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25 Years after - Mein Leben mit der CD; Folge 89: The Heaven’s Metal Collection

Der 14. August 1993 ist sowohl in meiner CD-Einkaufsliste, wie in meinem Terminkalender ein beschriebenes Blatt. Am Vormittag war ich in Hannover auf der Podbi, nahe Vier Grenzen, in der „Katakombe“ – so nannte sich eine Teestube mt angeschlossenem Laden, in dem die Baptisten-Gemeinde christliche Literatur, Kunsthandwerk aus einer Behinderten-Werkstatt (damals durften die noch so heißen), fromme Aufkleber und ähnliches verkaufte. Dort gab es auch ein CD-Regal, in der damaligen prä-Internet-Zeit eine der wenigen Möglichkeiten christliche Rock- und Pop-Musik zu erwerben. Andere christliche Buchländen beschränkten sich in der Regel auf das Geistliche Lied, Klassik und – wenn es hoch kam – ein paar Gospel-CDs. Und in den “weltlichen“ Plattenläden fehlten die christlichen Bands fast völlig. So war die Katakombe bei meinen Hannover Besuchen, so lange es sie gab (die Katakombe, nicht die Hannover-Besuche), ein gesetztes Anlaufziel. Am besagten 14. August 1993 trug ich das Album Dry Bones dance von Mark Heard (empfehlenswert!) und die 2-CD-Box The Heaven`s Metal Collection mit nach Hause – ein hervorragender Überblick über die erste Dekade härterer christlicher Rock und Metal Musik.

Viel davon gehört habe ich an diesem Tag sicher nicht mehr. (Ich weiß nicht einmal mehr genau, ob ich damals überhaupt einen CD-Player in Hannover stehen hatte.) Denn am Nachmittag stand das an, weswegen ich überhaupt in Hannover war. Meine erste Hochzeit. Regelmäßige Leser dieser Kolumne werden jetzt erstaunt aufhorchen, wissen sie doch, dass ich im Jahr zuvor geheiratet hatte.

Erinnern wir uns kurz, in welcher Situation ich mich damals befand. Ich hatte das erste Theologische Examen ein gutes Jahr zuvor bestanden, konnte das Vikariat aber nicht gleich beginnen. Aufgrund des „Bewerberberges“ musste ich mit drei Jahren Wartezeit rechnen. Für die ersten anderthalb Jahre hatte ich eine Vertretungsstelle in der Jugendarbeit der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde in Zehlendorf. Die war so langsam am auslaufen – und ich war mit dem Superintendenten von Pankow Werner Krätschell im Gespräch. Es war ja noch kurz nach der Wende und er wusste, dass ich Erfahrungen mit den Strukturen übergemeindlicher Gemeindejugendarbeit hatte. Er hatte mich angesprochen und gefragt, ob ich die zweiten anderthalb Jahre nicht nach Pankow kommen wolle, um dort eine Kreisjugendarbeit, insbesondere einen Kreisjugendkonvent aufzubauen.



Mein Weg zum Gemeindepfarrer war also noch lang. Dennoch hatte mich ein ehemaliger Klassenkamerad angesprochen. Wir hatten in der Schule nicht immer das beste Verhältnis zueinander gehabt, aber mit niemandem war ich länger in einer Klasse, elf Jahre immerhin – durchgehend von der dritten Klasse bis zum Abitur. Obwohl nicht zu unserer Gemeinde gehörig, tauchte er dort immer wieder auf. Ich weiß nicht, ob sein Interesse an einer junge Dame Ursache oder Folge dieser Besuche war. Wie auch immer. Jetzt – ziemlich genau 10 Jahre nachdem ich die Gemeinde studienbedingt verlassen hatte - kam er mit der Frage auf mich zu, ob ich bereit wäre, ihn und sie zu trauen.

So kam ich zu meiner ersten Hochzeit und in eine merkwürdige Situation. Würde mich heute ein Theologe, der sich in derselben Situation befindet, wie ich damals, fragen, ob er zusagen solle – ich würde abraten. Es sei denn, er wäre einer der Alphas in seiner Klasse gewesen.

War ich nicht – und deshalb in einem massiven Rollenkonflikt. In der Hochzeitsgesellschaft befanden sich eine ganze Reihe ehemaliger Mitschüler (Hier ist die exklusive Schreibweise nicht nur erlaubt, sondern gefordert. Das Leibniz-Gymnasium, auf das wir gegangen sind, war – bis kurz vor unserem Abitur – eine reine Jungenschule.), die alle höhere „soziale Stellungen“ im Ranking der Klasse eingenommen hatten, als ich. Gleichzeitig war ich jetzt aber der “Zeremonienmeister“, der neben dem Hochzeitspaar im Zentrum stand. Und das beim “ersten Mal“. Ich hab ganz schön geschwitzt.

Aber … Lampenfieber soll ja eine Grundvoraussetzung für gelungene Auftritte sein. Und die beiden können sicher sein, dass ich für sie keine Routine-Veranstaltung runter gerissen habe. Der Ehe scheint es jedenfalls nicht geschadet zu haben. Wenn diese Ausgabe online geht, bereiten die beiden sich gerade auf ihre Silberhochzeit vor.

Dass ich am Vormittag ihrer Hochzeit eine CD mit dem Titel Heaven’s Metal Collection erworben habe, scheint ein gutes Omen gewesen zu sein. Die Kombination von Heaven und Metal, das ist doch, als habe sich das Glück mit Stabilität gepaart.

Norbert von Fransecky


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