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Artikel

SOCIAL DISTORTION feiern sich und ihre Fans in München

Info

Künstler: Social Distortion

Zeit: 15.06.2009

Ort: München - Zenith

Internet:
http://www.socialdistortion.com
http://www.gaslightanthem.com

30 years of underground Rock ‘n’ Roll … so stand es auf dem Banner, welches später entrollt werden sollte. Dies war auch das Motto unter dem die Europatour von SOCIAL DISTORTION stand. Denn die Legenden um den Johnny Cash des Punkrock, Mike Ness, feiern dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass ein Fass aufzumachen und sich endlich auch mal wieder in der alten Welt blicken zu lassen. Verglichen mit früheren Zeiten sind die vier Jahre seit ihrem letzten Besuch zwar richtig kurz, aber erstens soll man ja die Feste feiern wie sie fallen und zweitens ist der Besuch eines SOCIAL DISTORTION-Konzerts immer ein großer Spaß. Und davon sollte der Auftritt in der alten Münchener Fabrikhalle Zenith keine Ausnahme sein. Mitgebracht hatte die Band aus Orange County zwei weitere Bands zur Unterstützung. Bewiesen sie bereits bei ihrem letzten Besuch mit den Backyard Babies guten Geschmack, taten sie es heuer auch mit den Emporkömmlingen THE GASLIGHT ANTHEM. Als dritte im Bunde hatten die Kölner THE BLACK SHEEP die Ehre den buntern Liederreigen zu eröffnen.

Das aus vier jungen Mädchen bestehende Quartett, von denen sich wahrscheinlich noch keines das Etikett „Twen“ ans Revers heften kann, hatte jüngst beim quasi Major Roadrunner sein Debütalbum Not part of the deal veröffentlicht und war sichtlich aufgeregt sich hier im Vorprogramm einer Band wie Social Distortion wieder zu finden. Gerade Sängerin Charlotte Klauser konnte gerade in den Songpausen ihre Nervosität und ein leichtes Zittern nicht verbergen, während Bassistin Aurora Steffens diese durch übertriebenes und pseudocooles Posing zu überspielen versuchte. Besser machte sich da schon die blonde Dame an den sechs Saiten, welche recht versiert ihr Programm runter zockte, genauso wie Drummerin Patricia Ross. THE BLACK SHEEP boten recht gewöhnlichen Alternative Rock, der gut als härtere und ernstere Ausgabe von Die Happy durchgehen konnte. Der bombastische und mit Hall versehene Sound in der Halle versprach dabei wohl mehr als dahinter steckt, denn wirklich speziell war das ganze nicht. Die Musik tat keinem weh und sie war für den Anfang ganz gut, auch wenn sich die meisten lieber an ihren Bierbechern festhielten, anstatt zu klatschen. Aber für den üblichen Höflichkeitsapplaus hat es zumindest gereicht. Die halbe Stunde Spielzeit verging dabei recht zügig. Ob die Mädels allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten ist fraglich. Denn der Auftritt war eine doch etwas wackelige Angelegenheit und man merkt, dass The Black Sheep noch die große Routine fehlt. Trotzdem kann man sich den Namen mal merken.

Ganz anders verhielt sich das anschließend dann bei THE GASLIGHT ANTHEM, deren aktuelles Album The ’59 sound schon ziemlich viele Anhänger fand und man gerade dabei ist, sein Geheimtippimage abzustreifen. Man konnte sich jedenfalls nicht dem Eindruck verwehren, dass zahlreiche Besucher des bunt gemischten Publikums nur wegen ihnen gekommen waren. Und diese dürften das Kommen anschließend kaum bereut haben. Denn The Gaslight Anthem entpuppten sich als tolle Liveband mit jeder Menge Ausstrahlung. Gerade Frontmann Brian Fallon verbreitet ein derart sympathisches und positives Flair, welches einen unweigerlich in seinen Bann zieht. Das deutet sich bereits mit den zwei flott gespielten Eröffnungssongs an. Aber erst als er bei „Old grey Lincoln“ seine Sechssaitige zur Seite stellte und vom Bühnenrand aus sang, kam das so richtig zur Geltung. Der Mann lebt seine Texte regelrecht und untermalt das mit aussagekräftigen Gesten. Dagegen steht der Rest der Band recht im Hintergrund und sorgt für den richtigen Klangteppich, dem Schlagzeuger Benny Horowitz permanent einen sehr starken Drive verlieh. Lied für Lied steigerte sich die Stimmung und es bildete sich ein erster Pit und Arme flogen durch die Luft. Natürlich darf nicht verschwiegen werden, dass der Sound von The Gaslight Anthem nicht überall auf Gegenliebe stieß. Für viele war er einfach nicht Punk oder Rock ´n Roll genug, was zweifelsohne stimmt. Die Wurzeln der Band liegen zwar eindeutig im melodiösen Punk, aber der Vierer paart das mit der Songwritermentalität eines Bruce Springsteen und dem Charme einer Indieband. Das Quartett lässt seine Songs auch mal kleine Schlenker nach links oder rechts machen und zielt nicht immer auf einen möglichst einfachen Effekt wie die Hauptband, selbst wenn The Gaslight Anthem gerade mit den auch an diesem Abend gespielten Hits „Great expectations“ und „The ’59 sound“ solche Songs besitzt. Die 45 Minuten Spielzeit vergingen wie im Fluge und man hätte dieser ehrlich wirkenden Band, der man die Freude und die Ehre hier im Vorprogramm spielen zu dürfen anmerkte, gerne noch länger zugehört.

Aber der Gedanke daran welche Gruppe nun folgen sollte, machte den Abschied doch leichter. Denn so wirklich war man ja nur wegen SOCIAL DISTORTION gekommen. Auch ohne neues Album in der Hinterhand scheint die Popularität der Band in den letzten Jahren um einiges angestiegen zu sein. Denn beim letzten Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt füllte man noch die leider mittlerweile abgerissene Georg-Elser-Halle mit ca. 1.500 Fans. Heute im wesentlich größeren Zenith waren es sicherlich mehr als das doppelte. Gerade an jungen Leuten, welche die 20 bestimmt noch nicht überschritten hatten, herrschte an diesem Abend kein Mangel. Aber auch zahlreiche alte Fans, die die Band schon lange begleiten, konnten sich aufraffen zu erscheinen. Wie schon erwähnt war das Publikum dabei recht gemischt. Vom archetypischen Punk, über recht normal aussehenden Rock-, Alternative- und Metalfans mit bunten Bandshirts, über Rocka- und Psychobillys, bis zum „Normalo“ war so ziemlich alles vertreten, was sich auch nur am Rande für die Drei-Akkorde-Songs von Social Distortion begeistern kann.
Als die Band die Bühne um 22:00 Uhr betrat, war der Einstieg mit dem Trio „The creeps“, „Another state of mind“ und „Mommy’s little monster“ schon recht fulminant. Dieser Punksound der alten Schule versetzte die Menge vor Bühne in eine große, wogende Masse mit einem riesigen Pogopit in seiner Mitte. Der Sound war überraschend gut und massiv für die Tatsache, dass wir uns im Zenith befanden, das für seinen schepperigen Klang berühmt-berüchtigt ist. Aber heute war es durchaus recht erträglich. Mike Ness war sichtlich noch ein wenig mehr gealtert und sein gegeltes Haupthaar wird immer lichter. Aber was sich mit den Jahren nicht geändert hat, ist sein einnehmendes Bühnenwesen und seine Coolness. Nur wirkt er mittlerweile eben mehr wir der über alles erhabene Godfather des Punkrock, welcher er zweifelsohne ist. Der Rest seiner Band (auch wieder mit Gastorganist im Hintergrund) zeigte sich bestens eingespielt und man ist über die Jahre zu einer straffen Einheit gewachsen. Mit dem ehemaligen Rocket from the Crypt- und Offspring-Schlagzeuger Adam Willard war allerdings ein neuer Mann hinter den Kesseln zu sehen, welcher der Band gerade im ersten Drittel der Show, das sich ganz den schnellen Social Distortion-Stücken widmete, einen unglaublichen Punch verpasste. Das passte gut zum begeistert aufgenommenen „Don’t drag me down“, bei dem die Masse so richtig Kopf stand, erwies sich aber später, als der Fuß vom Gas genommen wurde, als etwas unpassend und übertrieben.
Mit dem unkapputbaren „Sick boys“ und dem Johnny Cash-Cover „Ring of fire“ widmete man sich erst einmal dem großen Comeback Anfang der 90er, bevor mit „I can’t run no more“ ein nicht so wirklich bekanntes Stück folgte, das Mike Ness’ Ansage zufolge auch noch nie in seiner Heimat, den US of A gespielt wurde. Danach nutze der charismatische Frontmann eine kurze Pause um im Publikum den größten Checker mit dem dicksten Portmonee zu suchen, nur um in einen neuen Song namens „You can’t take it with you“ überzuleiten. Ein eher durchschnittlicher und nicht allzu zwingender Midtempotitel. Hoffen wir, dass das wieder einmal angekündigte neue Album bessere Lieder als dieses enthält. Nach einem starken „Bad luck“ schaute man noch einmal mit „Reach for the sky“, „Highway 101“ und „Nickles and dimes“ ins Jahre 2004 zurück. Damit befand man sich auch mitten im gemütlicheren Teil, in dem der Punk immer mehr von lässigen Rocksongs abgelöst wurde. Die Stimmung wurde dadurch auch entspannter und nicht mehr so aufgeladen, wie noch zu Beginn des Konzerts mit seinen goldenen Oldies. Mit dem Mitsingkracher „Sometimes I do“ verabschiedeten sich Mike Ness & Co. dann auch schon fürs erste.
Sollte es das schon gewesen sein? Nein, natürlich nicht. Schließlich verlangt man heutzutage nach einer gefakten Zugabe, die fest zum Programm gehört und man eigentlich nur vorgegaukelt kriegt etwas Besonderes zu bekommen, wobei die jeweilige Band ihr Programm dadurch nur unnötig streckt. So ließen sich Social Distortion auch recht lange bitten, nur um mit den beiden Fanlieblingen „Ball and chain“ und „Prison bound“ zurückzukehren. Letzteres gab es wieder in der relaxten Version inklusive Klavier in der ersten Strophe. Die Stimmung war wieder da, die Band wurde grandios abgefeiert und stellenweise war der Mob lauter als die Protagonisten auf der Bühne selbst. Mit dem alten Hank Williams-Heuler „Alone and forsaken“ machte Mike Ness noch einmal klar wo seine Wurzeln liegen, bevor noch ein zweites Mal eine (unnötige) Pause eingeschoben wurde. „Still alive“ war ein weiterer neuer und besserer Titel, auf den mit einem grandiosen „Story of my life“, die letzten Schlussakkorde folgten, mit denen sich Social Distortion noch einmal richtig abfeiern ließen. Und das zu Recht, muss man sagen. Denn diese 90 Minuten waren eine saucoole Rockshow die so ziemlich alles im Spannungsfeld zwischen Punk und schmutzigen Countryanklängen bot - zu 100 % amerikanisch und authentisch. Man kann nur hoffen, dass sich das Gemunkel nicht bewahrheitet und es die letzte Tour durch Europa sein sollte. Zumindest hat Mike Ness großspurig angekündigt sich hier öfter blicken zu lassen, da Germany ja so verdammt toll und loyal sei. Mike, wir nehmen dich beim Wort!


Setlist:
The creeps
Another state of mind
Mommy’s little monster
Don’t drag me down
Sick boy
Ring of fire
I can’t run no more
You can’t take it with you
Bad luck
Reach for the sky
Highway 101
Nickels and dimes
Sometimes I do
---
Ball and chain
Prison bound
Alone and forsaken
---
Still alive
Story of my life

Mario Karl


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