Carl Sentance

Electric Eye


Info
Musikrichtung: Hard Rock

VÖ: 19.11.2021

(Drakkar / Soulfood)

Gesamtspielzeit: 40:13

Internet:

http://www.facebook.com/carlsentanceofficial


Den am 28. Juni 1961 in Cardiff, Wales geborenen Carl Sentance kennt man vor allem als Sänger von Nazareth. Die meisten Fans der schottischen Rock-Institution haben ihn nach seinem Einstieg 2015 sofort ins Herz geschlossen und – zumindest von mir – unerwartet schnell als angemessenen Nachfolger des unersetzbaren Dan McCafferty akzeptiert. Ich fand das klasse, war zugleich aber auch darüber erstaunt, weil ihm das Raue der leider kürzlich verstorbenen Legende in dessen einzigartiger Ausprägung fehlt.
Nichtsdestotrotz ist Sentance ein brillanter Sänger mit einem beeindruckenden Stimmumfang und großer Ausdruckskraft. Von seinem charismatischen Timbre konnte man sich bereits bei Persian Risk oder Dario Mollo´s Crossbones sowie unter anderem auf diversen Soloalben des Deep Purple-Keyboarders Don Airey überzeugen. Durch diese Aktivitäten erklärt sich das Mitwirken der übrigen Musiker an Electric Eye, Carls zweiter Solo-Veröffentlichung nach dem bereits 2009 erschienenen Mind Doctor.

„Judas“ eröffnet die neue, 40 Minuten lange Scheibe des Sängers mit starkem Drumming von Bob Richards (Ex-Asia). Auffällig ist das stringente Arrangement, das dennoch Raum für Verzierungen und kleine Schlenker lässt. Das soll sich im weiteren Verlauf als so etwas wie der rote Faden erweisen und ist ein großes Plus dieser Platte! Als beim folgenden „Alright“ der Gesang einsetzt, stutze ich kurz: Singt da etwa Geoff Tate? Diese Seite im vokalistischen Spektrum des Walisers war mir bisher völlig entgangen! Falls ich es doch bemerkt habe, dann aber jedenfalls nicht so sehr, dass mir eine Ähnlichkeit zum früheren Queensryche-Sänger in den Sinn gekommen wäre.
Wie dem auch sei, nach der ersten Überraschung klingt diese Klangfarbe sofort vertraut und absolut passend. Klasse! Beim Titelsong „Electric Eye“ entschädigen Jay Banks´ vibrierende Basssaiten für das etwas zu sehr in die Länge gezogene Ende. Trotz der im Text auftauchenden Frage „Can´t you feel my heavy metal bite?“ wird erst beim folgenden „Overload“ härtemäßig die Schraube angezogen. Diese Up-Tempo-Nummer geht am ehesten in Richtung Metal. Da sieht man förmlich die Fans ausrasten und spürt, wie die Stimmung überkocht! Zum Runterkommen gibt’s mit dem cool runtergezockten „Nervous Breakdown“ eine swingende Fast-Ballade mit clever übereinander gelegten Gesangsspuren. Daran schließt sich mein persönlicher Favorit „Exile“ an; ein grandioses kleines Meisterwerk inklusive erneuter Tate-Referenzen und einem explosiven Schluss. Ähnliches kann man über „Young Beggars“ sagen, und doch ist das Stück mit seinem getragenen Refrain als Kontrast zu der kraftvollen Instrumentierung ganz anders, nicht nur von der Atmosphäre her!
„If This Is Heaven“ erreicht dieses hohe Level zwar nicht, punktet aber mit fetten Gitarren im Rock´n´Roll-Stil. Beim straighten „Battlecry“ wird noch einmal Fahrt aufgenommen, Mr. Tate lugt ein letztes Mal um die Ecke, bevor das unbekümmert-fröhliche „California Queen“ mit augenzwinkernder Ironie eine abwechslungsreiche Platte beendet, die jedem Hard Rock-Fan zusagen müsste.



Michael Schübeler



Trackliste
1Judas4:22
2Alright3:28
3Electric Eye4:17
4Overload3:17
5Nervous Breakdown4:08
6Exile4:42
7Young Beggars4:38
8If This Is Heaven3:47
9Battlecry4:02
10California Queen3:32
Besetzung

Carl Sentance (Vocals, Guitar)
Jay Banks (Guitar)
Dario Mollo (Guitar)
Wayne Banks (Bass)
Bob Richards (Drums)
Don Airey (Keyboards)



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