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Reviews

Cuyas, V. (Pons)

La Fattuchiera u.a.


Info

Musikrichtung: Oper des 19. Jhdt.

VÖ: 10.2003

Columna Musica / Audiophile Sound (2 CD DDD / AD 2001, live / Best. Nr. 1CM0101 )

Internet:

Opera Rara

CUYAS - EIN FRÜHVOLLENDETER

Der Deutsche kennt Mallorca wie seine Westentasche, aber wer hätte gewußt, dass der spanische Komponist Vicenc Cuyas (1816-1839) 1816 dort geboren wurde? Wer hätte überhaupt den Namen dieses Komponisten gekannt? Wohl nur ganz wenige.

Dass sich der Kreis der Cuyas-"Kenner" und Bewunderer nunmehr schlagartig erweitern dürfte, ist das Verdienst der vorliegenden Aufnahme, mit der erstmals der erste und letzte Erfolg eingespielt wurde, den Vicenc Cuyas erleben durfte: Nach der letzten von sensationellen 24 Vorstellungen dieser Oper starb er im Alter von nur 23 Jahren an Tuberkulose.

Um so erstaunlicher nimmt sich aus, wie traumwandlerisch sicher der junge Komponist mit den Konventionen und Moden der Zeit umzugehen, wie treffsicher er den Geschmack des Publikums zu bedienen wußte. Dabei kam ihm die Handlung sehr zugute, die auf eine Vorlage d´ Arlingcourts zurückgeht. Die Details sind weniger von Interesse, denn wie so oft in der romantischen Oper geht es allein darum, den Rahmen für Gefühlsaufwallungen und Dramatik höchsten Grades zu schaffen. Dass die Story dabei absonderlich bis abstrus ist, stört auch heute kaum, finden sich darin doch so theatralisch effektvolle Elemente wie Fluch, Zauberei, Liebe, Tod, Eifersucht, Geistererscheinungen, himmlischer Beistand und Selbstmord vor der Kulisse einer Klosterruine.

ITALIENISCH-SPANSICHE VERBRÜDERUNG

Musikalisch überließ Cuyas ebenfalls nichts dem Zufall: Er wandelte auf den Spuren der italienischen Vorbilder Donizetti und Bellini, bediente sich hemmungslos in ihrer Trickkiste der Instrumentierung und des tonmalerischen Effekts, orientierte sich an ihrer Chor-, Orchester- und Stimmbehandlung. So zeigt das Werk dann auch keinen individuellen Stil, sondern vielmehr den Stil einer Epoche, der später etwa von Verdi meisterhaft fortentwickelt wurde.

Allenfalls, dass Cuyas gelegentlich spanisches Feuer entfacht, dass seine Musik beständig vorwärts zu streben scheint, auf den Höhe- und Schlußpunkt zu, und dafür die lyrischen Passagen eher in den Hintergurnd treten, mag man als Charakteristikum für seinen "Personalstil" nehmen.

FEURIGES ORCHESTERSPIEL, STARKE FRAUEN, SCHWACHE MÄNNER

Diesen dramatischen Impetus greift Josep Pons in seinem Dirigat auf. Unter ihm agieren Orchester und Chor des Teatre del Liceu zwar nicht immer ganz lupenrein, dafür aber schwungvoll und engagiert. Das etwas stumpfe Klangbild dieses Livemitschnitts gereicht dabei den Bläsern zum Nachteil, die nicht recht durchzudringen vermögen.

Die Oper jener Zeit ist in erster Linie immer ein Belcanto-Feuerwerk, eine Artistenshow für die Sänger. Den stimmlichen Drahtseilakt meistert vor allem Ofèlia Sala als Ismalia mit Bravour. Ihr dramatischer Sopran hat Kraft und Glanz zugleich, mit gut durchdachten Schattierungen verleiht sie der Partie Abwechslung und Lebendigkeit. Ähnlich überzeugend ist die Leistung der Mezzosporanistin Claudia Marchi, so dass die 7. Szene des ersten Aktes, in der die beiden Damen gemeinsam auftreten, zu einem Glanzpunkt der Aufnahme wird.

Nicht so glanzvoll agieren hingegen die Herren der Schöpfung. Einmal mehr ist es vor allem der Tenor, der aus der Rolle fällt: José Sempere klingt von Beginn an angestrengt und völlig überengagiert. Er pflegt die Unsitte des "Hineinschluchzens" in jeden Ton, unabhängig davon, ob es einen Grund zum Schluchzen gibt. Die Spitzentöne werden mehr durch Druck erzeugt, denn durch Stimmgewalt, wirken deshalb rauh und abgegriffen. Nicht viel besser macht Javier Franco seine Sache als Troubadour in Bariton-Lage. Auch er verwechselt Dramatik mit Pathos, wenngleich er über eine klangschönere Stimme verfügt. Überzogen erscheint manchenteils schließlich die Darstellung des Ulrico durch den Bass Simon Orfila. Er steigert sich aber im Laufe der Oper hörbar und ist vor allem ernsthaft und mit Erfolg bemüht, seine Rolle auszudeuten. Zudem ist seine Tongebung überwiegend warm und angenehm.

Trotz dieser Einschränkungen ein ganz besonderes Mallorca-Souvenir, an dem die Freunde der Oper des 19. Jahrhunderts durchaus ihre (Entdecker-)Freude haben werden.



Sven Kerkhoff

Besetzung

Simon Orfila - Ulrico (Bass)
Ofelia Sala - Ismalia (Sopran)
José Sempere - Oscar (Tenor)
Claudia Marchi - Azila (Mezzosopran)
Javier Franco - Blondello (Bariton)
Montserrat Benet - Bruixa (Sopran)
Chor und Orchester des Teatre del Liceu
Ltg. Josep Pons

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger