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Reviews

David Gilmour

Rattle That Lock


Info

Musikrichtung: Art Rock / Rock

VÖ: 18.09.2015

(Universal / Sony)

Internet:

http://www.DavidGilmour.com
http://www.PinkFloyd.com

Neun Jahre nach seinem letzten Soloalbum On an Island, aber nur 1 Jahr nach dem defenitiv letzten Pink-Floyd-Album The endless River legt David Gilmour mit fast 70 Jahren sein viertes Soloalbum vor. Und, man muss neidlos gestehen, es ist das beste seiner Solokarriere und vielleicht sogar besser als die drei Pink-Floyd-Alben, die unter seiner Regie entstanden sind.

Der Grund scheint mir der entgültige Abschied von Pink Floyd zu sein, den er mit The endless river vollzogen hat. Denn dieser scheint dazu geführt haben, das Gilmour völlig vorbehaltlos einfach die Musik macht, die aus ihm herauskommt. Denn seien wir doch mal ehrlich: David Gilmour von 1978 hatte seine Momente, wirkte aber über weite Strecken wie hastig veröffentlichtes Demomaterial. About Face von 1984 stellte hingegen schon eine starke Emanzipation von Pink Floyd dar, hat auf Grund seiner 80er-Jahre-Produktion, die damals hochmodern sein sollte, jedoch an vielen Stellen Staub angesetzt. On an Island von 2005 hingegen schien ein tatsächliches Alterswerk zu sein. Bei mir hat das introvertierte, fast durchgängig akustische Album nicht wirklich gezündet. Erst die mit voller Bandstärke später auch auf Live in Gdansk veröffentlichten Liveversionen offenbarten das Potential einiger Stücke.

Rattle that look hingen zündet vom ersten Moment an. Da ist das fantastische, an Pink Floyd gemahnende Intro “Five A.M.“ mit seinem klassischem Gilmour-Solo. Das poppig fetzige Titelstück gefällt mit seinem vertrackten Rhythmus, dem beschwingten Bass und natürlich ebenfalls mit akzentreich gesetzten Gitarrensolo. Ein Stück das zu den besseren Songs einer Produktion wie The Division Bell gehört hätte.

Der Grundton des Albums jedoch ist dunkler und balladesker. Das wird dann mit dem von Blasinstrumenten verziertem, von einem Walzertakt getriebenden “Faces of Stone“ bewiesen. Auch dieses wird mit einem wunderbaren Gitarrensolo gewürzt und trägt so deutliche Floyd-Spuren, das dem Fan das Herz aufgeht. Auch das laut Gilmour nicht für Richard Wright geschriebene “A boat lies waiting“ hat so wundervolle Floyd-Reminnenzen, das einem die Tränen kommen. Das schwebende Keyboard, die Slidegitarre und die Klänge von knarrenden Bootsplanken, Möwen und Wellen. Die Pianoballade mit vielleicht schon etwas kitschigem Mehrstimmengesang ist ein echtes emotionales Highlight und natürlich ist das Stück eine Hommage für Richard Wright. Da mag uns David erzählen was er mag.

“Dancing right in front of me“, laut David für seine Kinder geschrieben, kommt dann wieder etwas schwungvoller daher. Bass, Klavier und sanftes Schlagwerk ergeben eine bluesgetränkte Popnummer mit schönem Backgroundgesang, einer wunderbaren Sildegitarre und dunklen Riffs. Teilweise hat das Stück auch ein wenig vom Chanson, nur ist es natürlich viel voluminöser, eben floydesker, wozu auch die wiederum tolle Sologitarre beiträgt. “In any Tongue“ bietet dann ein Stück das nahtlos an Gilmour-Großtaten wie "High hopes" anschließt. Dramatische Orchesterklänge, ein melancholisches, aber doch kräftiges Piano, kräftiges Schlagzeug und, ja natürlich, ein grandioses Gitarrensolo das in eine Linie mit seinen besten aufgenommen werden sollte und darf.

"Beauty" ist ein weiteres, sehr nach den Floyd klingendes Instrumental - psychedelisch schwebende Keyboards und perlende Gitarren im Mollklang. Im Schlussteil geht das Stück dann in einen treibenden Mix aus Piano, Bass und Rhythmusgitarre über, der die perfekte Grundlage für Gilmours pschedelisches Gitarrensolo bietet. Mit “Girl in the yellow dress“ erlaubt er sich dann einen Ausbruch aus seinem gewohnten musikalischen Umfeld. In meinen Ohren ohne die Atmosphäre zu zerstören. Bei dem Stück handelt es sich um ein Blues-/Jazz-Stück in 60er-Jahre-Tradition. Pumpender akustischer Bass, Jazzschlagzeug, Barpiano und gefühlvolle Bläser produzieren einen wunderbaren Barsound, der sicher nichts Neues an sich, jedoch für Gilmours Stimme eine tolle Erweiterung darstellt. Mit “Today schließt sich noch einmal ein moderneres und flotteres Rockstück an, welches jedoch zunächst von sakral wirkendem Gesang eröffnet wird, ehe das Album mit “And then...“, das faktisch “Five A.M. part 2“ ist, rund geschlossen wird.

Was ich ein wenig schade finde ist, dass die Songs nicht ineinander gearbeitet wurden, denn das hätte die so schon dichte Atmosphäre des Albums noch erhöht. Auch hätten insbesondere die drei instrumentalen Stücke durchaus das potential gehabt, noch etwas weiter ausgespielt zu werden, was ebenso auf quasi jedes Gitarrensolo des Albums zutrifft. Aber das ist nun wirklich Jammern auf sehr hohen Niveau.

Überaus interessant ist bei dieser Veröffentlichung auch die DVD-/-Blueray Dreingabe. Das Interview mit verschiedenen Beteiligten sowie die Videos zum Titelstück sowie zu “Girl in the yellow dress“ sind sehr interessant. Der Hammer sind jedoch die vier “Barn Jams“, Aufnahmen aus den letzten Sessions, die David Gilmour zusammen mit Richard Wright auf seinem Hausboot, der Astoria, bei den Proben zur On an Island-Tour zeigen. Wenn man die Musik hört, die aus den beiden mit Gästen hier nur so herausströmt, bekommt man eine Ahnung wie ein wirklich neues Pink-Floyd-Album hätte klingen können und was uns durch den Tod Richard Wrights wohl entgangen ist. Dem Pink-Floyd-Puristen treiben diese Stücke definitiv die Tränen in die Augen. Natürlich enthält die DVD auch den 5.1-Dolby-Mix.

Ein mehr als überzeugendes Album, des nun als Ex-Pink-Floyd-Gitaristen firmierenden David Gilmours, auf dem in meinen Ohren erstmals in seiner Solokarriere wirklich alles passt, ohne dass er sich irgendwelchen Zeitgeistern hätte anpassen müssen.



Wolfgang Kabsch

Trackliste

CD:
Five A.M.
Rattle That Lock
Faces of stone
A Boat Lies Waiting
Dancing Right Before me
In any tongue
Beauty
The Girl in the Yellow Dress
Today
And Then

DVD / BlueRay der Special Edition:
Barn Jams 1 – 4 (Video)
The animators (Video)
Rattle that Lock (Video)
The Animators
The Girl in the yellow dress Film
Polly samson and David Gilmour at the Borres House Festival (Discussion, Video)
The making of Rattle that lock (Video)
Rattle that lock extendet mix ( Audio)
The girl in the yellow dress orchestral version (audio)
Rattle that lock youth dub version (audio)
Rattle that lock radio version (audio)
Rattle that lock Album 5.1 Audio Dolby Digital Mix

So bewerten wir:

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06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger