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Reviews

SJO/CGN & Stefan Karl Schmid

You Are The Universe


Info

Musikrichtung: Bigband Jazz

VÖ: 16.06.2023

(Tangible Music)

Gesamtspielzeit: 56:16

Internet:

http://www.stefankarlschmid.net/
http://www.jazz-im-subway.com/
https://tangible-music.de/

Sowohl der Musiker Stefan Karl Schmid als auch die Big Band-Formation Subway Jazz Orchestra stellten sich bereits mit entsprechenden Produktionen vor, Schmid erstmals 2014 mit Schmid's Huhn und zuletzt 2022 mit Schmid's Huhn Layers (live) , und bezüglich des Subway Jazz Orchestras (SJO/CGN) verweise ich auf die 2018er Produktion Richbeck Suite mit Tobias Wember.

Wie der Protagonist mitteilte, habe er im vergangenen Jahr mit seiner langjährigen Working-Bigband, dem Subway Jazz Orchestra, dieses, sein erstes Bigband-Album produziert. Es enthält eine Suite für Jazzorchester, die er im Rahmen einer Künsterresidenz im Norden Islands ersonnen habe. Ferner führt er aus, dass er, ausgehend von einer kleinen musikalischen Zelle, das Ziel hatte, ein vielschichtiges Klangspektrum aufzuspannen. Alle Elemente sollen sich aufeinander beziehen und entwickeln sich durch das komplexe Werk hindurch. So sollen auch die Stimmung und die Atmosphäre der isländischen Landschaft dabei natürlich großen Einfluss genommen haben.

Wenngleich vielleicht nicht typisch isländisch, aber, wenn ich spontan assoziieren muss, empfinde ich auf jeden Fall einen emotionalen Sprung in die nordischen Länder. So muss ich dann an solche Formationen wie das UMO Jazz Orchestra, die Espoo Big Band oder die Bergen Big Band denken. Doch das ist nicht das Einzige, was vielleicht annähernd Raum für Vergleiche schaffen kann. Denn gleichermassen meine ich, eine Erweiterung dessen zu hören, was halt eine klassische Bigband-Besetzung ausmacht, und da kommen mir spontan zwei meiner "Referenz-Klangkörper" in den Sinn, und das ist einmal die Japanerin Toshiko Akiyoshi mit ihrer ganz individuellen Ausrichtung ihrer Bigband-Kompositionen und dann noch Gil Evans, der eigentlich sehr stark andere Elemente eingebracht hat mit seinen verschiedenen Formationen.

So denke ich, ist es auch dem Stefan Karl Schmid Subway Jazz Orchestra gelungen, hier das Typische aufzubrechen, indem man gleichermassen das Erwartete als auch das Unerwartete antrifft. Und das wiederum führt zu Reibung, Reibung, die aufhorchen läßt, die zum Zuhören fesselt, um dann auch nicht so schnell wieder loszulassen. Ja, diese Suite ist in der Tat betörend und hochinteressant, und das auf einem hohem emotionalem Niveau.

Und hinsichtlich der erweiterten Arrangements und der musikalischen Umsetzung wird eigentlich nur auf Nuancen in der Gestaltung zurückgegriffen, zum Beispiel entwickelt sich mit dem "Prologue:Reveal" eine Stimmung, die mich an das Erklingen tibetanischer Gongs erinnert, es schwebt meditativ und ich fühle mich sofort in eine Art Märchenwelt entführt. Dem Line-up ist zu entnehmen, dass mehrere Musiker mit "effects" aufgeführt sind. Schmid erklärt hierzu: Als besondere Erweiterung des Bigband-Klangkörpers integriere ich in jeder Section ein durch analoge und digitale Effekte erweitertes Instrument. Außerdem greife ich mit der Effekt-verzerrten Klarinette und Fabian Arends mit dem Modularsynthesizer massgeblich in das Geschehen ein. So entsteht ein spannender und neuer Bigband Sound, der meine Klangvorstellung einer zeitgemässen und detailreichen Bigband-Musik wiedergibt.

Ja, dem kann ich gut folgen, und dadurch auch ist sicher eine der spannendsten und vielseitigsten Produktionen des Genres Bigband-Jazz entstanden. Um noch einmal einen bereits genannten Vergleich heranzuziehen, hier insbesondere auf jene vom Protagonisten getätigten Ausführungen, so teile ich nicht unbedingt die Ansicht, dass diese Art von Effekten ein neues Klangspektrum ergeben haben, sondern eher bin ich der Auffassung, dass dieses wieder aufgegriffen wurde, was ich an entsprechenden Beispielen aus der Entwicklung der Musik von Gil Evans bereits kennenlernte. Aber genau das halte ich für wichtig, denn wenn man diesen Faden weiter spinnt, dann wäre es ein wichtiger Schritt, dieses Erbe von Evans auf individuelle Art und Weise fortzuführen.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Prologue: Reveal
2 Par 1: Seeing The World
3 Interlude 1: Observe
4 Part 2: Thoughts You Have Had
5 Interlude 2: Recur
6 Part 3: Who You Really Are
7 Interlude 3: Dissolve
8 Part 4: All That Will Be Or Has Been
9 Interlude 4: Erupt
10 Part 5: You Are The Universe
11 Epilogue: Adjourn
(All compositions by Stefan Karl Schmid)

Besetzung

Stefan Karl Schmid (conductor, clarinet & effects)
Martin Gasser (alto & soprano saxophones, clarinet)
Johannes Ludwig (alto saxophone, clarinet)
Joachim Lenhardt (tenor saxophone, clarinet)
Matthew Halpin (tenor saxophone, flute, clarinet)
Fabian Willmann (baritone saxophone, clarinet, bass-clarinet)
Christian Mehler (trumpet, flugelhorn)
Heidi Bayer (trumpet, flugelhorn)
Maik Krahl (trumpet, flugelhorn & effects)
Lennart Schnitzler (trumpet, flugelhorn)
Janning Trumann (trombone & effects)
Philipp Schittek (trombone)
Jonathan Böbel/ Linus Berg (trombone)
Tobias Herzog (bass-trombone, tuba)
Philipp Brämswig (guitar & effects)
Dierk Peters (vibraphone)
Sebastian Scobel (piano)
Matthias Akeo Nowak (bass)
Fabian Arends (drums, modular synthesizer)
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