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Mit dem finnischen Nationalepos Kalevala werden Amorphis zu nationalen Helden

Info

Autor: Markus Laasko

Titel: Amorphis. Die offizielle Biographie

Verlag: Edition Roter Drache

ISBN: 978-3946425007

Preis: € 20

432 Seiten

Markus Laasko hat eine klassische Band-Biographie geschrieben, die sich fast 100%ig auf die Entwicklung von Amorphis konzentriert. Wir erleben also mit, wie sich die Band langsam findet, erste musikalische Gehversuche unternimmt, erste Konzerte gibt, eigenes Material schreibt und dann die erste CD aufnimmt. Und dann geht es weiter mit dem Komponieren und Aufnehmen weiterer CDs, mit Touren, dem Wechsel von Musikern und Plattenlabels und dem nicht ganz kontinuierlich wachsenden Erfolg, bis Amorphis letztlich zur etablierten Größe in der internationalen Metal-Szene werden und im heimatlichen Finnland zur kulturellen Elite gehören.

Bezüge zu der Zeit oder der Umgebung, in der sich diese Geschichte abspielt, gibt es nur wenig – mit Ausnahme der familiären und persönlichen Situation, aus der die einzelnen Akteure stammen. Diese biographischen Skizzen dominieren die ersten Seiten des Bandes und werden später immer dann eingeschoben, wenn ein neuer Musiker in der Geschichte der Band auftaucht.

Es entsteht das Bild einer Band, die bereits mit den ersten drei Alben in der ersten Hälfte der 90er eine große stilistische Entwicklung vollzieht, im derben Death Metal beginnt und mit Elegy eine Art finnischen Folk Metal entwickelt, eine Entwicklung, die wohl nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass sich Amorphis für ihre Texte bei dem finnischen Nationalepos Kalevala bedienten, das Elias Lönnrot 1849 aus alten Volkssagen zusammengestellt hat.

Wenn man liest, wie die Band dann von Erfolg zu Erfolg marschiert, aber kaum einen Pfennig der üppig fließenden Einnahmen erhält, bekommt das Ganze den Charakter einer Tragödie. Der Vertrag, den die unerfahrenen Jugendlichen mit Relapse Records geschlossen hatten, erwies sich als absoluter Klotz am Bein. Jahrelang finanziert die Band in ihren besten Jahren vor allem das Label und die Gehälter der Label-Mitarbeiter und muss miterleben, wie die auf Tour in guten Hotels residieren, während sich die Musiker im Bandbus zusammen quetschen.

Der schwer erkämpfte Wechsel zur EMI erweist sich aber ebenfalls nicht als Glücksgriff. Das hat allerdings nicht nur etwas mit den Strukturen des Majors zu tun. Die Band selber ist zu Beginn des neuen Jahrtausends orientierungslos und bewertet das für die EMI aufgenommene Album Far from the Sun im Nachhinein selber als eher durchwachsen. Immerhin lohnt sich die Zeit bei dem Major für die Band zumindest in finanzieller Hinsicht.

Aber es bleibt bei dem einen EMI-Album. 2006 geht es zu Nuclear Blast, einem der weltweit führenden Metal-Label. Das wird zur Basis für eine solide Karriere, die bis heute andauert.

Die Edition Roter Drache hat die Amorphis-Biographie in ein schickes Gewand gepackt. Das solide Hard-Cover Buch kommt mit Lesefaden, ist im Text schwarz-weiß bebildert und enthält zwei längere farbige Fotostrecken. Der rostrote Einband mit goldgeprägtem Titel wirkt sehr schick. Er besteht aus einer Art samtigen Kunstleder, das allerdings sehr empfindlich ist. Wer sich nicht – wie in einem Archiv – Baumwollhandschuhe anzieht, wenn er das Buch anfasst, hat bald ein eher unansehlich fleckiges Buch vor sich.

Norbert von Fransecky


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