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Reviews

Diverse (Bardon, E.)

Shiruku


Info

Musikrichtung: Weltmusik traditionell / Ensemble

VÖ: 03.11.2023

(Amrbronay / Note 1 / CD / DDD / 2022 / AMY061)

Gesamtspielzeit: 79:45

STAUNEN MIT OFFENEN OHREN

Der alte Mythos „Seidenstraße“ inspiriert nicht nur Weltgeschichte und Legenden, historische Forschung oder aktuelle globalpolitische Visionen, sondern auch Musikprogramme: Unter dem Titel „Shiruku“ hat das weltmusikalisch besetzte Ensemble „Canticum Novum“ unter der Leitung des Sängers Emmanuel Bardon eine CD zu einem gleichnamigen Konzert des Ambronay-Festvials 2022 eingespielt.

„Shiruku“ ist japanisch, bedeutet „Seide“. Unter diesem Titel nimmt "Canticum Novum" das Publikum mit auf eine Reise, die vom Westen Europas über den Mittelmeerraum, den Nahen Osten, Nordafrika und Vorderen Orient bis nach Japan führt. Dabei umfasst der historische Rahmen, zumindst was westliche Quellen angeht, etwa das 13. bis 16. Jahrhundert. Die Wurzlen vieler Stücke reichen freilich noch weiter zurück. Auf dieser Route begegnen in lockerer Folge Cantigas des Mystiker-Königs Alfonso X el Sabio, Instrumental- und Vokalmusik der des ottomanischen Imperiums, Lieder sephardischer Juden, venezianische, bulgarische, marokkanische oder portugiesische Klänge – und natürlich auch solche aus Japan: zeremonielle vom Hof des Tennō wie populäre Lieder auch aus verschiedenen Präfekturen.

Bei aller Verschiedenheit geht dieser Reichtum an Epochen und Stilen doch sehr überzeugend zusammen, wobei die Welten sich dankenswerter Weise zwar berühren, aber im Wesentlichen doch in ihrer Besonderheit verbleiben dürfen. Lediglich bei einem Track mischen sich italienische Saltatrello-Rhythmen, griechische und japanische Sounds – aber diese Jam-Session funktioniert sehr gut, man hört, dass die Musiker:innen sich im Laufe des Projekts in die jeweiligen Sprachen und Dialekte der Kolleg:innen eingehört haben. Da gehen die Bambusflöte Shakuhachi mit europäischen Blockflöten oder die dreisaitige japanische Laute Tsugaru-shamisen mit der vorderorientalischen Oud eine spannende Allianz ein.
Im Grunde beruht die globale menschliche Musik, zumindest in ihrer traditionellen Form, auf einigen wesentlichen Prinzipien, vor allem Tonschritten, die sich zu Skalen fügen und entsprechend ausgestaltet den jeweils individuellen Ton einer Kultur ergeben. Das schließt Entwicklungen in neue Regionen nicht aus: Geradezu zauberisch sind die verschiedenen Klänge, die sich der Koto, der japanischen Zitter, entlocken lassen – hier geht das Spiel gewiss weit über das hinaus, was dieses Instrument traditionell von sich gibt, aber das zeigt eben auch, dass Kreativität immer danach strebt, die Möglichkeiten zu erweitern und dass die offenen Ohren von heute die Vergangenheit mit dem Verständnis der Gegenwart verlebendigen. „Shiruku“ ist eben auch keine nur akademische Exkursion ins völkerkundliche Musik- und Instrumentenmuseum.

So lauscht man fasziniert, gebannt, mitswingend und manchmal auch ergriffen den diversen „Shiruku“-Entdeckungen und ihrer ebenso vital musikalischen wie geschichtsbewussten Darbietung durch "Canticum Novum".



Georg Henkel

Trackliste

Alfonso el Sabio: A Madre do que livrou
Bartolomeo Tromboncino: Yusei; Neda Voda Nalivala
Anonymus: Nihavend Pesrev; Hietsuki Bushi; Qui tire un coup de fusil - Ahwash & Ahidus; Senhora del mundo; Su su, leva, Alza le Ciglia; Non posso far bucato; Ecchu Owara Bushi; Ostinato vo' seguire; La fleur se plaint - les musiciens itinerants; Kontoula Lemonia - Petit citronnier; Saltarello - Saba Zonoradiko; Por que llorax; Puntcha puntcha; Una matika de ruda; Kokiriko Bushi; Dume, hermoza donzeya  

Besetzung

Canticum Novum

Emmanuel Bardon, Leitung & Gesang
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