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Reviews

Dream Theater

Images and Words


Info

Musikrichtung: Prog Metal

VÖ: 30.06.1992

(Atco / Warner)

Gesamtspielzeit: 57:09

Dream Theater sind eine der für mich wichtigsten Bands, die ich durch die Rock Hard kennen gelernt habe; Images and Words eines der ersten Alben, die ich mir alleine aufgrund der wenige Monate zuvor begonnenen Rock Hard-Lektüre zugelegt habe – und bis heute mein Lieblingsalbum der New Yorker. Aber das kann daran liegen, dass es eben mein erstes Dream Theater-Album war. Hätte ich die Band etwas später kennengelernt, würde möglicherweise Awake diese Position einnehmen. Eines dieser beiden aber wäre es definitiv.

Dream Theater mögen auf späteren Alben ausgefeilter und „objektiv“ besser geworden sein. Die Verbindung des aggressiven Approachs des Metals mit dem Anspruch progressiver Rockmusik aber ist auf keinem späteren Album in so perfekter Ausgewogenheit zu finden. Im Gegensatz zu späteren (längeren) Alben gibt es auf diesen beiden Alben auch nicht einen Moment der Langweile

Ohne zu zerfasern packt die Band so viel in ein einzelnes Stück hinein, dass man die Stücke eigentlich in 30-Sekunden-Passagen aufteilen müsste, um jedes Einzelteil einzeln zu besprechen. Schauen wir uns einfach mal den Opener an.

„Pull me under“ beginnt mit ruhigen Gitarrenakkorden, die sich langsam steigern und intensiver werden, um dann nach 1:17 Minuten in rockende Riffs überzugehen. Nach 2 Minuten schaltet sich erstmals Sänger James LaBrie ein. Nach dem melodischen Refrain ab 2:22 treiben sich Stimme und Gitarren ab 2:40 eine Minute lang gegenseitig zu immer mächtigerer Power an, um dann an den hymnischen Refrain zu übergeben. Die Gitarre soliert im Folgenden mal melodisch, dann wieder mit heavy Riffs. Immer wieder wirft sich Kevin Moore mit ins Rennen, mal klar erkennbar mit den Keyboards, dann wieder Streicher simulierend. Etwas irritierend ist lediglich das abrupt kommende Ende, das wirkt als würde man mitten im Stück das Band stoppen.

Die Opulenz dieses Stücks passt fantastisch zu dem detailreichen Albumcover, einem viktorianischen Schlafzimmer, in dem sich nachts ein Kind bewegt, während ein brennendes Herz mit Dornenkrone im Zimmer schwebt und sich ein gefährlich aussehender Vogel aus dem Dunkel der Nacht auf das Mädchen zu stürzen scheint. Mich hat dieses Bild und sein Nebeneinander von Bedrohung, Erlösung und Luxus immer schon an das Cover von Genesis‘ Nursery Cryme erinnert. Die dunklere Einfärbung im Vergleich zu dem bei Genesis vorherrschenden Hellgrün bildet die Entwicklung des progressiven Genres gut ab, das in den frühen 70ern noch dabei war sich vom Folk zu lösen und in den 90ern die Liaison mit dem Metal eingegangen war.

Genau wie in den 70ern stellen Dream Theater auch in den 90er immer noch völlig unterschiedliche Stücke auf einem Album nebeneinander. Auf „Pull me under“ folgt die vornehmlich von der Akustik Gitarre und dem hier besonders hoch angesetzten Gesang geprägte Ballade „Another Day“, die regelrechte Gänsehaut Momente bietet, die von Ray Beckenstein, der heir als Gast am Saxophon erscheint, noch einmal betont werden.

Wilde Keyboardexzesse, geniale Breaks, packende Riffs – „Take the Time” ist der nächste Gourmethappen für Prog-Metal Freaks. Das folgende „Surrounded“ bleibt mit seinem Refrain harmonisch im Ohr und versöhnt auch die Freunde ruhiger Parts wieder mit der Band, ohne auf lebendig aufkochende Parts zu verzichten.

Mit „Metropolis“ wendet sich Images and Words jetzt dem zu, was für Dream Thaeter immer kennzeichnender wird – lange und überlange Tracks, die reichlich Raum bieten für wilde Instrumentalabfahrten aller Musiker – in diesem Fall können sich auch Schlagzeug und Bass prominent nach vorne schieben, während bei „Under a Glass Moon“ die furiosen Keyboards massiv in Erinnerung bleiben.

Bevor die Band sich im abschließenden längsten Track nach einmal von allen Seiten glitzernd und explodierend zeigen kann, schafft das sanfte Pianostück „Wait for Sleep" noch einmal Gelegenheit zu Atemholen.

Eines der stärksten Alben der 90er!



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Pull me under 8:11
2 Another Day 4:22
3 Take the Time 8:21
4 Surrounded 5:28
5 Metropolis - Part I ("The Miracle and the Sleeper") 9:30
6 Under a Glass Moon 7:02
7 Wait for Sleep 2:31
8 Learning to live11:30

Besetzung

James LaBrie (Voc)
John Myung (B)
John Petrucci (Git)
Kevin Moore (Keys)
Mike Portnoy (Dr, Perc)

Gast:
Jay Beckenstein (Sax <2>)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger