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Reviews

Carla Marciano

Daydreaming My Beloved Father GIOVANNI


Info

Musikrichtung: Jazz-Fusion

VÖ: 25.09.2026

(Challenge)

Gesamtspielzeit: 60:59

Internet:

https://www.carlamarciano.com/
https://www.challengerecords.com/home
https://www.newartsint.com/

Die Jazzmusikerin Carla Marciano stammt aus Salerno. Nach einem Studium von Piano und Klarinette hat sie sich später dem Saxofon zugewandt und gilt heute als eines der Talente mit dem Spiel des Altsaxofons, gleichzeitig setzt sie auf dem Klang des Sopranino-Saxofons, ein Instrument, das nicht oft eingesetzt wird. So soll es wohl recht schwierig zu spielen sein, und einige besondere Beispiele gibt es aus dem Bereich des Free Jazz, der wohl bekannteste Kollege dürfte Anthony Braxton sein. Aber auch James Carter setzt das Instrument hin und wieder ein.

Mit dem Auftaktsong “Daydreaming“ werden wir dann auch gleich in diesen speziellen hohen und scharfen Klang eingeführt. So ergibt das in Verbindung mit den Keyboards, und ganz besonders mit den Streichern eines philharmonischen Orchesters eine ganz interessante Klanggestaltung, und dieses Album ist eine ganz persönliche Widmung an den Vater Giovanni. Sie erklärt das dann auch auf sehr einfühlsame Weise im Booklet, „You are my greatest pride, the best father I could have had.“

Vater war wohl Arzt und Musiker, der Gitarre spielte und sang, er war die Inspiration für die Tochter, und diese Dankbarkeit ihm gegenüber kann man spüren aus der Musik der acht Songs. Ganz besonders kommt das natürlich zum Ausdruck mit dem zweiten Titel, Giovanni (Your Sweet Smile)“, herrlich, wie die Protagonistin in dieser Ballade in schwelgenden Tönen mittels des Altsaxofons, umrahmt von den Streichern, ihrem Vater gedenkt!
Doch ein sehr persönliches Werk ist es grundsätzlich, weil sie mittlerweile den Verlust beider Elternteile zu beklagen hat und selbst mit den Folgen eines schweren Verkehrsunfalles zu kämpfen hatte.

Durch den Einsatz des Streicherensembles auf den ersten fünf Songs entsteht ohnehin eine sehr heimelige und einfühlsame Stimmung, die gewisse kammermusikalische Aspekte beeinhaltet und mitunter leicht cineastisch ausgebreitet klingt, nicht aber, ohne den Jazz aus den Augen zu verlieren, denn zum Beispiel “Flying“ hebt doch recht gut ab in den Jazzhimmel mit rhythmischer Nuancierung und mit dem Sopranino läßt die Musikerin richtig gut die Leinen los.

Doch wie verhält es sich um die Tracks sechs bis acht, ohne Streichereinsatz? Nun, grundsätzlich wird dem Jazz mehr Raum geboten, gleich voran mit “We Stay At Home“, das mit einem gut eineinhalbminütigen Soloeinsatz auf dem Altsaxofon recht frei eingeleitet wird, bis dann die Keyboards breitflächig einen Teppich ausbreiten, auf dem Carla dahinschwebt, mit weiter leicht freiem, aber auch sehr nachdenklich und romantisch geprägtem Spiel. Die eingängliche Saxofon-Melodie ist übrigens einem französischem Standard von Charles Trenet und Léo Chauliac entliehen, „Que reste-t-il de nos amours?“ (Was bleibt von unserer Liebe?).

Das längste Stück mit fast zwölf Minuten Länge ist „Hypnagogic State (Sleep/Wake/Sleep)“, ich muss hier ganz stark an die Balladen eines John Coltrane denken, an dessen modale Spielweise, für mich ein echter Höhepunkt dieser Platte, mit einem traumhaften Zusammenspiel aller vier Beteiligten. Zwischendurch wird das Tempo zu einem flotten Swing angezogen, ein cooles Keyboard-Solo inklusive. Und die Protagonistin zeigt auch hier erneut, wie sehr sie sich lösen kann in freiere und experimentelle Spielweisen, stets sehr einfallsreich und energiegeladen!

Eine Überraschung erwartet uns noch zum Schluss, der Eröffnungstitel wird noch einmal aufgegriffen, als „Church Version“, mit einer nahegehenden Ausstrahlung.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Daydreaming (7:38)
2 Giovanni (Your Sweet Smile) (3:36)
3 Flying (10:09)
4 Johnny Is walking (6:23)
5 Flowers From The Sky (7:18)
6 We Stay At Home (5:52)
7 Hypnagogic State (Sleep/Wake/Sleep) (11:49)
8 Daydreaming (Church Version) (8:09)

Besetzung

Carla Marciano (alto and sopranino saxophones)
Alessandro La Corte (piano & keyboards)
Aldo Vigorito (double bass - #1, 3, 4, 6–8)
Gaetano Fasano (drums)
Dario Deidda (acoustic bass - #5)
Philharmonic Orchestra Of The “Giuseppe Verdi” Theater, Salerno - #1-5)
Conductor: Antonio Sinagra - #1-5)
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