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Reviews

Tourniquet

Where Moth and Rust destroy


Info

Musikrichtung: Thrash Metal

VÖ: 24.03.2003

(Metal Blade)

Gesamtspielzeit: 59:19

1992 haben die Amis sich in den Annalen des Metals einen nahezu legendären Status verschafft, als sie mit Pathogenic ocular Dissonance einen extrem eigenständigen Mix auf die Welt losließen. Bei mir lief das Teil immer unter „düsterer Free-Jazz-High-Speed-Thrash-Metal“. Und so klang es auch. Ziemlich schwer verdaubar, aber mit Kabinettstückchen gesegnet, die nur dadurch erklärbar waren, dass die Band aus einer anderen Welt kam. Kam sie irgendwie auch. Immerhin sind die Tourniquetten bekennende Christenmenschen. „Stören“ sollte das aber niemanden. Die Texte waren ähnlich „nachvollziehbar“ wie die Musik - und wenn überhaupt - nur unter Beihilfe medizinischer(?) Fachlexika zu entschlüsseln.

Seitdem sind zehn Jahre vergangen. Metal Blade geben den Wahnsinnigen weiterhin Gelegenheit ihre Attacken auf Trommelfelle und Nackenwirbel zu reiten. Und die haben es Slagel & Co. gedankt. Weiterhin wird vorbehaltlos gezeigt, was die Mannen auf ihren Instrumenten können, aber die Filetstücken werden erheblich nachvollziehbarer angerichtet. Hört euch nur mal das treibende Gitarrensolo von “Drawn and quartered“ an.

Der erste Siebenminüter beginnt allerdings so schleppend, das er an Doom oder vielleicht noch die Stoner-Gefilde denken lässt - obwohl die Atmosphäre für letzteres dann doch zu düster ist. Aber alsbald lassen aggressive Vocals und nach vorne peitschende Gitarrenriffs jegliche Einordnung dieser Art sowieso im Mülleimer landen. Mittlerweile ist es Tourniquet fast gelungen, ein eigenes Genre zwischen Thrash und Progmetal zu definieren. Die progressive Ausrichtung lässt sich schon äußerlich an den oft opulenten Tracklängen abzulesen.

Aber - und das steigert das Potenzial der Chaostruppe natürlich erheblich - mittlerweile liefern die Experten sogar eingängige Refrains, die schon beim ersten oder zweiten Durchhören im Ohr belieben (Der Titelsong oder “Healing Waters of the Tigirs“). Die berühmte Legende von Moses und dem goldenen Kalb wird in diesem Gewand zur hochdramatischen Erzählung, die bei der neuen Zugänglichkeit Tourniquets selbst ohne Textbeilage nachvollziehbar ist.

Zum Erzählen verfällt man gelegentlich auch wieder in den schleppenden Tonfall der Eingangstakte, was Tracks wie “Melting the golden Calf“ oder “Healing Waters of the Tigiris“ zwar auf weiten Strecken aus dem Speed/ Thrash-Bereich herausholt, den Stücken aber eine brachiale Durchschlagskraft gibt. Mit der fast zehnminütigen Gesichte aus dem Zweistromland liefern Tourniquet das Meisterstück dieser CD ab, eine progressive Metal-Granate, die sich jeder Unter-Genre-Schublade entzieht und eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle darstellt, bei der radikale Tempiwechseln geradezu Selbstverständlichkeiten darstellen.

Und wenn man denkt danach kann nichts mehr kommen, legen Tourniquet noch einen nach und beweisen mit dem Schlussstein der CD, dass auch Christenmenschen frühe Sabbath lieben können. Vor dem Tod brauchen sie ja auch nicht so grosse Angst zu haben. Sie wissen ja “In Death we rise“ - Wir werden von den Toten auferstehen - aber gaaaaaaanz langsam.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Where Moth and Rust destroy7:15
2Restoring the locust Years3:30
3Drawn and quartered8:12
4A Ghost at the Wheel4:18
5Architeuthis6:50
6Melting the golden Calf6:54
7Convoluted Absolutes5:37
8Healing Waters of the Tigiris9:31
9In Death we rise7:02
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger