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Reviews

Volodos, Arcadi (Tschaikowsky / Rachmaninoff)

Tschaikowsky / Rachmaninoff


Info

Musikrichtung: Klavier

VÖ: 17.11.2003

(Sony Classical / Sony) CD (AD 2003) / Best. Nr. SK 87734

Gesamtspielzeit: 54:18

Internet:

Arcadi Volodos

VIRTUOSER DRAHTSEILAKT - VOLODOS WAGT UND GEWINNT

DER SOLIST UM EINE NASENLÄNGE VORN

Das Spiel des 31 Jahre jungen Russen Arcadi Volodos polarisiert seit jeher Kritiker und Publikum: Virtuosentum par excellence schätzen die einen an ihm, oberflächliche Effekthascherei monieren die anderen.
Wenn so jemand Tschaikowskys erstes Klavierkonzert, eines der berühmtesten Werke romantischer Konzertliteratur überhaupt, einspielt, sind die Erwartungen naturgemäß groß. Und Volodos - jüngst als "Instrumentalist des Jahres " mit dem Echo-Klassikpreis 2003 ausgezeichnet - enttäuscht sie nicht. Ja, er ist extrem auf Virtuosität bedacht; aber: Nein, er macht daraus keine sinnentleerte Fingerübung. Dieser Live-Mitschnitt dokumentiert vielmehr eine Interpretation, die wohl durchdacht und ausgewogen ist. Die dem Stück mit einer gewissen aggressiven Respektlosigkeit zu Leibe rückt und es so vom breit-romantischen Pathos befreit, der ihm die Luft zum Atmen raubt.
Der russische Solist nimmt die Tempi vergleichsweise zügig, teilweise atemberaubend schnell, jedoch nie hektisch. Geschickt stuft er die Stimmungen ab, präsentiert im einen Moment brillante Läufe, im anderen schon wieder schmerzlich-elegische Melodielinien, packt hier zu und setzt sogleich wieder behutsames Spiel dagegen. Das Andantino gestaltet er überraschend schlicht und innig.

...DAS ORCHESTER HINTERDREIN

Soviel neue Sicht auf ein altbekanntes Stück scheint die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Seji Ozawa dann doch überfordert zu haben: Den ersten Satz spielen sie so konservativ und mit solch unzerstörbarer Liebe zum Legato, dass sie neben dem engagierten und experimentierfreudigen Volodos wirken, wie der Mops neben dem Windhund. Tatsächlich ist der Pianist ihnen auch an mancher Stelle ein wenig voraus. Hinzu kommt, dass der Orchesterklang eher undifferenziert eingefangen wurde und so ohnedies ein bloßer Klanghintergrund entfaltet wird, vor dem der Solist agieren kann.
Erst im dritten Satz des Konzertes, dem Allegro con fuoco, sind auch die Berliner Philharmoniker in der neuen Zeitrechnung angekommen und zeigen, dass sie - einmal erwacht - mit ihr gar nicht schlecht zurechtkommen. Das rhythmische Feuer jenes Schlußsatzes entfachen Solist und Orchester gemeinsam: wild, mitreißend und aufrüttelnd zugleich.

DIE ZUGABE: PIANO SOLO

Als wollte er es seinen Kritikern zeigen, ergänzt Volodos das Klavierkonzert, das er in sensationellen 33 Minuten absolviert, mit sieben kleinen Orchesterstücken Sergej Rachmaninoffs. Es sind raffinierte Werke mit einer Mischung aus ornamentaler Struktur und musikalischer Bildsprache, die einen hoch technischen, aber nicht unsensiblen Zugriff verlangen. Volodos beherrscht diese Art des Spiels und gestaltet die Werke darüber hinaus mit einem differenzierten Anschlag. Ein ideales Gegengewicht zum Klavierkonzert.



Sven Kerkhoff

Trackliste

Tschaikowsky:
Klavierkonzert Nr. 1b-moll
Rachmaninoff:
Prelude op. 23 Nr. 10
Moment Musical op. 16 Nr. 2
Daisies op. 38. Nr. 3
Prelude op. 32 Nr. 5
Oriental Sketch
Melodie op. 3 Nr. 3
Italienische Polka

Besetzung

Arcadi Volodos, Klavier
Berliner Philharmoniker
Ltg. Seji Ozawa
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger