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Artikel

30 Jahre kölsche Leeder - Die Geschichte von BAP scheibenweise (Folge 3: Steil nach oben)

BAP

für usszeschnigge!


Info
Musikrichtung:Deutsch Rock

VÖ: 24. 3. 2006 (1981)

(Capitol / EMI)

Gesamtspielzeit: 90:39

Internet:

http://www.bap.de


BAP gehören zu den Bands, die unsere Bewertungsskala an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit stellen. für usszeschnigge! ist noch einmal eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorgänger ...affjetaut.... Der hat aber bereits die nicht mehr steigerungsfähige Note „20“ erhalten. Auf der anderen Seite kann man ...affjetaut... aber auch nicht gut zur Unterscheidung mit 18 Punkten versehen, oder Reviews mit mehr als 16 Punkten würden zu extremen Raritäten. So bekommen also beide BAP-Alben 20 Punkte und - Das sei bereits verraten. - im nächsten Monat wird eine weitere 20 Punkte-Review folgen.

BAP für usszeschnigge! setzt den mit ...affjetaut... eingeschlagenen Kurs konsequent fort und hebt ihn auf ein derartiges Niveau, dass Niedecken im Interview völlig zu recht sagen kann, jeder Song des Albums würde von den Fans ohne zu zögern als ein Best of-Titel akzeptiert werden.

Mit für usszeschnigge! steuern BAP den Gipfel ihres Erfolgs an. Das Album wird nicht nur die erste Nummer 1 der Band. Es zieht auch die Vorgänger noch einmal in die Top 10, in denen nach Erscheinen des Nachfolgers von drinne noh drusse zeitweilig vier(!) BAP-Alben gleichzeitig(!) vertreten waren. Besonders sympathisch ist es, dass sich der Erfolg der Band quer zu den strategischen Planungen ihrer neuen Plattenfirma EMI entwickelt hat.
Chartmusik galt - damals wie heute - bei anspruchsvolleren Musikfreunden als wenig hörenswert. Wer aus diesen Kreisen Anfang der 80er überhaupt eine Hitparade hörte, der schaltete Wolfgang Neumanns WDR-Schlagerralley ein, die völlig im Gegensatz zu ihrem Namen häufig Rock-Bands präsentierte, die sonst kaum zu hören waren. Wolfgang Neumann stellte am 14. Dezember 1981 statt der von der EMI ausgekoppelten Single “Frau ich freu mich“ den LP-Titel “Verdamp lang her“ vor, der in er letzten Sendung des Jahres 81 auf Platz 3 in die Hitparade einstieg. Erst schien dem Titel kein langes Leben vergönnt zu sein. In der ersten Sendung des folgenden Jahres war er auf Platz 12 ins so genannte Unterhaus gefallen (Die Plätze 11-15 wurden in der einstündigen Sendung nur noch kurz angespielt.) über Platz 8 in der folgenden Sendung erreichte der ungeplante Hit aber am 18.1. den ersten Platz. Als er am 7. 6. das letzte Mal in der Hitparade platziert war, war er bereits seit mehreren Wochen der älteste Titel in der Sendung. In der Jahreswertung belegte er Platz 4 und musste sich unter anderem der “Kristallnach“ auf Platz 2 geschlagen geben. Aber es war das grandiose “Verdamp lang her“, das den Durchbruch brachte und dem Nachfolger die Bahn ebnete.

Eigentlich müsste man bei für usszeschnigge! jeden Titel einzeln besprechen, so überragend sind alle Stücke und so unterschiedlich die einzelnen Werke. Da gibt es die Gänsehautballade “Jupp“, die mit größter Einfühlsamkeit die Tragik und Menschlichkeit des einfachen Stalingrad-Veteranen einfängt und daneben der Haushalts-Rock’n’Roll, der es schafft aus dem ultra-banalen Thema „Waschsalon“ nicht nur einen partytauglichen Tanzflächenfeger zu machen, sondern ganz subtil die Frage von Geschlechterverhältnissen anzusprechen. Wie kommt man(n) auf solche Texte?
Mit dem “Müsli Man“ wird der political korrekten Szene-Polizei ein Denkmal gesetzt. “Wo mer endlich SOMMER ham“ setzt die mit “Wahnsinn“ begonnene Tradition der Klassiker-Cover fort. “Fuhl am Strand“ holt schmeichelnd zärtlich die Abendsonne ins Wohnzimmer. Und Textzeilen wie „ob jetzt ener Krimsekt trinkt oder nur nach Vermut stinkt, ist an der Pissrinn spätestens ejal, scheißejal“ beweist wieder einmal die Beobachtungs- und Ausdrucksfähigkeit von Niedecken.
Welchen Bekanntheitsgrad BAP bald erreicht hatten, wir an dem späteren Klaus Lage-Song "Transit" deutlich. Wenn Lage dort "Frau, ich freu mcih wirklich singt", wusste jeder, was gemeint war.

Die Bonus-CD hat erneut einen ganz eigenen Charakter. Wie auf dem Vorgänger gibt es überwiegend Live-Aufnahmen, die aber dieses Mal durch die Bank fast schon Neuinterpretationen der Originale sind.
Mit dem “Müsli Man“ wird ein Reggae ins Programm geschummelt. “Jupp“ kommt streicherbetont. Der “Waschsalon“ hat plötzlich einen massiven Honky Tonk-Einschlag. Die Version von “Frau, ich freu mich“ ist sehr softe relaxte neue deutsche Rockmusik.

Das Interview befasst sich mit dem Wechsel zur EMI, der der Band endlich echten Tour Support bietet und damit auch außerhalb Kölns wachsende Zuschauerzahlen beschert.
Natürlich kommt auch Wolfgang Neumanns Engagement zur Sprache, BAPs überraschender Auftritt im Vorprogramm der Stones und die Rolle der Kölner als Stammgast auf diversen Demos und Polit-Veranstaltungen.



Norbert von Fransecky



Trackliste
1 Verdamp lang her 5:45
2 Südtadt verzähl nix 3:43
3 Jraaduss 3:51
4 Waschsalon 2:22
5 Jupp 5:46
6 Frau, ich freu mich 5:35
7 Müsli Män 3:59
8 Fuhl am Strand 5:26
9 Ens em Vertraue 4:21
10 Wo mer endlich SOMMER hann 5:26

Bonus-CD
1 Müsli Män (Live, Dortmund 1982) 4:20
2 Jupp (Live, Dortmund 1982) 4:10
3 Waschsalon (Live, St.Wendel 1989) 2:46
4 Ens em Vertraue (Tonfilm-Demo) 5:03
5 Verdamp lang her (Live, Tonfilm-Tour, 1999) 8:10
6 Frau, ich freu mich (Version 2005) 5:26
7 Gespräch Niedecken &amp; Frank Laufenberg, Teil II 17:08
Besetzung

Manfred Boecker (Perc)
Wolfgang Boecker (Dr)
Steve Borg (B)
Wolfgang Niedecken (Voc, Git)
Klaus Heuser (Git)
Alexander Büchel (Keys)


Norbert von Fransecky


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