····· Doppelplatin für AC/DC  ····· Neuer german Thrash aus Thüringen mit Spydory ····· Die Merseburger Death-Metaller Overlord auferstehen in Höllen-Zimmern ····· Roskilde 2024 ausverkauft - Freiwillige haben noch die Chance zur Teilnahme ····· Me first and the Gimme Gimmes kommen mit neuem Live-Album auf Tour ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Schmid's Huhn

Layers (live)


Info

Musikrichtung: Modern/Avantgarde-Jazz

VÖ: 22.04.2022

(shoebill music)

Gesamtspielzeit: 51:10

Internet:

http://www.schmidshuhn.de/schmuhn
http://www.uk-musikpromotion.de/profil.html
https://shoebillmusic.com/

Dieses kreative Huhn höre ich nicht zum ersten Mal gackern. Einmal war das im Jahre 2014 Schmid's Huhn , eingespielt unter Stefan Karl Schmid / Leonhard Huhn und vier Jahre später, nachdem der Plattentitel nun zum Bandnamen avanciert war , mit Golden Spheres .

Ja, die beiden Saxofonisten Stefan Karl Schmid und Leonhard Huhn waren die Namensgeber der Formation, und mit Layers (live)" ist nun ein weiteres Werk der Beiden erschienen. Und mit Stefan Schönegg (bass) und Fabian Arends (drums) sind die gleichen Musiker dabei. Nur hören wir die Band nun mit einem Live-Mitschnitt, aufgenommen 2020 im Club Subway in Köln, aufgenommen an fünf aufeinanderfolgenden Abenden im Rahmen der "SJO\CGN Small Series".

Im Grunde genommen, kann man sich, will man sich ein Bild davon machen, was einen erwartet, auf die beiden genannten Platten beziehen. Nur eines fällt mir auf, die gesteigerte Intensität der verschiedenen Ausprägungen einzelner Songs der Studioplatten. Hier wurden sie alle wieder aufgegriffen und erweitert, sei es nur in der Spielzeit, aber auf jeden Fall in der Stärke des Ausdrucks. Die kraftvollen Passagen wurden live noch kraftvoller, die lyrischen noch lyrischer und die Dichte des Ensemblespiels konnte sich nochmals enger zusammenschnüren.

Manche Songs wirken auf mich derart betörend, dass ich das Gefühl habe, mich wie in einer Art Trance zu befinden, als würde Alles um mich herum entschwinden und ich könnte nichts Anderes mehr vollziehen, als zuzuhören. Ganz wichtig ist das, denn würde ich auch nur einen Moment abgelenkt sein, könnte ich etwas verpassen. Denn das, was die vier Protagonisten vorlegen, das kann man oft gar nicht sofort in seiner Gänze nachvollziehen. Achte ich zum Beispiel auf einen der Saxofonisten, bemerke ich, dass mich gerade der Schlagzeuger fesselt. Dabei sollte ich vielleicht mein Ohrenmerk mehr auf den Bass lenken, der mit klarer Akzentsetzung fortschreitet, rhythmisch als auch solistisch.

Und so ist es ungeheuerlich spannend, was das Quartett live präsentiert. Ich fühle eine Art Losgelassenheit, eine Art Befreiung, die das Spiel jedes Einzelnen auskleidet. Und dann bemerke ich, welches Stück es ist, dass mich in dieser Hinsicht besonders fesselt - "Imagine Being Free"! Ja, genau das kann ich mir vorstellen, genau diese Freiheit, die ich meinte, wird hier so eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass mich fragen läßt, inwieweit ich überhaupt assoziieren kann. Denn irgendwie sind es Elemente des freien Jazz, nicht unbedingt Free Jazz - dafür ist es dann doch noch zu geordnet - die großflächige Bilder erzeugen.

Inwieweit in die Musik Elemente der Entwicklung der Jazzgeschichte eingeflossen sind, lässt sich nicht ganz so einfach nachvollziehen. Denn bei diesen Liveaufnahmen hat man sich sehr vieler Einflüsse bedient, einige Hard Bop-Passagen finden Einzug, Schräges á la Monk ist sicher häppchenweise zu finden, aber auch stark avantgardistische Passagen bilden eine Melange mit Nuancen des Cool Jazz. Hinzu kommt, dass Stefan Karl Schmid offensichtlich mit "effects" arbeitet, und damit bereits außerhalb dessen liegt, was noch mit Jazz zu tun hat. Zu "Hold Your Breath" kann man daher durchaus atemlos werden und die Schnappatmung mag für viele Unvorbereitete vorprogrammiert sein. Gleichwohl - das passt - das ist so perfekt, so leidenschaftlich, so durchdacht und spontan gleichzeitig, dass mit Layers(live) eine weitere Sternstunde des zeitgenössischen Jazz deutscher Prägung vorgelegt wurde!

Daher wäre es auch nicht korrekt, würde ich einen speziellen Titel hervorheben, denn in ihrer Gesamtheit bilden die zehn Einzelsongs etwas, was schon fast einer Art Suite gleichkommt!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Layers (6:34)
2 Reihe 1 (1:44)
3 Interlude (1:37)
4 Imagine being free (9:04)
5 Modus VI (4:46)
6 Her skin is an ocean (4:44)
7 Hold your breath (6:51)
8 Somebody steals my political opinion (4:30)
9 Fall down seven meters and become a machine (8:49)
10 Layers reprise (2:27)

Besetzung

Stefan Karl Schmid (tenor saxophone, clarinet & effects)
Leonhard Huhn (alto saxophone, clarinet)
Stefan Schönegg (bass)
Fabian Arends (drums)
Zurück zum Review-Archiv
 


So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger