····· Ritual dictates tauchen „Goth & exhausted" aus der Pandemie auf. ····· Anti-Flag werden auch auf ihrem 13. Studio-Album Rückgrat zeigen ····· 1970er Auftritt von Creedence Clearwater Revival in der Royal Albert Hall auf CD und Vinyl ····· Muswell Hillbillies und Everybody’s in Show-Biz - Everybody’s a Star von The Kinks im Doppelpack ····· Ein neues Album von Robert Coyne am 2.September. ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Kelli Hake

Stay a little longer


Info

Musikrichtung: Country / New Country

VÖ:

(Comstock)

Gesamtspielzeit: 38:07

Internet:

www.kellihake.com

Eine unbekannte Sängerin und ein unbekanntes Plattenlabel; na ja, was das wohl wieder ist! Ab in den CD-Player und ... ein erstes "Wow!" macht sich bemerkbar, abgesehen vom inneren "Wow!" bei der Betrachtung des Cover (denn wie bereits beim letzten Mila Mason-Album angesprochen stellt sich die Country-Szene mal wieder als ein Refugium weiblicher Schönheit heraus), da sich gleich bei den ersten Takten des Albums ein musikalisches Wohlgefühl beim Hörer einstellt. Daher nimmt man sofort den Beipackzettel zur Hand und informiert sich über die Beteiligten. Das Comstock-Label existiert bereits mehr als 25 Jahre und wurde von Frank Fara und Patty Parker, selbst roaderfahrene Musiker mit nationalem Erfolg, gegründet, die in dem Kanadier Alex Fraser ihren ersten Top-Ten-Interpreten fanden, und 1999 von der europäischen ECMA zum "Indie-Label des Jahres" gekürt wurden. Hier fand auch Kelli Hake musikalischen Unterschlupf, nachdem ihre Gesangstalente im Rahmen des Miss America-Programms, an dem sie teilnahm, publik wurden. Und mit Stay a little longer ist nun ihr zweites Album auf dem Markt.

Im einzelnen:

Bleiben wir beim eingangs erwähnten Wow-Erlebnis, denn bereits bei den ersten Takten des Albums fühlt man sich im Bereich des Country-Pop gut aufgehoben, empfangen von Gitarre, Drums und Fiddle, die einen glatten und flotten Start hinlegen. So erwartet man die Stimme von Kelli Hake und ist wieder freudig überrascht, denn wenn man Stimmen als sympathisch beschreiben kann, trifft es auf diese garantiert zu. Der Opener "Stay a little longer" wird seinem Titel durchaus gerecht, denn man ist überaus interessiert, ob auch die restlichen Songs die Chart-Qualität haben, die hier bereits mit flottem Country-Pop und Gute-Laune-Faktor anklingt. Ein wenig ruhiger geht "We got it all" zu Werke, obwohl auch hier ein erfrischend lebhaft gespieltes Schlagzeug dem Hörer den Rhythmus deutlich mit auf den Weg gibt. Es ist angenehm zu hören, dass (nicht wie in Deutschland bei kleineren Labels oft üblich) keine Drummachines ihre Arbeit machen, sondern die Musiker hier hochwertige Handarbeit verrichten, was natürlich der Lebendigkeit des Produktes sehr entgegenkommt.

Dass Kelli Hake lebhaftere Lieder gut im Griff hat, wurde bereits bewiesen, nicht nur auf dieser CD, sondern auch in ihrer bisher doch recht häufigen Funktion als Konzert-Opener für die großen Stars der Country-Szene wie Brad Paisley, Tracy Lawrence, Ricochet, Phil Vassar, Chris Ledoux und viele mehr. Titel Nr. 3 (A Little at a time) stellt jetzt die Balladen-Tauglichkeit der Sängerin heraus und handelt von dem langsamen Auseinanderdriften einer Beziehung. Die sanfte Stimme unterstreicht das Thema sehr gut, gelegentlich unterstützt von einem sehr harmonischen Background-Gesang, der bereits bei den ersten Songs effektvoll eingesetzt wurde. Bei "Best of you" lässt man die Pferde wieder laufen, und zwar im gestreckten Galopp. Rockig geht es zur Sache, und man fragt sich, warum dieser Titel die Billboard-Country-Chart noch nicht mit seiner Anwesenheit beehrt hat, denn besser kann Shania Twain auch nicht rocken. "Faithful lockt die Disco-Fox-Tänzer auf die Tanzfläche, denn der Rhythmus wird von den Drums gut markiert. Im Hintergrund stellen aber Piano, Fiddle und Pedal-Steel den musikalischen Background wieder klar; also wieder sehr gut gemachter Country-Pop, der keinen Zweifel an der Aussage amerikanischer Musik-Journalisten aufkommen lässt, Kelli Hake sei live eine wahre Bereicherung jedes Festivals, da sie freundlich, nett und musikalisch absolut hochwertig rüberkommt und mit ihrer Power die Besucher ansteckt.

"Back on the farm" möchte da natürlich in nichts zurückstehen und übt sich daher nicht gerade in Zurückhaltung. Ein sehr flotter Groove treibt die Hörer auf´s Land und lässt sie am Wochenendvergnügen der Tochter der Familie Hake teilnehmen (was immer in der Scheune auch abgegangen ist). Wenn sich ein Track das Prädikat "Gute-Laune-Song" verdient hat, kommt man an dieser Produktion nicht vorbei, denn sie geht direkt in die Beine und den Kopf (die Reihenfolge ist hierbei variabel). Und die Repeat-Taste des CD-Players wird auch auf ihre Kosten kommen. Bluesige Grooves hingegen füllen "Feeling good again" und gehen somit in eine neue Richtung der Kelli Hake, die - wie bereits erwähnt - über eine relativ sanfte Stimme verfügt, die im Blues leider ein wenig deplaziert wirkt. (Endlich ließ sich ein Haar in der Suppe finden, auch wenn es noch so klein ist.)

In "Still standing" träumt Kelli Hake, die bereits für drei Golden Music Awards in Nashville nominiert wurde, von der Liebe und dem Mann, der vielleicht auf sie wartet, genau wie sie auf ihn. Verpackt ist diese Geschichte in ein flottes und eindeutiges Pop-Gewand, bei dem nur der gelegentliche Fiddle-Einsatz eine Verbindung zum Country-Genre herstellt. In dieser Beziehung lassen sich schon Parallelen zu Shania Twain ziehen, bei der die musikalischen Grenzen auch nicht mehr nachvollziehbar sind. "This could be like that" bemüht sich da gleich um Klarstellung, denn ein Start mit Fiddle und Mandoline steckt schnell die Pfähle ein, obwohl der Pop-Anteil in diesem Song überrepräsentiert ist. Mexikanisches Feeling kommt bei "Forever mi amor" auf, einer langsamen Liebeserklärung im Engelbert-Schmacht-Stil mit akustischen Gitarren und allem, "was mexikanisch klingt". Die Stimme von Kelli Hake passt mal wieder hervorragend zu diesem Musikstil, denn ihr Sanftheit, manchmal fast gehaucht, hinterlässt bei den männlichen Hörern ein wohltuendes Kribbeln (wo auch immer).

Fazit:

"Warum?" ist die Frage, die sich dem Hörer dieses Albums stellt. Warum hat man in Europa bisher noch nichts von dieser talentierten Sängerin zu hören bekommen? Warum waren ihre Songs noch nicht in den Country-Charts? Warum kann niemand in Deutschland Countrymusik so gut verpacken? Die Antworten werden ausbleiben.

Kelli Hake, die Sprach-Kommunikationswissenschaftlerin aus Kansas, hat mit Stay a little longer ein Album eingesungen, dass zwar von Country-Puristen mit Missachtung bestraft wird, den Anhängern der flotten Pop-angenäherten Countrymusik aber eine schöne Zeit bescheren dürfte, denn die überaus sympathische Stimme kommt sowohl bei Uptempo-Songs als auch bei Balladen gut zur Geltung. Schön ist die Offenheit und Freundlichkeit von Kelli´s Stimme, denn kaum merkbar baut sich eine Art von Vertrautheit zur Sängerin auf. Die Songs werden zwar nicht als "Meilensteine der Kompositionskunst" in die Geschichte eingehen, es ist aber das Gesamtbild, was zählt, und hier hat man bei Comstock-Records in Arizona gute Arbeit geleistet, denn dieser Silberling enthält gut gemachten Country-Pop, bei dem nichts fehlt und an dem man (fast) nichts auszusetzen hat. Da bleibt nur die Hoffnung, dass Kelli Hake in nächster Zeit ins Rampenlicht rückt, denn vor Martina McBride, Faith Hill oder Shania Twain braucht sich die hübsche Dunkelhaarige, die von der Presse einmal "das bestgehütete Geheimnis von Kansas" genannt wurde, nicht verstecken. Da das Album zur Zeit in Deutschland kaum erhältlich ist, sollte man sich vertrauensvoll an die Sängerin (s.o.) oder www.cdbaby.com wenden.



Lothar Heising

Trackliste

1Stay a little longer 3:31
2We got it all 2:58
3A little at a time 3:37
4Best of you 2:52
5Faithful 3:20
6Back on the farm 2:51
7Feeling good again 3:27
8Something amazing 3:09
9Still standing 4:26
10This could be like that 4:07
11Forever mi amor 3:49

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger