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Reviews

BAP

rockt andere kölsche Leeder


Info

Musikrichtung: Rock / Songwriter

VÖ: 24.03.2006 (1979)

(Rock / Songwriter)

Gesamtspielzeit: 117:05

Internet:

http://www.bap.de

Zum 30. Geburtstag von BAP spendiert die EMI eine schicke Remaster-Edition sämtlicher 14 Studio-LPs der Band. Zusätzlich zu den remasterten Alben enthält jede(!) CD eine Bonus-CD mit Alternativ-Mixen, Raritäten, Live-Aufnahmen und einem ellenlangen Interview, in dem Frank Laufenberg Wolfgang Niedecken zu den Geschehnissen rund um das jeweilige Album befragt. 14 Mal knapp 20 Minuten - eine fette Ergänzung zu den „warmen Worten“, die traditionell im Beiblatt jeder BAP-LP abgedruckt wurden.
Die erscheinen übrigens auch in dieser Remaster-Edition. Anders als die Texte, auf die zugunsten eines ausführlichen Bildteiles verzichtet wurde. Dafür verweist das Booklet auf ein Textbuch, das ebenfalls zum 30. Bandjubiläum erschienen ist und erstmals sämtliche BAP-Texte in Kölsch und Hochdeutsch enthält.

Die ersten vier der Remaster-Alben, die im Laufe des Jahres in vier Margen veröffentlicht werden sollen, sind bereits erschienen. Daher beginnen wir in dieser Ausgabe das Geschehen Scheibe für Scheibe zu verfolgen.

Wolfgang Niedecken’s BAP steht über den ersten beiden BAP-LPs. Bei …affjetaut… darf man dafür wirklich nur noch Marketing strategische Gründe anführen. Der Solist Niedecken war noch(!) bekannter als die Band. Der Erstling BAP rockt andere kölsche Leeder ist dagegen noch wesentlich vom Soloprogramm Niedeckens geprägt.

Straßenmusik, Kölner Dylan, Klampfenmucke - sind Schlagworte, die einem zu einem Teil der Songs einfallen. Der Rock’n’Roll gibt seine Visitenkarte mit den beiden Coverversionen (“Hang on Sloopy“, „Wild Thing“) am Ende der Scheibe ab. Die Produktion belegt den Begriff „Garagenband“, den Niedecken im Interview mehr als einmal gebraucht, bestens. Der zukünftige Deutschrock BAPs lugt unter der Decke von “Neppes, Ihrefeld und Kreuzberg“ hervor.

Zukunftbestimmend sind die Texte. Kirchenkritik, Anti-Militarismus, Medienkritik, Lob der Multikulti-Gesellschaft und die Entlarvung des gemeinen Spießbürgers illustrieren ein Jahrzehnt, das Vietnam hinter sich hat, in dem die ersten großen Anti-AKW-Kämpfe toben und in dem die GRÜNEN und die Friedensbewegung in ihren Geburtswehen liegen.
Noch sind die Texte plakativ, Klischee belastet und oft etwas vordergründig. Das soll sich ändern. “Neppes, Ihrefeld und Kreuzberg“ - sicherlich etwas naiv, wie Niedecken im Interview selber zugibt - oder die Szene-Glosse “Wahnsinn“ zeigen bereits den scharfen und zugleich liebevollen Blick auf die eigene Umwelt, der die BAP-Texte in den kommenden Jahren zu lebendigen und vielschichtigen Dokumentationen der links-alternativen Szene der Bundesrepublik machen wird.

Die Bonus-CD zum ersten Album bringt im Gegensatz zu den folgenden Scheiben sogar echtes neues Material. Drei neue Songs sind es für den Sammler, der „nur“ alle BAP-Alben besitzt:
- der “Chauvi-Rock“, den besser ausgestatte Sammler bereits als b-Seite der Single “Wahnsinn“ kennen,
- das “Neuleed“, das in einer Version mit Paul Kuhn auf Niedeckens erster Solo-LP erscheinen wird und
- die “Aachterbahn“, die bislang wohl kaum jemand kennt, der nicht irgendwo her Tapes aus dem BAP-Proberaum bekommen hat.
Spannend auch das “Medley: Hurricane/ Stell dir vüür“, das Dylan und BAP herrlich miteinander verzahnt.

Dazu kommen einige Akustik- und Live-Versionen bekannter BAP-Songs, das Interview, das sich unter anderem mit der Entwicklung vom Solisten Niedecken zur Band BAP, der Herkunft des Bandnamens, der Entstehung des Covers und der Verwandlung einer Gruppe Musik spielender Freunde hin zur semiprofessionellen Band beschäftigt.
Neue „warme Worte“ sind diesmal von Niedecken gesprochen und als Einleitung zu mehreren Songs auf CD gepresst - eine Spezialität dieser ersten Bonus-CD.

Keine Frage: Im Falle dieser ersten CD lohnt sich der Kauf auf jeden Fall auch für Fans, die BAP rockt andere kölsche Leeder bereits besitzen.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1 Das grosse Schu-Bi-Du (6:41)
2 Stell dir vüür (4:31)
3 Sinnflut (5:33)
4 Liebesleed (7:13)
5 Et neuste Testament (6:55)
6 Neppes, Ihrefeld und Kreuzberg (4:01)
7 Alptraum eines Opportunisten (4:56)
8 Hang on Sloopy (4:12)
9 Wahnsinn (4:15)


4282 CD 2
1 Helfe kann dir keiner (Soundcheck, Essen 20009 (2:20)
2 Gespräch Niedecken & Frank Laufenberg, Teil I (18:07)
3 Chauvi Rock (Single, 1980) (5:54)
4 Wahnsinn (Crossover-Version 1995) (4:16)
5 Einleitung (2:07)
6 Neuleed (Proberaum 1980) (5:12)
7 Einleitung (1:38)
8 Aachterbahn (Proberaum 1977) (2:40)
9 Einleitung (2:19)
10 Neppes, Ihrefeld und Kreuzberg (Akustik-Version 1978) (3:45)
11 Einleitung (1:03)
12 Jraaduss (Akustik-Version 1978) (3:24)
13 Einleitung (1:49)
14 Medley: Hurricane/ Stell dir vüür (Live, Köln, 2006) (8:35)
15 Et letzte Lied (Live, Tonfilm-Tour, 1999) (5:07)

Besetzung

Manfred Boecker (Perc)
Wolfgang Boecker (Dr)
Wolfgang Klever (B)
Wolfgang Niedecken (Voc, Git)
Hans Heres (Git, Voc)
Bernd Odenthal (Keys)

Gast:
Büdi Siebert (Sax, Querflöte)
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