····· Joe Bonamassa auf Tour!  ····· P!NK: exklusive Karten für ProSieben-Konzert zu gewinnen ····· Aus Japan kommt wieder Loudness  ····· 12 aus 1000 stehen auf Marion Fiedlers neuem Album ····· Im versifften Proberaum entstehen die Kracher von Peoples Temper ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Hartmann, K. A. (Janowski)

Sinfonia Tragica – Konzert für Viola und Klavier


Info

Musikrichtung: 20. Jh. Orchester

VÖ: 19.01.2007

Capriccio / Delta Music
SACD (AD 2002) / Best. Nr. 71112


Gesamtspielzeit: 51:00

KRAFTVOLL, VERBINDLICH

Die Musik des in München geborenen Karl Amadeus Hartmann (1905-1963) geriet buchstäblich zwischen alle ästhetischen Fronten: Die Nazis erklärten den ‚jungen Wilden’ zum „entarteten Künstler“, der Nachkriegsavantgarde war er dagegen nicht mehr progressiv genug. Hartmann selbst ging es in seiner Musik vornehmlich um Sinn, Ausdruck, verbindliche Aussage. Abstrakte Tonstrukturen interessierten ihn in weniger, auch wenn er sich selbst immer wieder für Aufführungen Neuester Musik nach 1945 einsetzte.
1933 bis 1945 komponierte Hartmann praktisch nur noch für die Schublade. Seine Musik, die vorher unbekümmert die neuesten E- und U-Strömungen aufgriff und zusammenschmolz, bekam einen deutlich bekenntnishaften, auch pathetischen Zug. Hartmann schrieb Ausdrucksmusik, kraft- und energiegeladen, klangvoll, körperlich.
„Spätromantisch“ ist sie allerdings nicht, auch wenn Hartmann in den ausladenden langsamen Sätzen in der Tradition der Brucknerschen Adagios steht. Die „atonale“ Harmonik schlägt einen eigenen Weg abseits der Zwölf-Ton-Musik ein, bleibt bei aller Neuheit stets fasslich, organisch. Auch die ungebärdige Rhythmik, die zerklüfteten Themen, die aggressiven (Aus)brüche und Umschwünge verweisen in eine Moderne, die die romantischen Mystizismen hinter sich gelassen hat. Bedrohung, Zerstörung, Sehnsucht, Untergangsvisionen, Inhumanität und Hoffnung wider alle Hoffnung sind die Themen von Hartmanns meist dunkel eingefärbter Musik. Die kompositorische Haltung wird vor dem Hintergrund der totalen geistig-ideologischen wie physischen Verheerungen des 2. Weltkrieges verständlich.

Beim Label Capriccio ist soeben eine zweite Produktion mit sinfonisch-konzertanten Werken Hartmanns erschienen. Den Auftakt machten 2002 das düster-wuchtige Concerto funebre für Violine und Orchester sowie die Sinfonien Nr. 2 & 4 in ausgesprochen gelungenen Einspielungen durch Vladimir Spivakov und das Gürzenich-Orchester unter James Conlon (Best. Nr. 10893).
Die jüngste Veröffentlichung enthält die 1940/43 entstandene Sinfonia Tragica und das Konzert für Bratsche und Klavier, das zwischen 1954 und 1956 komponiert wurde. Dass in beiden Fällen sinfonische Werke mit Konzerten gekoppelt wurden, vertieft das Bild der Komponisten, der sonst allzu schnell auf seine sechs Sinfonien mit dem nichtssagenden Zusatz „bayrischer Komponist“ festgelegt wird.
Der vergleichsweise breite musikalische Strich des eröffnenden sinfonischen Werks wird auf der neuen CD durch die sprödere, durchhörbarere, insgesamt „sachlichere“ Faktur des Doppelkonzerts (ohne Streicher!) kontrapunktiert.
Die Sinfonia Traciga ist geprägt durch die Auseinandersetzung mit der Nazibarbarei. Hartmann empfand diese Zeitverhaftung, die sich in einer Reihe von Anspielungen auf „entartete“ Musikerkollegen und in einem gewaltigen tumultoso zu Beginn des 2. Satz äußerte, nach dem Krieg als problematisch und demontierte das Werk, dessen erster Satz schließlich in seine Sinfonie Nr. 3 einging. 1973 wurde allerdings ein Manuskript der ursprünglichen Komposition gefunden und nun erstmals auf CD eingespielt.
Wie genau Hartmann aktuellste musikalische Strömungen wahrnahm und sie in seine musikalische Sprache integrierte, ohne dem so genannten Fortschritt des Materials bedenkenlos hinterherzulaufen, zeigt das äußerst raffiniert gebaute, rhythmisch prägnante Konzert für Bratsche und Klavier, bei dem das Orchester nur aus Bläsern und Schlagzeug besteht. Diese transparente Besetzung eignet sich zur Darstellung der dichten Polyphonie, die Hartmann vor allem im zweiten Satz „Melodie“ realisiert, ausgezeichnet.

Tatjana Masurenko (Viola), Frank-Immo Zichner (Klavier) und das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin unter dem Dirigat von Marek Janowski bleiben der Musik nichts an Klarheit, Verve und expressiver Eindringlichkeit schuldig. Das Klangbild ist sehr ausgewogen und natürlich.

Nicht zuletzt wegen des hohen Repertoirewertes



Georg Henkel

Trackliste

01-02 Sinfonia Tragica
03-05 Konzert für Bratsche und Klavier, begleitet von Bläsern und Schlagzeug

Besetzung

Tatjana Masurenko, Viola
Frank-Immo Zichner, Klavier

Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin
Ltg. Marek Janowski

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger