistinnen und Solisten fällt zudem recht gemischt aus. Der wagnergestählte Tito von Nicky Spence hat eine gute Portion Heldentenor zu viel abbekommen und Anna Stéphanys Sesto glänzt weder mit darstellerischer Intensität, noch besitzt er die notwendige stimmliche Potenz. Besser besetzt erscheinen da immerhin die Partien der Vitellia und Servilia.



Sven Kerkhoff



Besetzung

Nicky Spence: Tito
Simona Saturova: Vitellia
Anna Stephany: Sesto
Chiara Skerath: Servilia
Antoinette Dennefeld: Annio
David Steffens: Publio

Orchestre de l'Opera de Rouen Normandie
Ben Glassberg: Ltg.


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