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Reviews

Diverse: Pure Metal

The Heaven's Metal Collection


Info

Musikrichtung: Heavy Metal / Hard Rock

VÖ: 1992

(Pure Metal)

Gesamtspielzeit: 141:41

I – Der Hintergrund

Die drei wichtigsten oder vielleicht symptomatischsten Bands auf diesem Sampler sind die Resurrection Band, Stryper und Mortification. Seit den 90er Jahren sind christliche Metal-Bands nichts Besonderes mehr. Im Nu-Metal- und Metalcore-Bereich hatte man gelegentlich das Gefühl, die Taufurkunde sei Einstiegsvoraussetzung. Bands wie P.O.D. und As I lay dying haben das Genre maßgeblich geprägt.

In den 70er und 80er Jahren sah das ganz anders aus. Rockmusik und christlicher Glaube schienen pure Gegensätze zu sein. Larry Norman kommentierte das in einem seiner bekanntesten – von Cliff Richard toll gecoverten – Songs mit „Why should the Devil has all the good Music?“

Larry Norman selber, aber auch Blues Rock Bands wie die Resurrection Band und Hard Rock Combos a la Petra fingen dann damit an, die Botschaft vom Auferstandenen mit harten Gitarren und krachenden Drums zu verkünden. Auffällig dabei war aber, dass die Boten Gottes den weltlichen Truppen oft um Jahre hinterher hinkten. Erst wenn ein Musikstil halbwegs etabliert war – und nur noch in der Gemeinde provokativ wirkte – wurde er von christlich geprägten Bands übernommen.

Und damit kommen Stryper ins Spiel. Die härtetechnisch zwischen Hairspray-Bands und Bon Jovi angesiedelten „Bibelwerfer“ waren auf der Höhe der Zeit. Nicht nur musikalisch, sondern auch vom Image her zogen sie mit „der Welt“ gleich. Lange hochtoupierte Haare, aggressive Cover Artworks und krachende Metalsongs waren ihr Markenzeichen. In der Metalszene wurden sie dennoch eher belächelt.

Ganz anders Mortification. Die (zutreffende) Kategorisierung als “Death Metal” lehnte Mastermind Steve Rowe aufgrund seiner christlichen Gesinnung immer ab. Er sprach lieber von „extreme heavy Metal“. Die zwischen Grind- und Death-Metal angesiedelten Alben waren sicher nichts für Schöngeister. Das galt auch für das Artwork. Auf dem Album Primitive Rhythm Machine“ zertrümmert ein Schwert mit drei Klingen einen Totenschädel. Das hätte zu jedem Slayer-Album gepasst. Steve Rowe, Mastermind der Band, interpretierte es mir gegenüber einmal so: „Das Schwert ist der dreieinige Gott, der den Satan, den Herrn des Todes, endgültig zerschmettert." Dennoch waren Mortification eine echte Hausnummer in der Metal-Szene, die jahrelang auf Nuclear Blast erschien und im Rock Hard Magazin regelmäßig abgefeiert wurde

II – Die Bands

Der Sampler The Heaven's Metal Collection präsentiert die Dekade, in der christliche Metal- und Hard-Rock-Bands den Anschluss an die stilprägenden Bands gefunden haben. Mit wenigen Ausnahmen können alle hier vertretenen Bands mit der weltlichen Konkurrenz mithalten.

Jerusalem liefern ein tolles Hard Rock Epos mit regelrechtem Live-Feeling. Das Synthesizer-Intro erinnert an Rainbows „Tarot Woman“. Ein Pianopart leitet zu einem Gesang über, der verzweifelt beklagt, dass die ganze heutige Welt ein einziges Sodom und Gomorrah ist. Aber natürlich besteht Hoffnung, wie der instrumentale „Oh du Fröhliche“-Schlusspart deutlich macht. Ein Longtrack, der sich problemlos mit der weltlichen Konkurrenz messen kann.

First Strike liefern korrekten AOR-Hard Rock der 80er Jahre. Die weiblich gefronteten Barnabas klingen wie Doro in ihren besseren Momenten. Saint erinnern im Refrain deutlich an den Piraten-Metal von Running wild. Klasse sind Messiah Prophet mit ihrem bärenstarken pumpenden Bass, über dem sich eine ordentliche weibliche Rockröhre und Gitarrensoli erheben.

Die zweite CD eröffnet ein Longtrack von Trytan, die sich hier deutlich – und gelungen – als die christlichen Rush präsentieren. Sacred Warrior sind eine beeindruckende Speed Metal Truppe mit genretypischen hohen Vocals. X-Sinner sind einer der gelungensten AC/DC-Nachfolger, den ich kenne. Jet Circus liefern eine 20-Punkte-Groove-Metal-Nummer ab. (Fünf Tage nach dem Kauf von The Heaven's Metal Collection habe ich mir in Berlin das dazugehörige Album gekauft.) Believer stehen für Thrash Metal mit Death-Anteilen. Bride ist ein tolles Beispiel für groovenden Hard Rock. The Crucified mischen Hard Core Ansätze mit rockenden Solo-Einlagen. Ransom wirkt wie eine Rainbow-Inkarnation mit Sängerin.

III – Der Sampler

Die beiden CDs von The Heaven's Metal Collection sind jeweils in einem Jewel Case untergebracht. Die einfachen vierseitigen Booklets enthalten Basis-Informationen zu jedem Stück.

Sie werden in einer stabilen Box geliefert, die hochkant die doppelte CD-Größe hat. Darin befindet sich ein begleitendes Buch in gleicher Größe mit ausführlichen Artikeln zu jeder Band.

IV – Fazit

The Heaven's Metal Collection liefert ein überzeugendes Bild von dem Jahrzehnt, in dem der christliche Metal und Hard Rock erwachsen geworden ist.

Und der Sampler präsentiert es in einer Form, die vorbildhaft ist.



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1
1 Resurrection Band (1978) - Waves (3:38)
2 The Daniel Band (1983) - You're all I need (4:26)
3 Jerusalem (1982) - Sodom (12:11)
4 Stryper (1984) - From wrong to right (3:56)
5 First Strike (1984) - Loneliness kills (3:43)
6 Barren Cross (1986) - It's all come true (4:06)
7 Barnabas (1984) - Breathless Wonderment (6:52)
8 Darrell Mansfield Band (1985) - Jesus will reign (4:33)
9 Saint (1986) - Primed and ready (3:50)
10 Messiah Prophet (1986) - Heavy Metal Thunder (5:31)
11 Bloodgood (1987) - Self-Destruction (3:35)
12 Whitecross (1987) - No Way I'm going down (4:10)
13 Neon Cross (1987) - Son of God (4:21)
14 Shout (1988) - Shout (4:24)

CD 2
1 Trytan (1987) - Genesis 7:11
2 Rage of Angels (1987) - Are you ready for Thunder (4:12)
3 Leviticus (1987) - The suffering Servant (4:51)
4 Sacred Warrior (1988) - Children of the Light (2:38)
5 Vengeance rising (1988) - White Throne (3:12)
6 Deliverance (1989) - The Call (4:12)
7 X-Sinner (1989) - Lift him up (3:14)
8 Holy Soldier (1990) - Love me (4:15)
9 Tourniquet (1990) - You get what you pray for (3:25)
10 Jet Circus (1990) - Step on it (5:18)
11 Guardian (1990) - Time and Time again (4:53)
12 Believer (1990) - Stop the Madness (3:59)
13 Novella (1990) - Give me Love (4:52)
14 Bride (1991) - Troubled Times (4:28)
15 The Crucified (1991) - Mindbender (3:54)
16 Ransom (1991) - Lasting Love (4:29)
17 Mortification (1991) - The Destroyer beholds (3:20)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger