····· Joe Bonamassa auf Tour!  ····· P!NK: exklusive Karten für ProSieben-Konzert zu gewinnen ····· Aus Japan kommt wieder Loudness  ····· 12 aus 1000 stehen auf Marion Fiedlers neuem Album ····· Im versifften Proberaum entstehen die Kracher von Peoples Temper ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Bach, J. S. (Wispelwey)

Suiten für Solo-Cello BWV 1007-1012


Info

Musikrichtung: Barock Cello

VÖ: 15.09.2012

(EPR Classics / Codaex / 2 CD / DDD / 2012 / Best. Nr. EPRC 0012)

Gesamtspielzeit: 128:43

KÖRPERLICH

2012 hat Pieter Wispelwey J. S. Bachs sechs Suiten für Solo-Cello zum dritten Mal aufgenommen. Nach den Referenzproduktionen aus den Jahren 1991 und 1998 haben ihn ein neues barockes Violoncello und der originale, sehr tiefe Stimmton von 392hz gereizt. Auch nach über 1000 Aufführungen scheint Bachs legendenumranktes Opus für den Cellisten nicht ausgeschöpft. Die aktuelle Interpretation ist, auch im Vergleich mit den früheren Aufnahmen, noch expressiver und rhetorisch prägnanter geraten. Für Wispelwey ist Bach selbst da, wo er sich auf die traditionellen Tanzmodelle - Allemande, Courante, Sarabande, Bourée, Gigue oder Menuet - bezieht, vor allem ein Komponist von Charakterstücken und ein Meister des affektiven Ausdrucks.
Unter Wispelweys Händen erzählt die Musik Geschichten ohne Worte, sie gibt sich einmal verspielt, dann wieder abgründig oder fast schon gewalttätig ausdrucksstark, bevor sie überraschend verschmitzt und humorvoll daherkommt. Zwischen den Phrasen erlebt man immer wieder eindrucksvolle Momente von Stille. Gravität und Leichtigkeit wechseln auch innerhalb eines Stückes und lassen die Musik, die sich bei wenig inspirierten Spielern schnell ins etüdenhafte Geleier verlieren kann, ungemein lebendig klingen. Sie springt einen förmlich an, hat Blut, Knochen, Fleisch und Muskeln.

Dass Wispelweys Bach so körperlich kraftvoll wirkt, verdankt sich auch dem tiefen Stimmton, der sich an den Weimarer Verhältnissen zur Bachzeit orientiert, wo der Komponist diese Werke mutmaßlich geschrieben hat. Eine Folge dieser "Vertiefung" ist der kernige und zugleich gambenartig aufgeraute Klang des Cellos. Elegant im herkömmlichen Sinne ist das sicherlich nicht, aber grob wirkt hier auch nichts. Jeder Ton hat einen eigenen „Körper“. Und die reichen Resonanzen und Obertöne werden von Wispelwey ganz organisch in die Interpretation mit einbezogen. Sie sind Farb- und Ausdruckswerte; sogar das tablaartige rhythmische Klopfen der Finger auf dem Griffbrett stört nicht, sondern verleiht dem Ganzen eine perkussive Note.
Was überdies frappiert, ist in den überwiegend in Dur stehenden Suiten der launig-bizarre Humor, den der Interpret herausarbeitet. Der hat geradezu Beethovensche Qualitäten. Dass Bach auch Musik über Musik geschrieben hat und virtuos mit den Erwartungen des Hörers spielt, hier kann man es hören. Die Aufnahmetechnik ist angemessen direkt, plastisch, vollmundig. Man hört die Musik nicht nur mit den Ohren, sondern spürt sie mit dem ganzen Körper.

Eine rund einstündige Dokumentation auf DVD, bei der neben dem Interpreten diverse musikwissenschaftliche Experten zu Wort kommen, rundet diese bemerkenswerte Einspielung ab.



Georg Henkel

Trackliste

CD I BWV 1007-1009 52:21
CD II BWV 1010-1012 76:22

+ Dokumentation: 52:00

Besetzung

Pieter Wispelwey: Barockcello

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger