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Artikel

RIVERSIDE - Ohne reglementierende Leitfäden

Info

Gesprächspartner: Mariusz Duda (Riverside)

Zeit: 10.11.2005

Interview: E-Mail

Stil: Progressive Rock

In Sachen progressiver Rockmusik waren unsere polnischen Nachbarn schon immer etwas besonders. Ob nun die 70er-Jahre Heroen SBB oder ein Künstler wie Czeslaw Niemen, man brachte es auch außerhalb des einstigen eisernen Vorhang auf einen gewissen Ruhm und jede Menge Kritikerlob. In diesem Zusammenhang steht eine Band wie Riverside eigentlich schon in guter Tradition. Sorgte die Band um Sänger und Bassist Mariusz Duda noch vor Jahresfrist mit ihrem Debütalbum „Out Of Myself“ für Furore in der doch sehr wählerischen progressiven Rockszene, so beweist man nun mit dem gerade erschienenen Nachfolger „Second Life Syndrome“, für den man sogar ein Label wie ‚Inside Out‘ gewinnen konnte, daß man wohl auch noch für ein zweites Album gut ist. Musikalisch ist man schon im weit abgesteckten Umfeld von Bands wie Porcupine Tree, Anathema, Pink Floyd und Opeth zu finden, man wehrt sich doch dagegen, einfach so in die ‚Prog Rock‘ - Schublade gesteckt zu werden. Denn Riverside ist noch für viel mehr gut, wie uns Mariusz Duda an dieser Stelle versucht, zu erklären.

MAS:
Riverside, der Name passt schon zu einer Progressive-Rockband wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Mariusz:
Riverside ist der Weg, Leben, Träume und Fantasien in Form von Musik darzustellen. Es ist es eine Art Idee, um Emotionen auszudrücken oder um aus der grauen oder unnatürlich bunten Realität zu entfliehen. Es ist Musik, die durch Zeit, Orte, Gedanken und Worte inspiriert wird, ein Produkt unserer eigenen und anderer Menschen Fantasie. Es ist Freude und Trauer, Flüstern und Schreien.

MAS:
Und, können wir uns nun auf eine Art Neo-Prog-Revolution aus Polen gefasst machen?

Mariusz:
Eigentlich wissen wir noch nicht, was die Zukunft bringen wird. Vielleicht ist das wirklich der Beginn einer Progressive Music Revolution? Wer weiß? (lacht) Was Riverside selbst betrifft, hier sind jede Menge revolutionäre Ideen in Bezug unserer Kompositionen zu finden. Bitte laß uns an dieser Stelle einen interessanten Vergleich heranziehen. Laß uns einfach einmal annehmen, daß es eine neue Band gibt, deren Musik mit ‚Progressive Rock‘ bezeichnet wird. Was wird der wählerische Hörer machen? Alle etwas wählerischen Hörer würden einen Brechanfall bekommen. Und warum? Weil sie wahrscheinlich selbst in Erfahrung bringen konnten, daß eben diese Musik langweilig ist und eigentlich nur andere Sachen imitiert. Weil die meisten der sogenannten ‚progressiven‘ Bands eigentlich auf beängstigend einfache Art komponieren. So, als hätten sie alle den gleichen Leitfaden mit dem Titel „Wie spiele ich Progressive Music“ gelesen, der natürlich von einigen grauhaarigen Prog-Masters der 70er geschrieben wurde und in welchem dann klar und deutlich steht, was die Musiker machen dürfen und was nicht und wie ein einzelnes Instrument zu spielen ist und wie nicht, weil es dann eben nicht richtig klingt oder was auch immer. Glücklicherweise gibt es auch hier Ausnahmen, nämlich Bands, die Vertrauen in eine Wiedergeburt ehrgeiziger Musik haben, welche von den Leuten dann einfach ‚Progressive Rock‘ genannt wurde und genannt wird. Wir benutzen diesen Leitfaden nicht, wir sind nicht an irgendwelchen ausgetretenen Pfaden interessiert, wir machen einfach Musik und versuchen, unseren eigene Stil zu finden. Es würde eine Ehre für uns sein, wenn Riverside einmal als eine der Bands genannt wird, die einen signifikanten Einfluß auf die Rockmusik hatten. Ist das ehrgeizig? Oder unverschämt? Warum nicht? Warum nicht so eine Herausforderung annehmen?! Wir haben uns einfach deshalb dafür entschlossen, ‚Progressive Rock‘ zu spielen, weil wir uns dafür berufen fühlten. Und nun versuchen wir alles, um zu beweisen, daß Bands aus diesem Genre Platten aufnehmen können, die nicht nur die orthodoxen Hörer ansprechen.

MAS:
Und ihr veröffentlicht ja inzwischen auch auf Europas umfangreichsten Label für progressive Rockmusik - ‚Inside Out‘. Wie habt ihr es eigentlich geschafft, daß euer zweites Album hier nun hier erscheint?

Mariusz:
Die Leute von ‚Inside Out‘ haben schon unserer ersten beiden Releases „Out Of Myself“ und das Minialbum „Voices In My Head“ hören können und sie fanden diese auch gut. Ich denke, daß unsere erste Europatour, die wir im April diesen Jahres selbst organisierten, dazu beitrug, daß uns ‚Inside Out‘ einen Vertrag für unser nächstes Album vorlegte. Für uns ist es ein großer Fortschritt, mehr Hörer in der ganzen Welt zu erreichen und eine große Freude, auf demselben Label wie viele der Künstler zu sein, die wir über alle Maßen schätzen und respektieren.

MAS:
Nun hast du aber noch kein Wort über eure Haupteinflußquellen verloren.

Mariusz:
Weil eigentlich jeder von uns einen anderen musikalischen Background besitzt. Ich denke, gerade diese Unterschiede beeinflussen unseren Stil und unsere Musik entscheidend. Jeder von uns hört den unterschiedlichsten Stuff, von Relaxmusic bis hin zu Extreme Metal. Auch die Filme, die wir sehen, die Bücher, die wir lesen, das alles findet sich auch in unserer Musik wieder. Wir haben eine gute Arbeitsteilung, wir fühlen uns für die verschiedensten Dinge innerhalb der Band verantwortlich und versuchen, allen Ansprüchen auch treu zu bleiben.

MAS:
Das „Second Life Syndrome“ -Konzept ist ja recht umfassend. Wie würdest du es kurz und knapp in neun Worten oder weniger beschreiben?

Mariusz:
Eine weitere Reise in die Tiefen unserer rastlosen Seelen.

Carsten Agthe


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