Dave Kelly

40 Years On, A Recollection


Info
Musikrichtung: Blues Rock/Rock/Fusion

VÖ: 14.5.2021

(Repertoire Records)

Gesamtspielzeit: 249:18

Internet:

https://www.repertoirerecords.com/
https://www.thebluesband.net/bio/DaveKelly.html


Die Sixties - der britische Blues Boom, einige denkwürdige Jahre waren das, und ich war mittendrin. Unter den Stars waren viele Gitarristen. Den Vogel schoß sicher John Mayall ab, mit Eric Clapton, Peter Green und Mick Taylor. Nun, weitere Bands hatten auch ihre Vorzeigegitarristen - bei Aynsley Dunbar war es John Moorshead, bei Cuby + Blizzards war es Eelco Gelling, bei Ten Years After brillierte Alvin Lee, bei Savoy Brown war es Kim Simmonds, bei The Groundhogs spielte Tony McPhee, der dann bei John Dummer's Blues Band auf Dave Kelly traf. Doch um diesen Dave Kelly geht es hier gar nicht. Vielmehr werden durch 40 Years On, A Recollection die Jahre 1979 - 2015 abgedeckt.

Insofern beginnt auf dieser 3-CD-Box die Geschichte des Musikers mit der Gründung von The Blues Band. Die Box ist thematisch unterteilt, CD 1= "All My Own Work", CD 2= "Between The Covers" und CD 3= "Alive And Kicking". So finden wir Songs bekannter Alben, seltene Aufnahmen und Live-Einspielungen. Dreiundzwanzig der fünfundfünfzig Songs sind unveröffentlicht. Abgerundet wird das Ganze mit einem vierzig Seiten starken Booklet mit Liner Notes von Chris Welch, einem Interview mit Kelly und einem Vorwort von Roy Bainton, einem langjährigen Fan des Musikers.

Im Einzelnen: "All My Own Work" - hier gibt es Titel der Blues Band (#9), Single-Titel (#3), Songs der Solo-Platte "Feels Right" (#2, 4), "Heart Of The City" (#1, 19) und einiges Anderes. Und hier wird man schon etwas durcheinander gebracht, wenn man sich im Booklet die "Details in chronological order" anschaut. Denn danach tauchen auch auf CD 2 Titel der oben genannten Platten auf, gleichzeitig gibt es auch auf CD 1 Live-Aufnahmen, die ich lediglich auf CD 3 vermutete. Nun, ein wenig herrscht hier Durcheinander, aber hinsichtlich der gewählten Themen sicher alles korrekt, denn CD 1 enthält eben nur Eigenkompositionen und CD 2 Fremdkompositionen. Allerdings wird dadurch eine Chronologie nicht gewährleistet.

Dieses Manko ändert allerdings nichts an der Qualität der vorgestellten Musik, und natürlich im Vordergrund das spezielle Slide-Gitarren-Spiel des Protagonisten, dass untadelig ist. Stilistisch ist Kelly nicht unbedingt festzunageln. Bringt man ihn unwillkürlich, durch den Bezug zu seinen Sixties-Aktivitäten, natürlich mit Blues in Verbindung, so präsentiert er auf diesen fünfundfünfzig Titeln eine gelungene Mixtur aus den Genres Blues, Rhythm ’n' Blues, Rock, Pub Rock, Rock ’n' Roll, ein wenig Country-Rock und Folk-Rock, und Spuren von Pop.

Angesichts dieser Vielseitigkeit mag jeder Hörer/jede Höherin seine/ihre Lieblingstitel kören. Mir gefallen auf CD die Songs "Life After Love" mit seiner entspannten Stimmung, der cool rockende Blues Rocker "Time After Time", der schmachtend emotionale Slow Blues "When The Blues Come To Call" am besten.

CD 2 bietet also Coverversionen - da kann man gespannt sein, ob und ggf. wie sich Kelly diese zu Eigen macht. Mich kann in diesem Zusammenhang gleich der Opener, "Return To Sender", überzeugen, das geht gut ab, von Bläsersätzen fein umrahmt. Wenig Mehrwert erhalten Cover wie "The Night They Drove Old Dixie Down"(Robbie Robertson), "Pancho And Lefty"(Townes Van Zandt), "You're Gonna Make Me Lonesome"(Bob Dylan), "Crying In The Rain" (Greenfield/King), hier als Reggae-Version, oder "City Of New Orleans" von Steve Goodman. Entweder klebt Kelly hier recht nah an den Originalen oder vermag diesen keine wesentliche andere Note verleihen, die aufhorchen liesse. Anders ist das bei "(Sittin' On) The Dock Of The Bay", das mit einem lasziven Anstrich ausgestattet ist, dem alten Herman's Hermits-Titel "I'm Into Something Good" (Goffin/King), oder dem shuffelnden "Rooster Blues" (Jerry West). CD 2 demnach mit Licht und Schatten....

Nun wird es lebendig - alles live auf CD 3: Und das geht gleich richtig gut ab mit einer Einspielung aus Montreux, aus 1983. Hier hätte auch noch Dave Edmunds gut mitspielen können, in diese Richtung geht dieses treibende "Rolling Log". Auffällig ist bei der Betrachtung der Titel, dass sich hier viele Blues-Originals eingeschlichen haben - von Willie Dixon (#2, 4) und Muddy Waters (#3) über Son House (#11) zu Elmore James (#12). Insofern kommt die Slide oft verstärkt und prominent zu Wort und präsentiert somit des Protagonisten Stärke und verleiht dieser CD eine verdammt gute Stimmung. Für mich der Gewinner des Dreierpacks! Verlierer sind die Zusammenstellung und die Präsentation, zum Beispiel - weil man, will man Besetzungsangaben zu einzelnen Songs haben, wild hin und her suchen muss. Wer jedoch den späten Kelly näher kennen lernen möchte, könnte hier gern zugreifen, für Sammler ist eine Eignung ebenfalls durch die hohe Anzahl unveröffentlichter Titel gegeben.



Wolfgang Giese



Trackliste
CD 1 "All My Own Work":

1 Straight Line [To My Heart] (3:23)
2 Dawn Surprise (3:04)
3 Ungrateful (3:19)
4 Don’tcha Hang Up The Phone (2:52)
5 Velocity And Love (5:21)
6 Life After Love (6:23)
7 Duisburg Blues (4:06)
8 Worried Man (3:43)
9 Time After Time (3:31)
10 Waiting For Bessie* (5:02)
11 Give Me My Money (3:41)
12 Come Kiss Me Love* (3:04)
13 Mr Estes Said* (4:16)
14 When The Blues Come To Call* (4:25)
15 Going Home* (3:53)
16 If It Fits (2:41)
17 Watching The Fire (4:41)
18 Love Is A Compromise (4:18)
19 Glad I’m Living (3:38)

CD 2 "Between The Covers":

1 Return To Sender (2:54)
2 Foreign Station (3:49)
3 The Night They Drove Old Dixie Down* (4:10)
4 That’s Why (3:56)
5 Tongue Tied (4:28)
6 Jim Canaan (2:31)
7 (Sittin' On) The Dock Of The Bay (5:22)
8 I’m Into Something Good (3:13)
9 Rooster Blues (4:15)
10 110 In The Shade (4:28)
11 Pancho And Lefty (4:14)
12 Two More Bottles Of Wine* (3:33)
13 Oklahoma (2:08)
14 Anyhow, I Love You* (3:49)
15 Ee Do Do Qua Qua (3:38)
16 You’re Gonna Make Me Lonesome (3:05)
17 World In Motion (4:33)
18 Red Red Wine (2:08)
19 Crying In The Rain (3:24)
20 City Of New Orleans (4:40)
21 She’s Funny That Way (3:52)

CD 3 "Alive And Kicking":

1 Rolling Log* (3:52)
2 That Same Thing* (6:42)
3 I Can’t Be Satisfied/Chicago Calling* (4:54)
4 Hoochie Coochie Man* (5:49)
5 Lovey Dovey* (4:01)
6 Too Bad To Be True* (4:51)
7 My Old Friend The Blues* (4:06)
8 Foolish Pride* (2:53)
9 You Shook Me* (6:10)
10 Barnyard Boogie* (2:41)
11 Walking Blues* (4:37)
12 Dust My Blues* (5:21)
13 Lights Out* (5:07)
14 Blind Man* (5:00)
15 Grits Ain’t Groceries* (9:42)
*= bisher unveröffentlichte Songs
Besetzung

Dave Kelly (lead vocals, guitars, slide guitars, dobro)
Tom McGuinness (guitar & backing vocal)
Christine Collister (vocals & acoustic guitar)
Steve Donnelly (lead guitar)
John Maskell (lead guitar)
Ed Deane (lead guitar)
Pete Emery ( lead guitar)
Rod Smarr (lead guitar)
Lalla Hansson (12-string guitar)
Keith Nelson (electric banjo)
Lou Stonebridge (keyboards, backing vocals & accordion)
Peter Filleul (keyboards & background vocals)
Zoot Money (keyboards)
Geraint Watkins (piano)
Chuck Leavell (piano)
Steve Gurl (synthesizer)
Liz Kitchen (spoons, washboard, percussion & vibraphone)
Steve Simpson (violin)
Gary Fletcher (bass)
Tex Comer (bass)
Marcus Cliffe (bass, string bass)
Andy Herbert (bass)
Andy Brown (bass)
Rob Townsend (drums)
Roy Morgan (drums)
Sam Kelly (drums)
Pick Withers (drums)
Dick Hanson (trumpet)
Bobby King, Willie Greene Jr., Pico Payne, Frank Collins, Paddie McHugh, Dyan Birch, Kenny Andrews (backing vocals)
John Hammond (harmonica)



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