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Artikel

Schuster bleib bei Deinen Leisten – Das Slam-Magazin und der Black Metal

Info

Autor: Slam

Titel: Slam #102

Verlag: Slam Media GmbH

Preis: € 4,90

120 Seiten

Internet:
http://www.slam-zine.com

Es ist mehr als ungewöhnlich, dass wir eine Ausgabe eines regulär erscheinenden Periodikums besprechen. War eigentlich auch nicht so gedacht. Uns erreichen regelmäßig Mails, die auf neue Slam-Ausgaben hinweisen. Die Slam-Redaktion gibt aber auch Sonderheft mit thematischen Schwerpunkten heraus. Da wurden bei uns bereits Hefte z.B. zu Pink Floyd, AC/DC und Metallica besprochen, aber auch zu Musikstilen wie Grunge und den Gründungsvätern des Hard Rock, wo man sträflicher Weise Uriah Heep vergessen hatte. Als nun eine Mail im Kasten landete, die auf ein Black Metal-Heft verwies, rechnete Norbert mit einem neuen Sonderheft, das er sofort anforderte. Was er bekam war aber schlicht die Ausgabe #102 des alle zwei Monate erscheinenden Slam-Magazins.

Ein Black Metal-Themenheft ist das nun wirklich nicht. Der Black Metal-Leitartikel, der anlässlich der Veröffentlichung des Filmes Lord of Chaos erschienen ist, umfasst gerade einmal zehn Druckseiten und die sind so reich und großflächig bebildert, dass der reine Text sich auf etwa drei Seiten reduziert. Da muss man sich dann natürlich auf das Wesentliche konzentrieren.

Was haben dann Running wild, Kiss und Pink Floyd in diesem Artikel verloren? Okay, wer lange gräbt, wird sehr subtil fündig werden – am ehesten noch bei Running wild. Denn unsere Lieblings-Piraten haben auf ihren frühen Alben tatsächlich mal mit Pentagrammen um sich geworfen. Ob das aber reicht, um die beiden ersten Alben der Hamburger zu „zwei essentielle[n] Werke[n] Welle der „First Wave of Black Metal““ zu erheben (S. 24)? Ist doch das Teuflischste, was Rock’n’Rolf je verbrochen hat, eigentlich der „Schlagzeuger“ Angelo Sasso.

Pink Floyd wiederum gehörten Ende der 60er – neben u.a. David Bowie, so Autor Thomas Sulzbacher, zu einer Welle von „Bands und Künstler[n] mit okkultem Fokus / Hintergrund / Interesse“ (S. 23). Auch hier wird man bei intensiver Suche und großzügiger Auslegung ein wie auch immer geartetes „Interesse“ an dubiosen Phänomenen finden.

Das Starchild-Make up von Kiss als „geschminkte Dämonenfratzen“ zu bezeichnen (S. 23), ist aber nun nur noch einem verwirrten Geist zuzumuten. Okay, sie sollten provozieren und schocken, wie später das Corpse Paint. Aber unter dem Aspekt ist auch Elvis Black Metal.

In einer 567-seitigen Doktorarbeit kann man eventuell auch derart okkulten (d.h. wörtlich: verborgenen) Verbindungen nachspüren. Bei einem 3 A4 Seiten langen Text hat man eher den Eindruck, der Autor muss alles, was er irgendwie mit dem Thema assoziieren kann zusammentragen, um auf seine Zeilen zu kommen. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man überlegt, was an essentiellen Informationen zum Black Metal stattdessen hätte gesagt werden müssen.

Aber Thomas Sulzbacher schreibt ja für Slam und nicht für’s Rock Hard. Seinen wir also gnädig. Vielleicht reicht das, was in dieser #102 gesagt wurde, dem typischen Slam-Leser ja als Informationen über einen Musikstil, der wegen eines aktuellen Films mal wieder im Licht der Öffentlichkeit steht. Ein spezieller Grund für Nicht-Slam-Leser sich diese Ausgabe ausnahmsweise einmal zuzulegen, ist der Artikel definitiv nicht.

Für besagte Nicht-Slam-Leser: Slam erscheint alle zwei Monate und hat sich auf den Alternativ / Indie Bereich der Musikindustrie konzentriert, streift dabei gelegentlich in die Hardcore, Punk, Black und Gothic Bereiche ab. Von traditionellem Hard Rock, Metal und Classic Rock hält er sich aber konsequent fern; grenzt sich also sinnvoll von Rock Hard und Metal Hammer auf der einen und dem Rolling Stone auf der anderen Seite ab. Kann sich also bei entsprechendem Interesse für Leser der genannten Postillen als Ergänzung zu ihrer Hauptpostille durchaus lohnen.
Für ihre Leser-Szene stellt die Slam einige Seiten für Comics, Games und DVDs zur Verfügung. Außerdem liegt eine CD bei, die sich um den Stil des Leitartikels nicht weiter kümmert.


Tracklist CD:
1 Fiddler's Green - One fine Day (3:35)
2 Rogers - Mittelfinger für immer (4:02)
3 Zebrahead - All my Friends are Nobodys (3:03)
4 Sojus 3000 - Requiem (9:37)
5 River becomes Ocean - The End (3:49)
6 Pascow - Unter Geiern (3:05)
7 Skinny Lister - 38 Minutes (2:17)
8 Nightrage - By Darkness drawn (Single Version) (3:29)
9 Doux - 1 808 Basic (3:34)
10 Childrain - Wake the Ghost (3:58)
11 Krautschädl - Ane auf die Finga (2:50)
12 Stone blue Electric - Every Picture tells a Story (3:33)
13 Go go Gazelle - Goldene Zeiten (3:24)
14 Les Butcherretes - give/UP (3:40)


Zwei Kleinigkeiten am Rande. Beim Slam hat man offenbar eine ganz eigene (alternative?) Vorstellung davon, wann ein Satz endet und ein neuer beginnt. Ein derart durchgehendes Ignorieren der Interpunktionsregeln habe ich noch nie erlebt, selbst bei Punk Fanzines nicht.
Ach ja, und dann hat der Fehlerteufel einmal verteufelt (weil’s ja die Black Metal Ausgabe war; Red.) grinsend zugeschlagen. Die „Liedgitarren“ in der While she sleeps Review (S. 59) sind einfach niedlich.

Norbert von Fransecky


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