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Reviews

Wino

Adrift


Info

Musikrichtung: Singer/Songwriter, Rock

VÖ: 24.09.2010

(Exile on Mainstream Records)

Gesamtspielzeit: 41:52

Internet:

http://www.myspace.com/winoschopper

Scott „Wino“ Weinrich - beim Namen dieser Undergroundlegende verfallen nicht wenig Rock- und Metalfans in ein ehrfürchtiges Seufzen. Mit seinen ehemaligen Bands (u.a. St. Vitus, The Obsessed, The Hidden Hand und jüngst Shrinebuilder) hat er an nicht gerade wenigen Genreklassikern mitgewirkt. Aber trotzdem hatte es über 30 Jahre gedauert, bis er es im letzten Jahr ganz alleine mit einem Soloalbum angepackt hat. Jetzt folgt bereits sein zweites. Aber im Gegensatz zu Punctuated equilibrium handelt es sich hierbei nicht um ein volles Bandalbum, sondern tatsächlich um einen echten Soloausflug. Akustisch und pur. Entstanden ist diese Idee aus einer Not heraus. Nach dem Tod seines Bassisten Jon Blank blieb ihm keine Wahl, als eine bereits gebuchte Tour alleine, nur mit akustischer Gitarre bewaffnet, zu spielen.

Und hört man sich Adrift so an, war das alles andere als eine schlechte Idee. Noch nie bekam man Wino so persönlich und eindringlich zu hören wie hier. Statt wie zuletzt durchaus politisch, gibt der Sänger und Gitarrist dieses Mal äußerst private Gedanken zum Besten und zeichnet das Bild eines alten Kämpfers, der trotz der vielen Steine die ihm in den Weg geworfen wurden, immer noch aufrecht seinen Weg geht. Textlich bewegt er sich durchaus auf den Spuren der alten, großen Songwriter wie Townes Van Zandt oder Hank Williams. Musikalisch ist Adrift aber nicht gerade eine typische Singer/Songwriter-Platte, sondern eine intensive Reise durch Blues, Rock, Doom und Americana.

Dabei liegt sein Augenmerk neben den Texten vor allem auf der wie eh und je abwechslungsreichen Gitarrenarbeit, die mehr ist, als nur ein paar begleitende Akkorde. Stellenweise kommt sogar eine elektrische Sechssaitige zum Einsatz um ein passendes Solo einzustreuen, wie beim revoluzzerhaften „I don't care“ oder dem schönen „Hold on love“. Auf Adrift geht die Reise vom keltisch anmutenden und großartigen Titelsong „Adrift“, über die ruhigen Töne der instrumentalen Ballade „Suzanes song“, bis zur wilden und von einem Gitarrenduell dominierten Protestnummer „Green speed“ und über äußerst bittere Pillen wie „Old and alone“ und den beschwingten Durchhalteparolen von „Whatever“, die Wino mit seiner markanten und rauen Stimme äußerst glaubwürdig interpretiert. Thematisch ins Bild passen da auch die beiden Coverversionen von Motörheads „Iron horse/Born to lose“ und Savoy Browns „Shot in the head“, die er fast zu bluesigen Eigengewächsen macht.

„Ich denke nicht, dass meine Lieder alle so traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind - die sind nur hoffnungslos“, hatte der große Townes Van Zandt einmal gesagt. Diese Worte könnte auch ein Kommentar von Wino zu Adrift sein. Aber gerade die Melancholie beeindruckt uns immer am meisten und wirkt ehrlicher und bodenständiger als der beste Partysong. Vielleicht ist auch das ein Grund, dass Winos neueste Platte solche Spuren bei einem hinterlässt. Adrift ist jedenfalls eine grandiose Ergänzung zu seinem bisherigen Backkatalog und einfach ein starkes Akustikrock- und Singer/Songwriter-Album. Vielen Dank dafür Mr. Weinrich!



Mario Karl

Trackliste

1Adrift3:11
2 I don’t care3:25
3 Hold on love3:22
4 Mala Suerte3:49
5 Old and alone4:36
6 Iron horse/Born to lose4:05
7 Suzanes song3:34
8 DBear3:05
9 Whatever2:20
10 Shot in the head2:42
11 O.B.E.2:50
12 Green speed4:53

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger