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Reviews

Diverse

Sharp dressed men: A tribute to ZZ Top


Info

Musikrichtung: New Country / Country Rock

VÖ: 06.05.2002

(RCA)

Internet:

www.tribute2zz.com

Wenn jemandem ein Tribute-Album gewidmet wird, hat er es zu einem auszeichnungswürdigen Lebenswerk gebracht - oder ist tot. Die zweite Alternative dürfen wir bei ZZ Top gottlob ausschließen. Also muss es daran liegen, dass sie sehr viele Hits produziert haben, die andere Interpreten derart faszinieren, dass diese sich genötigt und geschmeichelt sehen, sie nachzusingen. Aber wer soll es wagen, die rockig-bluesigen Titel dieser Drei-Mann-Combo aus Texas nachzusingen, ohne großen musikalischen Schiffbruch zu erleiden? Etwa Rock-Heroes wie Bon Jovi oder Axl Rose? Nein, es sind Bands und Sänger, die im Rockbusiness normalerweise mit Ignoranz bestraft werden, denn ZZ Top werden - der in Schubladen denkende Musikkonsument mag in diesem Moment aufschreien - von den Stars der amerikanischen Country-Szene wie z.B. Alan Jackson, Willie Nelson, Dwight Yoakam und Brooks & Dunn gecovert. "Wie soll das denn zusammenpassen?" werden sich vielleicht einige fragen. Die Antwort lautet: Gut! Man nascht ja auch Erdbeeren mit schwarzem Pfeffer - und es schmeckt.

Im einzelnen:

Wenn man sich die größten Hits einer Band vornimmt, die über Jahrzehnte ihren eigenen - meistens recht harten - Sound geprägt hat, stellt sich die Frage, wie man an die einzelnen Songs herangeht. Will man sie kopieren und damit den ZZ Top-Sound 1:1 umsetzen? Will man sie mit eigenen Sounds anreichern? Oder will man sie komplett umkrempeln? Alles ist möglich, und alles wurde gemacht.

"Gimme all your lovin´" eröffnet den Reigen, und sofort ist klar, dass Lonestar, denen wohl niemand diese Art von Musik zugetraut hat, das Original in vollem Umfang umsetzen. Das heißt, dass der Sound der drei Texaner erhalten blieb. Interessant ist auch, dass die Songs dieses Albums von verschiedenen Produzenten in verschiedenen Studios aufgenommen wurden, der Sound von ZZ Top aber - soweit gewünscht - originalgetreu kopiert wurde, bis hin zu den Gesangseffekten. Brad Paisley hält sich bei "Sharp dressed man" zwar weitgehend an die Urversion, drückt dem Sound aber von Beginn an mit seiner unverwechselbaren Gitarrenarbeit seinen Stempel auf und verschlankt den Sound, um nach ca. zweieinhalb Minuten mit Vollgas in Richtung Country zu stürmen, denn dann toben Fiddle und Gitarre mit den Drums um die Wette.

Wenn man ein Blues-Medley mit "Jesus just left chicago" und "Waitin´ for the bus" von einem Countrysänger covern lassen will, führt wohl kein Weg am Sohn des legendären Hank Williams vorbei, denn dass Hank jr. der Blues im Blute liegt, hört man von der ersten Silbe an. Sehr authentisch und ehrlich produziert. Tracy Byrd hält sich bei "La Grange" an der Vorlage fest und ergänzt das Ganze mit einer Fiddle, die sich so anhört, als wäre sie schon immer Teil des Songs gewesen, und der Gitarre einiges an Arbeit abnimmt.

Wenn Dwight Yoakam zu "I´m bad, I´m nationwide" ansetzt, denkt man sich: "OK, das ist Country, aber wo sind ZZ Top?" Ein simples Schlagzeug (im ZZ Top-unüblichen Natursound) und eine Pedal-Steel, gepaart mit der unverkennbaren Stimme, zeigen: Hier ist Country-Gebiet! Da die Countryfans wissen, wie heftig Dwight Yoakam abrocken kann, braucht er es ihnen hiermit nicht beweisen, sondern stülpt ein locker und leicht sitzendes Countrygewand über den Titel. Wenn die Rocker unter den Hörern denken, weiter könne es wohl nicht Richtung Country gehen, kommt mit dem nächsten Titel der große Kulturschock, denn Willie Nelson berichtet "She loves my automobile" in einer jazzigen Western-Swing-Variante, die direkt aus den 50ern stammen könnte. Die Fiddle mutiert zu einer Zigeunergeige und ein Piano klimpert sich dezent durch den Song, für den eine halbakustische Gitarre den Background liefert. Alles Dinge, die Billy Gibbons und seine Jungs nie in ihren Songs hören wollten. Aber was soll´s!

Andy Griggs stellt aber die musikalische Ordnung wieder her, indem er zur bluesigen Gitarre schmachtet "I need you tonight". Die Gitarre und die Stimme lassen den guten Gary Moore vor dem geistigen Auge auftauchen, so stark ist die Ähnlichkeit bei diesem Song. Apropos Ähnlichkeit: Trace Adkins liefert eine hervorragende Kopie von "Legs", wobei seine Stimme noch besser zum Song passt als das Original. Sehr groovig und mitziehend! Kenny Chesney hat für seine Version von "Tush", das eigentlich nur vom Gitarrensound getrieben wird, auf großes Ensemble gesetzt und motzt den Titel (nach dem Intro mit Hubschraubergeräuschen, wozu?) mit Bläsern und Keyboards auf und gibt ihm so in weiten Teilen ein geglättetes Image. Das gilt auch für Phil Vassar, der sich "I thank you" vornehmen durfte und mit Bläsern und Piano in den Song einsteigt.

So richtig zur Sache geht es beim "Fearless Boogie", den Hank Williams III in einem recht "schmutzigen" Sound aufbereitet hat mit verzerrter Stimme und ebenso verzerrter Bluesharp, vorwärtsgepeitscht von treibenden Drums, bevor Alan Jackson zu "Sure got cold after the rain fell" ansetzt und man sich fragt: Was stellt Mr. Jackson mit einem ZZ Top-Song an? Er lässt es richtig bluesig angehen, und zwar richtig satt, langsam und behäbig. Dies gilt jedenfalls bis der Titel dreieinhalb Minuten alt ist, denn dann schlägt die Country-Keule unbarmherzig zu mit Fiddle, Banjo, Mandoline und Steel-Guitar und löst den Blues durch flotten Twostep ab. So weiss zum Ende der CD auch wieder jeder, aus welchem Genre die Interpreten dieses Albums rekrutiert wurden.

Fazit:

Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard sind von der modernen Countrymusik weniger entfernt als es die meisten Musikkonsumenten meinen, und viele Countryfans und - interpreten sind von den Songs und den Sounds der drei Texaner schon seit langem begeistert. So ist dies Album eher die Erfüllung musikalischer Wünsche als an den Haaren herbeigezogen, wie es den Rockpuristen vielleicht anmuten mag. Und wenn man hört, wie nahezu liebevoll die Countrystars das angebotene Songmaterial bearbeiten, kann man sicher sein, dass die Jungs mit den Hüten bei der Produktion der insgesamt 15 Songs so richtig Spaß hatten. Ganz gleich, ob man einen Song kopiert, leicht abgeändert oder sogar komplett umgekrempelt hat, das Ergebnis kann sich getrost hören lassen, jedenfalls für diejenigen, die nicht in starren Genre-Schranken denken. Ein Album zwar, das nicht jeder Rockfan im Archiv haben muss, aber doch gerade im Countrybereich viele Fans finden dürfte. Eine interessante Abwechslung ist es allemal.



Lothar Heising

Trackliste

1Gimme all your lovin´ - Lonestar
2Sharp dressed man - Brad Paisley
3Jesus left Chicago/Waitin´ for a bus - Hank Williams Jr.
4La Grange - Tracy Byrd
5Rough boy - Brooks & Dunn
6I´m bad, I´m nationwide - Dwight Yoakam
7She loves my automobile - Willie Nelson
8I need you tonight - Andy Griggs
9Cheap sunglasses - The Warren Brothers
10Legs - Trace Adkins
11Tush - Kenny Chesney
12Just got paid - Montgomery Gentry
13I thank you - Phil Vassar
14Fearless Boogie - Hank Williams III
15Sure got cold after the rain fell - Alan Jackson

Besetzung

Executive Producers: Joe Galante, Bill Ham

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger