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Artikel

50 Jahre Uriah Heep - Interview mit Gründungsmitglied Mick Box (deutsche Übersetzung)

Info

Gesprächspartner: Mick Box (Git, Gründungsmitglied)

Zeit: 07.05.2020

Ort: Berlin-Spandau – Nord London

Interview: E-Mail

Stil: Progressiver Hard Rock

Internet:
http://www.uriah-heep.com

Als Norbert Mick, Ken, John, Lee und Trevor eine Woche vor seinem 15. Geburtstag nicht gebrauchte Konzerttickets, die er nach dem Konzert in der hannoverschen Niedersachsenhalle am Bühnenausgang eingesammelt hatte, zur Unterschrift vorlegte, ahnte er nicht, dass er den Gitarristen und einzig verbliebenen Mitgründer von Uriah Heep 42(!) Jahre später zum 50. Bandjubiläum interviewen würde.
Immerhin waren Uriah Heep damals nicht nur bereits eine Legende und Institution, sondern eine Band, die für viele Kritiker und Fans ihren Zenit – spätestens seit Ausstieg des Gründungssängers David Byron – schon deutlich überschritten hatte.
Es hätte damals wohl niemand darauf gewettet, dass Uriah Heep noch über 40 Jahre existieren würden – ganz zu schweigen von dem neuen kreativen Hoch der letzten zwölf Jahre.

Der Juni 1970, der wegen des Erscheinens des Debüt-Albums von Uriah Heep als Gründungszeitpunkt gelten darf, liegt nun genau 50 Jahre zurück. Die MAS nimmt das zum Anlass zu einem gründlichen Blick auf einen der Gründungsväter des Hard Rock. In dieser Ausgabe gibt es Interviews mit den Gründungsmitgliedern Mick Box und Ken Hensley (bis 1980 bei der Band). Danach werden ein Jahr lang Monat für Monat Reviews zu all den Uriah Heep-Alben folgen, die bislang nicht in der MAS besprochen worden sínd.
Eventuell wird es begleitend auch noch das eine oder andere Interview geben.

Ihr könnt das Interview mit Mick Box auch im englischen Original lesen.






MAS: Hallo Mick! Im Juni 1970 wurde das Uriah Heep-Debüt `Very ‘eavy, very ‘umble´ veröffentlicht. Somit können wir in diesem Jahr den fünfzigsten Geburtstag von Uriah Heep feiern. Ich bin seit etwa 1976 Fan der Band und habe im Lauf der letzten 45 Jahre eine ganze Menge über die Band gehört und gelesen. Ich möchte die Gelegenheit des Jubiläums nutzen, um die Wahrheit einiger Legenden, die ich gehört habe, zu überprüfen.

Fangen wir hiermit an. Eine Band namens Spice begab sich in die Lansdowne Studios (am Holland Park in London; NvF), um einfach einmal ein paar Demos aufzunehmen. Eines Tages kam Gerry Bron mit einem Plattenvertrag in der Hand ins Studio und eröffnete der überraschten Band: `Wir werden keine Demos aufnehmen. Hier ist der Vertrag für Euer erstes Album.´ Wahrheit?


Mick Box: Wir hatten unter dem Namen Spice im Blues Loft gespielt, einem Club in High Wycombe im UK. Der Vater unseres Bassisten Paul Newton, der uns bislang gemanget hatte, hatte das Gefühl, dass er uns nicht weiter voran bringen könne. So hatte er Gerry Bron, der sich um Manfred Mann, Gene Pitney und einige andere kümmerte, eingeladen, vorbei zu kommen und sich die Band anzusehen. Die Band waren Spice, bestehend aus Mick Box, David Byron, Paul Newton und Alex Napier. Er mochte, was er sah und hörte; insbesondere, dass wir vorwiegend eigenes Material spielten. Er sagte, er würde uns ins Studio holen und sehen, ob da etwas mit Zukunft bei raus kommen würde. Ihm gefiel, was aus den Boxen kam, und wir begannen dort und dann das erste Album aufzunehmen.

MAS: Wann genau waren diese Studio Sessions?

Mick Box: Im November / Dezember 1969.

MAS: Ken war kurz zuvor zur Band gestoßen, und es war deutlich, dass das einen starken Einfluss auf den Sound der Band haben würde. Daher wurde entschieden den Namen der Band in Uriah Heep zu ändern. Wahrheit?

Ken Hensley – von 1970 bis 1980 Multiinstrumentalist und Songwriter bei Uriah Heep

Mick Box: Wir waren ein Quartett und hatten den Großteil der Songs bereits geschrieben. Aber beim Durchhören hatten wir das Gefühl ein Keyboard würde uns die musikalische Färbung geben, nach der wir suchten. Wir versuchten es mit einem Freund von Bron, einem Lehrer namens Colin Wood an den Tasten, und es war eindeutig, dass das der Weg war, den wir gehen wollten. Ich war damals ein großer Fan der amerikanischen Band Vanilla Fudge. Sie benutzten eine Hammond Orgel, gespielt von Mark Stein. Das habe ich geliebt, denn die Hammond Orgel passte in jeder Nuance zu unserer Musik. Paul schlug dann einen Kerl namens Ken Hensley vor, mit dem er bereits bei The Gods zusammen gearbeitet hatte und der eine Hammond Orgel spielte. Ken kam ins Studio und ihm gefielen sowohl die Songs, als auch das ganze Drumherum, das Bron durch seine Booking Agency im Blick auf Management, Publishing, Aufnahme und Live Aktivitäten aufgebaut hatte. So wurden wir zum Quintett und das Puzzle war komplett.

MAS: Warum gerade Uriah Heep? Wer ist auf die Idee gekommen? Der von Charles Dickens geschaffene Charakter ist alles andere als sympathisch oder positiv. War das einfach nur die provokative Attitüde einer Rock Band? Der negative Charakter von Dickens’ Uriah Heep passt ja nicht besonders zu den oft romantischen, fantastischen und sogar friedensbewegten Texten von Heep. Würdest Du dem zustimmen?

Mick Box: Es ist einfach nur ein Name. Ich würde nicht so weit gehen, solche Schlüsse zu ziehen. Ich glaube nicht, dass der Name einer Band die Musik widerspiegeln muss, die sie spielt. Uriah Heep ist nicht mehr als die Gestalt aus der Feder eines literarischen Giganten wie Charles Dickens, die er in seinem Buch David Copperfield benutzt hat. Das war mir genug. Gerry Bron, unser damaliger Manager, hatte den Namen vorgeschlagen.

MAS: Bist Du damit einverstanden, wenn die Veröffentlichung von `Very ‘eavy´ als die Geburtsstunde von Heep bezeichnet wird? Oder würdest Du eine anderes Ereignis für passender halten?

Mick Box: Wir hatten uns für den Wechsel vom Quartett zum Quintett entschieden und für die Änderung der musikalische Leitlinie. Und wir fühlten, dass ein Wechsel des Namens anstand. Die Veröffentlichung des Debütalbums 1970 war für den Rest der Welt dann ganz real die Geburt der Band.

MAS: Ken erscheint auf ‘Very ‘eavy’ an keiner einzigen Stelle als Autor. Wie groß war sein Einfluss auf diesem Album?

Mick Box: Als Ken an Bord kam war schon vieles geschrieben. Dann trat er der Band tatsächlich bei. Er musste sich erst einmal selber zurecht finden und dann seinen Platz bei uns ausgestalten. Was immer auch sein Einfluss, wie Du es nennst, in dieser Hinsicht war, spielte sich zwischen Gerry Bron und ihm selbst ab. Ich hatte daran keinen Anteil und die anderen Jungs auch nicht.


MAS: Dann gab es einen tiefen Einschnitt. Auf `Salisbury´ ist er bei allen Songs zumindest Co-Autor. Bei der Hälfte der Stücke wird ihm die Autorenschaft sogar alleine zugeschrieben. War der Unterschied tatsächlich derart drastisch?

Mick Box: Nachdem sich Ken in der Band etabliert hatte blühte er als Songschreiber auf. Es gab beim Songschreiben damals auch eine kreative Chemie zwischen David, Ken und mir selbst. Wir haben in den frühen Tagen unserer Karriere immer versucht die besten Songs aufzunehmen, die auf dem Tisch lagen, völlig egal, wer sie geschrieben hatte. Und Ken hatte zu guter Letzt wohl ein Ventil für seine Fähigkeiten als Schreiber gefunden, wie niemals zuvor. Die Kreativität der Band war so stark, dass Du ihr bloß den reinen Knochen eines Songs hättest vorwerfen müssen, und wir wären in der Lage gewesen etwas wirklich Besonderes daraus zu machen. Und das ist tatsächlich häufig passiert.

MAS: Was ist mit seinen Aktivitäten in der Band solange sie noch Spice hieß? Ist er mit Euch noch länger getourt und hat er mit Euch vor dem Namenswechsel aufgenommen?

Mick Box: Er hat die Spice Aufnahmen nur im Studio gehört, als er ein Teil von uns wurde. Dann haben wir den Namen gewechselt.

MAS: Heute bist ohne Frage Du der Mr. Uriah Heep. In den 70ern ging es, wenn über Heep gesprochen wurde, in der Regel um zwei Kreativ-Direktoren – Ken und David Byron. Wahrheit? Wie groß war Dein Einfluss in diesen Tagen?

Mick Box: Um ehrlich zu sein, lasse ich die Leute da denken, was sie wollen. Ich bin ein selbstbewusster Mensch und mache mir daher keinen Kopf darum, was ich musikalisch, oder in anderer Hinsicht eingebracht habe. Und so halte ich es bis heute.

MAS: Unser letztes Interview im November 2016 drehte sich um die Re-Release Serie, die in jenem Herbst begonnen hatte. Sie stoppte nach der Wiederveröffentlichung von `Magician’s Birthday´. Warum wurde sie nicht fortgesetzt und besteht irgendeine Aussicht darauf, dass es doch noch weiter geht?

Mick Box: BMG haben bereits viele Re-Releases gemacht. Derzeit stellen sie ein 50th Anniversary Box Set zusammen, das großartig sein wird.

Autogramm von Mick Box (und Bassist Trevor Bolder, verstorben 2013) auf der Rückseite eines unverkauften Tickets vom Januar 1978

MAS: Nun, Mick, unser kleines Magazin wird das Jubiläum von Heep mit dem bislang größten Projekt in der fast 20-jährigen Geschichte von musikansich.de feiern. Nach den Interviews mit Dir und Ken in dieser Ausgabe wird es Monat für Monat Reviews zu allen (zwölf) Heep-Alben geben, die bislang nicht in musikansich.de besprochen worden sind. So wird es über ein Jahr lang keine Ausgabe ohne Uriah Heep geben.

Mick Box: Toll das zu hören. Danke für Euern Support.

MAS: Ich habe bislang nichts von besonderen Aktivitäten der Band selbst zu dem Jubiläum gehört – abgesehen von einer 6-Gig-UK-Tour, aber das ist ja wohl nicht mehr als Eure tägliche Arbeit. Wollt Ihr diesen großen Moment einfach so verstreichen lassen?

Mick Box: Natürlich würden wir einen solchen Termin nicht einfach so verpassen, aber die Pläne, die wir hatten, sind durch das Aufkommen von Covid-19 vom Tisch.

MAS: Ich reklamiere für Heep immer, dass sie die einzige Band der Hard Rock Gründungväter (Heep, Purple, Zeppelin, Sabbath) ist, die sich nie aufgelöst hat. Wahrheit? Was ist mit der Zeit zwischen `Conquest´ und `Abominog´?

Mick Box: Nachdem sich das Conquest Line-up aufgelöst hatte, dauerte es nur ein Wochenende (2 Tage) bis ich begonnen habe das Abominog Line-up zusammen zu stellen.

MAS: Mick, Danke für die Antworten. Es kann sein, dass ich mich während unser Review-Serie noch einmal mit neuen Fragen bei Dir melde.

Norbert von Fransecky


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