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Guitarts United 2015: Indoor-Festival und Gitarrenmesse in einem

Info

Künstler: Guitars United 2015

Zeit: 09.05.2015

Ort: Leinfelden - Filderhalle

Internet:
http://www.guitarsunited.de
https://www.facebook.com/guitarsunitedfestival

Veranstalter Andreas Vockrodt hat auch in diesem Jahr wieder ein Guitars-United-Event ins Leben gerufen. Dazu sind insbesondere Musiker und Gitarristen eingeladen. Andreas Vockrodt ist selbst Gitarrist und Gitarrenlehrer und hat kürzlich mit seinem Album „Adventures From Foggyland“ ein reines Gitarrenalbum veröffentlicht. Das Ziel der Veranstaltung ist es, verschiedene Bands und Gitarristen einem Musikerpublikum vorzustellen. Zu dem Gitarrenrekord konnte man sich im Vorfeld anmelden. Jeder Teilnehmer kann dann zu dem Song „Let There Be Guitar“ ein Solo einspielen und das dann Vockrodt zuschicken. Der Song wird dann inklusive allen Solos fertig gestellt und als Rekord an die Guinnessbuch-Verleger geschickt.

Als ich in Leinfelden ankomme bin ich erst mal überrascht: Ich hätte mir die Halle wesentlich größer vorgestellt. Auch bin ich über die Besucherzahlen etwas erstaunt. Insgesamt sind vielleicht 250 Leute anwesend - das hätten ruhig ein paar mehr sein können. Im Foyer haben diverse Gitarrenbauer ihre Instrumente ausgestellt. Dabei sind teilweise recht nahmhafte Hersteller. Einer baut zum Beispiel exklusive Gitarren für Viktor Smolski, der bis vor kurzem noch bei Rage als Gitarrist gespielt hat.
Am Nachmittag laufen diverse Workshops für Gitarristen und Nachwuchs-Gitarristen. Es ist sehr lustig, da alle möglichen Altersschichten mit ihren Gitarren in der Halle herum laufen.

Die Bands Rock ‘n School und Unravel bekomme ich aus Zeitgründen leider nicht mehr mit. Die erste Live-Band ist A CUP OF T, die mit zwei akustischen Gitarren Coverversionen bekannter Rocksongs zum besten geben. Der Sound ist super und die Songs bringen das Publikum so langsam in Schwung.


Die Band BURN’N aus Stuttgart spielen eigene Songs und bringen demnächst ihr erstes Album mit dem Titel „Introduction“ heraus. Wuchtig legt der Vierer vor und schlägt sich wirklich wacker. Sänger Justin Payne erinnert mich ein bißchen an Matt Barlow, den ehemaligen Sänger von Iced Earth. Die Band ist hervorragend eingespielt und präsentiert sich wie aus einem Guss.

LITTLE MISS ANGUS ist die weibliche Variante von AC/DC’s Angus Young. Sie spielt komplett ohne Begleitung Riffs und Solos von AC/DC, wie z. B. „Dog Eat Dog“, „Bad Boy Boogie“, „Thunderstruck“ usw. Dabei bewegt sie sich wie Angus und spielt auch im Liegen. Für sie absolut kein Problem. Wäre interessant, ob sie auch in einer Band mitspielt! Das Zeug dazu hat sie auf jeden Fall.

WAY TO BODHI wird als die „tiefste Band der Welt“ angekündigt. Sämtliche Bandmitglieder haben weiße Masken auf dem Gesicht. Was erwartet mich hier? Auf der Homepage beschreiben sie sich als eine Mischung aus Prodigy, Slipknot und Meshuggah. Als das Konzert beginnt, dauert es keine zwei Minuten und ich sowie diverse andere verlassen fluchtartig die Halle. Das muss einem wirklich gefallen, dass man das packt. Für mich nicht die tiefste Band, sondern der Tiefpunkt des Abends. Zum Glück dauert das Fiasko nur 15 Minuten. Entweder bin ich zu bescheuert für die Musik oder der völlig falsche Adressat.


WIM ROELANTS kommt aus Belgien und wird als die belgische Variante von Steve Vai gehandhabt. Und diese Behauptung geht absolut in Ordnung. Was der obercoole Gitarrist auf der Bühne abzieht ist schon sehr erstaunlich. „Eruption“ von Van Halen? Überhaupt kein Problem. Er lässt sämtliche Spielarten, die mit der elektrischen Gitarre möglich sind, vom Stapel und bleibt dabei immer völlig gelassen. Vor allem bei den anwesenden Gitarristen sorgt er doch für sehr offene Münder. Mich wundert es nur, dass er nicht wesentlich bekannter ist. Mit seiner Ausstrahlung und Spielkunst könnte er in jeder Hardrock-Band sofort einsteigen.

JIMMY GEE aus Berlin hat 2013 den Preis „Bester Gitarrist Deutschlands“ erhalten. Und auch seine Spieltechnik kann sich durchaus sehen lassen. Aber nicht nur das: Jimmy Gee singt auch noch sehr eindrucksvoll. Dabei bietet er eine Mischung aus Joey Gioeli, dem Sänger von Axel Rudi Pell; und „The Voice Of Rock“, Mr. Glenn Hughes.

Danach spielen unter der Leitung von Andreas Vockrodt sämtliche Gitarristen, die vorher aufgetreten sind zusammen den Song „Smoke On The Water“. Hier ist auch schon Joe Gooch von Hundred Seventy Split mit auf der Bühne und spielt natürlich auch mit. Anschließend wird der Song „Let There Be Guitar“ präsentiert, zu dem dann die für den Rekord angemeldeten Gitarristen ihre Solos einschicken sollen. Leider hat der Mischer hier nicht seinen besten Tag und bringt nicht immer den Gitarristen, der gerade sein Solo spielt. So sieht das manchmal ein bißchen komisch aus, ist aber vermutlich auch gar nicht so einfach.


Vockrodt spielt dann noch etwa 30 Minuten zusammen mit seiner eigenen Band PARTY BLUES. Mit bekannten Coversongs von Toto, Tina Turner und AC/DC bringt er das Publikum in Feierlaune. Witzigerweise kommt zu „TNT“ Little Miss Angus wieder auf die Bühne und unterstützt seine Band. Auch diese Aktion zeigt, dass die Musiker doch sehr freundschaftlich miteinander umgehen. Musikalisch super eingespielt beeindruckt mich hier vor allem die Stimme des Keyboarders. Er hat eine Wahnsinnsröhre und bringt Bobby Kimball genau so gut wie Bon Scott. Ein Spagat, der sicher nicht leicht ist.

Nun findet eine Verlosung statt, bei der diverse CDs, Instrumente und Zubehörteile für Gitarristen verlost werden. Der Hauptpreis besteht aus einer rosafarbenen Gibson Les Paul aus dem Jahre 2000, die von sämtlichen Musikerinnen der Band Vixen unterschrieben wurde. Insgesamt wirklich klasse, solche hochkarätigen Preise sind nicht selbstverständlich und zeigen, wie wichtig dem Veranstalter und seinem Team die Aktion überhaupt ist.

Die Hauptattraktion des Abends sind zweifellos HUNDRED SEVENTY SPLIT. Die lassen sich auch nicht lange bitten und treten unmittelbar nach der Verlosung auf. Joe Gooch ist an diesem Abend um Längen besser gelaunt als auf den Rother Bluestagen. Bassist Leo Lyons kann anscheinend sowieso nichts die Laune verderben - er ist gut drauf, sobald er seinen Bass in der Hand hat und auf der Bühne steht. Zusammen mit Schlagzeuger Damon Sawyer bildet er ein felsenfestes Rhythmusfundament, das seinesgleichen sucht. Leo Lyons könnte ich als Bassist selbst stundenlang zuschauen. Seine Spielweise ist gigantisch und beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Und seine Spielfreude ist ansteckend. Der Mann lebt Musik!

