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Reviews

Schubert, F. (Bilson)

Klaviersonaten Teil 7


Info

Musikrichtung: Hammerklavier

VÖ: 01.11.2003

(Hungaroton / Klassik Center Kassel) Best. Nr. HCD 31592

Gesamtspielzeit: 67:39

Internet:

Hungaroton

SCHUBERTIADE, 7. TEIL

Malcom Bilson setzt seine Schuberteinspielungen auf historischen Instrumenten beim ungarischen Label Hungaroton mit der Trias einer frühen, mittleren und späten Sonate fort. Bei der berühmten späten C-Moll-Sonate D. 958 bietet sich ein Vergleich mit der 7 Jahre alten Einspielung von Andreas Staier an (Teldec / Warner Classics). Staiers Instrument, ein Original von Johann Fritz (Wien, 1825) klingt samtiger und 'stabiler' als der eher drahtig timbrierte Flügel von Bilson aus der Werkstatt von Joseph Simon (Wien, 1830).
Die unterschiedlichen Klang-Charaktere machen einen nicht unwesentlichen Reiz solcher Einspielungen aus. Moderne Konzerflügel von Steinway, Boesendorfer oder Yamaha sind fast nur noch für Kenner unterscheidbar. Anders die historischen Modelle; selbst Instrumente aus ein und derselben Werkstatt klingen beabsichtigt niemals gleich. Noch wurde viel experimentiert: mit der Hammermechanik und Spezialeffekten, z. B. verschiedenen Dämpfern wie dem 'Moderator' (ein Filz-Tuch, das den Klang diffus verfremdete), sebst ein Schlagzeug wurde in manche Instrumente eingebaut. Auch spieltechnisch ist der Interpret auf ganz andere Weise herausgefordert, Möglichkeiten und Einschränkungen (z. B. den geringeren dynamischen Ambitus) in den Dienst seiner Darbietung zu stellen.

Verglichen mit Staiers ebenso dramatischer wie atmosphärischer und daher im besten Sinne romantischen Einspielung gerät Bilsons Version der D. 958 weniger zwingend. Zwar werden viele Details prägnant und oft mit verblüffendem Effekt herausgearbeitet, auch klingt vieles sehr gegenwärtig, 'spontan' und wie im Moment 'erfunden', der große Bogen will sich dabei aber - zumal bei den Ecksätzen - nicht so recht einstellen. Bilsons Schubert ist voller Spannungen und Widersprüche, die in der Musik via Interpret kraftvoll, ja eruptiv nach außen drängen. Bei Staier wird die Musik dagegen selbst zur 'Landschaft einer Seele', die vom Pianisten vor Ohren geführt wird; das Drama geschieht sozusagen schon in den Noten: suggestiv und beunruhigend. Dem entspricht Staiers pointierter Gebrauch von Effekten wie dem Moderator, vor allem im 1. Satz.
Schlüssiger durchgeformt erscheinen dagegen Bilsons Einspielungen der A-Dur und A-Moll-Sonate D. 557 und 784. Deren Architekturen sind auch für den Hörer überschaubarer. Einen wesentlichen Anteil an der größeren Stimmigkeit hat auch das für diese Stücke gewählte, sehr viel resonanzreicher und runder klingende Instrument, der Nachbau eines Nannette-Streicher-Flügels von 1814. Vor allem der Schlußsatz der A-Moll-Sonate, dessen bachartig fugierter Beginn schießlich in einer von Bilson wild und trotzig ausgespielten Attacke aufgipfelt, beeindruckt hier.



Georg Henkel

Trackliste

01-03 Sonate C-Moll D. 958 (33:37)
05-07 Sonate A-Dur D. 557 (12:27)
08-10 Sonate A-Moll D. 784 (22:27)

Besetzung

Malcom Bilson (Hammerklaviere)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger