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Reviews

Atari Teenage Riot

Riot in Japan 2011


Info

Musikrichtung: Digital Hardcore, Industrial

VÖ: 24.02.2012

(Digital Hardcore Recordings / Rough Trade)

Gesamtspielzeit: 70:09

Internet:

http://www.atari-teenage-riot.com
http://www.facebook.com/Atari.Teenage.Riot.ACTIVATE

Einen viel besseren Zeitpunkt für ihre Rückkehr hätten Atari Teenage Riot wahrscheinlich nicht wählen können als 2010. Der Kapitalismus pfeift aus dem letzten Loch, Kriege aller Orten und die Politik und ihre Obrigkeiten versuchen immer mehr ihre kleinen Zahlmeister zu gängeln. Also genau die richtige Ausgangslage für das schlechte Gewissen der Musikszene und Hort des anarchischen Widerstands, den Finger in die Wunde zu legen. Im letzten Jahr folgte mit Is this hyperreal? wieder ein lautes, musikalisches Ausrufezeichen. Allzu viel verändert hat sich nicht seit früher und man darf schon fragen, ob das was vor 15 Jahren radikal war, es auch heute noch ist. Das Herausschreien von kämpferischen Parolen anno 2011 klingt nicht so viel anders als Mitte/Ende der 90er - eher noch etwas pubertärer als damals. Das war für manch alten Fan ein bisschen wenig und so wurde das Album durchaus auch etwas zwiespältig aufgenommen.

Doch auf dem jetzt veröffentlichten Livealbum Riot on Japan 2011 ist von Zurückhaltung nichts zu hören. Das Publikum in Tokio geht total steil und wütet ähnlich laut wie die Band selbst, was bei dem fast schon kakophonischem Lärm, der aus den Verstärkertürmen wummert, nicht einfach gewesen sein dürfte. Die drei Frontbrüller Alec Empire, Nic Endo und MC CX Kidtronik geben in voller Verzerrung alles, während im Hintergrund die Maschinen röcheln und ihre Salven aus harten Drum’n’Bass-Beats, Gitarrensamples und purem Noise abfeuern. Da schnellt der Adrenalinpegel innerhalb von einer Sekunde von 0 auf 180. Gespielt wurde das neue Album bis auf einen Song komplett. Hinzu kommen noch acht Klassiker und eine alles andere als normale Bandvorstellung.

Das ergibt am Ende einen 70-minütigen, unbarmherzigen Hirnfick, der für das ungeschulte Ohr wohl nicht mehr allzu viel mit Musik zu tun hat. Aber gerade bei diesem Livealbum hat das einen unleugbaren Charme und durchaus große Momente. Wenn das Publikum beim fast schlendernden „Collapse of history“ unaufgefordert mitsingt und ein Teil der Show wird, hat das was. Zudem ist der Sound tadellos und klingt zu Hause genauso fett und radikal wie im Live-Club. Das macht Riot in Japan 2011 zum regelrecht perfekten Livealbum und zur absoluten Antithese der reinen Lärmorgie Live at the Brixton Academy, als sich Atari Teenage Riot selbst pulverisierten. Ob man diese (Un-)Musik am Ende gut oder kacke findet, ist eine sehr subjektive Angelegenheit und Frage der momentanen (geistigen) Verfassung. Deswegen ist wertungstechnisch zwischen 0 und 20 Punkten alles möglich!



Mario Karl

Trackliste

1Activate3:50
2The Only Slight Glimmer Of Hope3:46
3Black Flags3:14
4Shadow Identity4:12
5Into The Death3:24
6Too Dead For Me4:13
7Atari Teenage Riot3:10
8Sick To Death3:38
9Rearrange Your Synapses3:52
10Is This Hyperreal?3:31
11Codebreaker5:05
12Blood In My Eyes3:46
13Speed2:51
14Introduction Of ATR Members3:03
15No Remorse4:29
16Start The Riot3:02
17Collapse Of History3:59
18Revolution Action7:02

Besetzung

Alec Empire (Gesang, Programmierung)
Nic Endo (Programmierung, Gesang)
MC CX Kidtronik (MC)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger