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Reviews

Alexander von Schlippenbach

Jazz Now!


Info

Musikrichtung: Modern Jazz

VÖ: 15.01.2016

(Intuition)

Gesamtspielzeit: 79:48

Internet:

http://www.avschlippenbach.com/
http://www.in-akustik.de/de/

Der 1938 in Berlin geborene Jazzpianist Alexander von Schlippenbach zählt zu den führenden Jazzmusikern Europas, und er ist einer Jener, die sich verdient gemacht haben um die Gestaltung des Free Jazz mit einer eigenständigen Ausprägung, die neben Elementen des Jazz auch solche der klassischen Musik und Avantgarde mit einbezog.
Während seines Studiums in Köln spielte er unter anderem mit Musikern wie Gunter Hampel und Manfred Schoof, beide waren dann auch beteiligt im 1966 gegründeten Globe Unity Orchestra, einer ganz besonderen Bigband, die maßgeblich daran beteiligt war, dem Free Jazz eine besondere Nuance zu geben.
Viele weitere Formationen folgten und bescherten dem Künstler im Laufe der Zeit zahlreiche Auszeichnungen und Preise. Selbst hatte ich einst die Gelegenheit, den Musiker im Duoformat mit dem Schlagzeuger Sven-Åke Johansson zu erleben, ja, ein mitreißendes Erlebnis war es, das ich bis heute in guter Erinnerung behalten habe. Spontaneität, Kreativität, Spielfreude und ganz viel Improvisation ließen die Zeit wie im Flug vergehen, dabei gaben sich Ernst und Spaß durchaus die Klinke in die Hand.

So, und nun gibt es eine weitere Veröffentlichung, eine aus der Reihe “European Jazz Legends“, eine Live-Platte, aufgenommen im Theater Gütersloh am 3.Oktober 2015 im Quartettformat. Der zwischenzeitlich 77-jährige spielt hier mit deutlich jüngeren Musikern zusammen und diese Union funktioniert einwandfrei und auf höchstem Niveau.
Mit “Gold Is Where You Find It“ startet das Konzert schon sehr frei und losgelöst und fordert sogleich intensives Zuhören, sofern man sich nicht einfach fallen und unterhalten lässt. Dabei kann man schnell in diesen unbändig wirkenden Strudel geraten, der jedoch durch die beiden Fremdkompositionen von Herbie Nichols zunächst eine feste Struktur erhält. Positiv auffällig ist, dass insgesamt drei Kompositionen des fast vergessenen Pianisten Einzug gehalten haben. Der viel zu jung verstorbene Nichols galt ja nach Meinung einiger Fachleute als Bindeglied zwischen Thelonious Monk und Cecil Taylor, und wurde in den Sechzigern von einigen Jazzern hoch geschätzt.

Auffällig ist auch die hohe Zahl an Kompositionen von Eric Dolphy, denen in diesen Interpretationen ebenfalls eine erneute Würdigung zu Teil wird. „“Serene“ erscheint als bluesbetonte Ballade mit einer von Beginn an kratzig gespielten Bassklarinette, und so offenbart sich Rudi Mahall als sehr wichtiges Mitglied dieser Band, er ist immer noch einer Jener mit einer individuellen Spielweise, das ist bemerkenswert. Und zum Schluss des Livemitschnitts erscheint dann ein ganz bekanntes Thema, eine Komposition von Thelonious Monk, “Epistrophy“.
Die Eigenkompositionen sind es, die sich absetzen von den anderen, sind sie doch bestimmt von viel mehr Freiheit im Ausdruck, von mehr Improvisation und spontanen Entwicklungsprozessen, etwas, das auch für Zuhörer gewisse Überraschungseffekte bietet.

Aus dem abschließenden Interview mit Götz Bühler möchte ich eine für mich wichtige Aussage herausheben, indem sich der Pianist folgend äußert:
„Natürlich haben unsere Improvisationen eine bestimmte Geschichte, die mit unserer Zusammenarbeit zusammenhängt, und man kann auch sagen, etwas so wie eine ganz freie Improvisation gibt es überhaupt nicht, das steht schon einmal fest. Also jede Art von Improvisation ist determiniert durch eine ganze Reihe von Faktoren.“
Mein Fazit besteht darin, festzustellen, dass eine hervorragende Liveeinspielung vorliegt, mit Jazz, der zwischen Tradition und Free Jazz pendelt und beide Lager auf brillante Weise vereint, so dass ein ständiges Hörvergnügen zwischen Spannung und Entspannung stattfindet.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Gold Is Where You Find It (Alexander von Schlippenbach) (3:01)
2 12 Bars (Herbie Nichols) (5:07)
3 The Gig (Herbie Nichols) (6:59)
4 Serene (Eric Dolphy) (5:32)
5 The Bells Of St. K. (Alexander von Schlippenbach) (5:07)
6 Tropi (Alexander von Schlippenbach) (9:12)
7 Something Sweet Something Tender (Eric Dolphy) (5:02)
8 Devices And Desires (Alexander von Schlippenbach) (4:14)
9 Les (Eric Dolphy) (6:29)
10 Bishop (Alexander von Schlippenbach) (2:09)
11 Every Cloud (Herbie Nichols) (6:24)
12 Miss Ann (Eric Dolphy) (6:21)
13 Epistrophy (Thelonious Monk) (6:12)
14 Interview with Alexander von Schlippenbach (by Götz Bühler) (7:50)

Besetzung

Alexander von Schlippenbach (piano)
Rudi Mahall (bass clarinet)
Antonio Borghini (bass)
Heinrich Köbberling (drums

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger