Musik an sich


Reviews
Smetana / Dvorak (Wordsworth)

Slavonik Festival


Info
Musikrichtung: Klassik

VÖ: 1988

(Naxos)

Gesamtspielzeit: 50:09


Eine Klassik-CD zu besprechen, ist etwas anderes, als sich zu einer „normalen“ CD zu äußern. Das hat etwas damit zu tun, dass Klassik-CDs in der Regel Aufnahmen von „Cover-Bands“ sind. Klassische Ensembles spielen Musikstücke, die oft Jahrhunderte alt sind und schon viele Male von anderen Musikern aufgenommen wurden. So wird für den Rezensenten das Besondere der jeweiligen Aufnahme in der Regel wichtiger, als die (bekannte) gespielte Musik. Wie wurde arrangiert? Welche Fähigkeiten haben die Musiker? etc pp.

Um das bei dieser CD zu beurteilen, fehlen mir ganz schlicht die Vergleichsmöglichkeiten. Daher gehe ich an die Review heran, wie an die Besprechung einer aktuellen Rock- oder Pop-CD.

Bedrich Smetana und Antonin Dvorak verbindet Zeit und Ort. Beide sind im Tschechien des 19. Jahrhunderts aufgewachsen und das hört man ihrer Musik an, die einen durchaus südost-europäischen Drive hat. Und das Wort „Tanz“, das den Dovrak-Kompositionen ihren Namen gibt, ist ein Stichwort, das auch auf die Smetana-Stücke anwendbar ist.

Zu Beginn steht einer der bekanntesten Klassik-Hits. „Die Moldau“ könnte man sich durchaus als den Longtrack einer Progressive-Formation vorstellen. Das Stück beginnt stark und kraftvoll, ist dabei gleichzeitig weich und harmonisch. Auch wo es aufbraust, wird die Fahrt auf der Moldau nie zur Wildwasserfahrt. Man fühlt sich immer von einem mächtigen Strom getragen.
In der Mitte erlebt das Stück eine Ruhephase. Die Flöten übernehmen hier die Führungsrolle, die bislang bei den Streichern lag. Der Fluss plätschert und die leicht bedrohlichen Klänge, die diese Phase gelegentlich begleiten, bleiben eine Drohung, die nie manifest wird.
Zum Ende hin übernimmt das Zentralmotiv von Anfang wieder die Rolle. Streicher, Bläser und Becken sorgen zwischenzeitlich dafür, dass so etwas wie ein Gewitterfront aufzieht.

Allein für dieses Stück, das auch dem Nicht-Klassiker genug Zugangsmöglichkeiten bietet, lohnt sich die Anschaffung dieser CD.

„Die vertauschte Braut“ erscheint hier nur in Auszügen, die bereits das Tanz-Thema Dvoraks vorwegnehmen. Mit Can Can, Walzer und Polka fühlt man sich hier in den Zwischenbereich von Ballsaal und Operettenbühne geführt. Etwas weniger klassisch arrangiert könnte man hier gut von der Party-Musik des 19. Jahrhunderts sprechen, die zum Teil im Wortsinn mit Pauken und Trompeten für Stimmung sorgt. Kein Wunder, dass klassische Silvesterkonzerte so etwas gerne ins Programm nehmen. Die „Overture“ leitet mit ihren Anklängen an die Neue Welt Symphonie direkt zu Dvorak über.

Der wandelt zwischen dem wilden eingängigen „Tanz No. 1“, dem Reigen-artigen „Tanz No. 3“ und dem weich wiegenden „Tanz No. 2“, der wiederum zurückweist zur „Moldau“. Auch im ganz wörtlichen Sinn eine runde Sache.

Die Naxos-Edition ist eine klassische „Bilig-Edition“, wie in meiner Montatskolumne beschrieben, kann sich mit den (englischen) Liner Notes zu den beiden Komponisten und dem Dirigenten aber durchaus sehen lassen.



Norbert von Fransecky



Trackliste
1 Smetana - Die Moldau (12:25)

Smetana - Die vertauschte Braut
2 Overture (6:40)
3 Polka (4:48)
4 Furiant (2:13)
5 Dance of the Comedians (4:59)

Dvorak - Slawische Tänze, Op. 46
6 No. 1 (3:49)
7 No. 2 (5:12)
8 No. 3 (4:58)
9 No. 8 (4:23)
Besetzung

Slovakische Philharmoniker
unter Barry Wordsworth



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