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Adventure, Horror, Synthesizers: Nightsatan and The Loops of Doom!





Dass finnische Bands gerne einen an der Waffel haben ist allgemein bekannt und etwas das sie so sympathisch macht. Ein neues Maß des Irrsinns erreicht das Trio Nightsatan mit seinem neuesten Projekt Nightsatan and The Loops of Doom. Nein, es ist nicht bloß eine einfache CD, sondern es muss schon eine Stufe höher sein: Nightsatan präsentieren einen 24-minütigen Kurzfilm und liefern gleich den fast doppelt so langen Soundtrack mit dazu.

Doch zuerst zur Band selbst: Nightsatan ist ein finnisches, derb kostümiertes Trio, das Gitarre, Bass und Schlagzeug gegen Synthesizer eingetauscht hat und den eigenen Sound als „Soundtrack von Miami Vice trifft auf Metal“ bezeichnet. Der metallische Anteil tendiert allerdings gegen 0 und schwingt höchstens als geistige Fußnote mit. Vielmehr klingt das Ganze genau nach dem, was Altvordere wie Kraftwerk und Jean Michel Jarre angezettelt haben und das sich in den 80ern als musikalische Untermalung aus der Klanghölle für ironiefreie Action-Streifen entwickelte. Was liegt da also näher als den Kreis zu schließen und selbst einen Film zu machen? Gesagt getan. Meine Herren, hier ist Nightsatan and The Loops of Doom!

Das Ganze spielt in einer postapokalyptischen Welt namens Karelia im Jahre 2034. Der Atomkrieg (was auch sonst?) kann nicht lange her sein. Die Welt besteht nur noch aus einer großen Wüste, in der ein paar überlebende, äußerst abseitige Gestalten herum irren. Und irgendwo darin bearbeiten Nightsatan ihre Synthesizer, um geistig zumindest ansatzweise geerdet zu bleiben. Der Film bietet alles andere als eine schlüssige Handlung, wimmelt dafür aber von den Sachen, die man sich von einem Film in bester Mad Max-Manier wünscht: Gewalt, Science Fiction, Action, Grusel und Titten. Der Spaß ist so herrlich überdreht und sinnlos, dass man gar nicht anders kann, als darüber zu lachen. Die Macher trieben es zudem noch auf die Spitze und drehten den in einer wirklich guten Qualität vorliegenden Film in italienischer Sprache - als eine Art Tribut an dieses Trash-Genres.



Untermalt wird das Ganze von den Synthiesounds Nightsatans. Dabei funktioniert die beiliegende CD losgelöst vom Film überraschend gut. Einige Stücke besitzen tatsächlich eine Art rockige Ästhetik, die im typisch unterkühlten Tastensound daher kommt. Gerade wenn man die Drumpads quält, hat das einen besonderen Charme (z.B. „Secrets of the Mystery“, „(Obey) Thy Master“, „Rejects of the Wasteland“) und chromblitzende und von Neonfarben durchtränkte Bilder manifestieren sich vor dem geistigen Auge. Dabei ist man sich stets bewusst ziemlichen Schrott zu hören. Doch irgendwie kann man sich der CD auch nicht ganz entziehen - zumindest wenn man in den 80ern aufgewachsen ist und seine Kindheitshelden Sonny Crocket, Arnold Schwarzenegger und Chuck Norris hießen. Wäre das ganze ein Computerspiel, würde es aussehen wie Far Cry 3: Blood Dragon.

Am Ende sind Nightsatan mit ihrem schrägen Konzept natürlich nur ein absolutes Nischenprodukt. Doch mit genügend Ironie kann man eine gute Zeit damit haben. Kult? Nein, soweit wollen wir dann aber auch wieder nicht gehen…


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Mario Karl



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