Soundtechnisch ist alles bestens. „No Deal“ ist der erste Song, der bereits richtig losgeht und schneller gespielt wird, als in der Studioversion. Das Publikum, das schon sehr lange vor der Bühne ausgeharrt hat, wacht mit jedem Song ein bißchen mehr auf und feiert das Trio im Laufe des Auftritts sehr wohlwollend. Leo Lyons bringt ab und zu mal eine Ansage, die man jedoch leider nicht sehr gut versteht. Entweder spricht er zu schnell oder zu undeutlich. Das Trio lässt lieber die Musik für sich sprechen. „50 000 Miles Beneath My Brain“ ist für mich ein Highlight - hier geht die Post ab. Der Song erinnert mich ein bißchen an „Sympathy For The Devil“ von den Rolling Stones. Der Blues-Aggro-Batzen „Gonna Dance On Your Tombstone“ gefällt mir ausgezeichnet. Hier wurde das Thema „verflossene Liebe“ bzw. „Ärger mit der Partnerin“ skuril, aber mit typisch schwarzem Humor umgesetzt.
Joe Gooch haucht den Songs mit seiner Stimme und seinem gefühlvollen Gitarrenspiel Seele ein. Auch er lebt für die Bühne und seine Songs, die er mit absoluter Überzeugung spielt.
Die eigenen Songs werden immer wieder dezent mit Kompositionen ihrer ehemaligen Band Ten Years After aufgemotzt, wie dem überragenden „Love Like A Man“ oder dem zum Schluss gespielten „I’m Going Home“. Hier holt das Trio noch einmal alles aus dem Publikum raus und bringt die Fans reihenweise zum Tanzen. Aber auch bei den anderen Songs ist die Stimmung sehr gut. Der Song „Poison“ gefällt mir persönlich am besten, auch wenn er eher bedächtig beginnt. Das gefällt mir an dieser Band: Sie ist musikalisch sehr abwechslungsreich. Das Publikum möchte unbedingt noch eine Zugabe und bekommt diese auch mit dem Song „King Of The Blues“. Nach 100 Minuten ist dann Feierabend. Das sympathische Trio bekommt viel Applaus des Publikums und freuen sich sichtlich darüber. Auch dieses Mal sind HSS sehr fannah und finden sich eine Viertelstunde nach dem Auftritt am Merchandise-Stand ein, um Autogramme zu schreiben.

Setlist Hundred Seventy Split:
No Deal
Where The Blues Began
Pork Pie Hat
Gonna Dance on Your Tombstone
50,000 Miles Beneath My Brain
Going Home
Love Like a Man
The World Won't Stop
Tail-Lights
The Devil To Pay
Poison
Good Morning, Little Schoolgirl
Tennessee Plates
---
Wish you Were At Woodstock?
I'm Going Home
King of the Blues


Veranstalter Andreas Vockrodt geht zum Schluss noch einmal auf die Bühne, um sein Team vorzustellen und sich bei seinen Mitstreitern zu bedanken. Ein feiner Schachzug von einem sympathischen Überzeugungstäter, der für seine Kunst und Musik lebt. Wenn er mit dieser Aktion junge Leute zum Gitarre spielen bringt, ist dies ein ganz wichtiger Beitrag zur kulturellen Entwicklung der Region. Ich finde es nur etwas schade, dass doch verhältnismäßig wenig Leute da sind. Die Idee, die Organisatoren und letzlich die anwesenden hervorragenden Musiker hätten ein größeres Publikum verdient gehab.! Und: für einen Eintritt von 15 Euro ist das ganze ein absolutes Schnäppchen!





Stefan Graßl


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