25 Years after - Mein Leben mit der CD; Folge 118: Aragon - Mouse





Am 24. Januar 1996, so etwa gegen 17 Uhr, war ich den Tränen nahe - so nahe, dass meine Umwelt das durchaus wahrnehmen konnte. Dass das bei dem einen oder anderen auf Unverständnis gestoßen ist, ist nachvollziehbar. Denn wir saßen in einem schmucklosen Sitzungsraum im damaligen Konsistorium der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) (ein asbestverseuchtes Gebäude am Spreeufer in Tiergarten, Bachstraße / Altonaer Str, das heute nicht mehr existiert) bei der Verkündigung der Ergebnisse des Zweiten Theologischen Examens – und ich hatte nicht nur bestanden, sondern habe das sogar als Jahrgangsbester getan.

Dennoch war für mich Endstation. Während auch die, die das Examen nur knapp bestanden hatten, mit der Entsendung auf eine Pfarrstelle rechnen konnten, war für mich Schluss. Grund war die schwierige Personal- und Finanzsituation der deutschen Landeskirchen, die u.a. dazu geführt hatte, dass jede Landeskirche nur noch maximal „ihre“ Theologen anstellte. Ich war Hannoveraner und hatte daher in Berlin keine Chance – egal wie gut das Examen war. Meine Perspektive Pfarrer zu werden, mit der ich die vergangenen Jahre gelebt hatte, war damit an ihr Ende gekommen und mir war zum Heulen.

Damit war natürlich nicht alles zu Ende. Meine Zukunft hatte eine Perspektive – und zwar eine doppelte. Zum einen wusste ich, wie es beruflich mit mir weiter gehen würde. Die EKiBB hatte zwar einen kompletten Einstellungstop in allen Arbeitsbereichen verhängt. Aber es gab eine Ausnahme – den Aufbau des Religionsunterrichts in Brandenburg. Ich würde nach Ende meines Vikariates als Religionslehrer in Potsdam beginnen. Zuvor hatte ich aber noch die Möglichkeit mein Vikariat zu verlängern – eigentlich nur für drei; in meinem Fall aber sogar um sechs Monate. Dazu im kommenden Monat mehr.

Am Tag nach der „Urteilsverkündigung“ habe ich mein Examen mit einem besonderen Kauf gefeiert – und einmal nicht auf Sonderangebote oder Schnäppchen gewartet, sondern für das damals groß abgefeierte Album Mouse von Aragon stolze 33 DM auf den Tisch gelegt.


Norbert von Fransecky



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