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Reviews

Anette von Eichel

Halo


Info

Musikrichtung: Vocal Jazz

VÖ: 25.09.2026

(Double Moon Records)

Gesamtspielzeit: 44:19

Internet:

https://anettevoneichel.de/
https://www.challengerecords.com/home
https://www.newartsint.com/

Zur „Vereinfachung“ habe ich als Einstieg meine erste Vorstellung der Künstlerin mit ihrem Album
Inner Tide gewählt. Vor drei Jahren erschien das Nachfolgealbum Belonging.

Wir hören die in Hessen geborene Anette von Eichel mit der neuen Veröffentlichung, Halo. Sie studierte sowohl Jazz-Gesang als auch klassischen Gesang und arbeitete mit mehreren Ensembles verschiedener Stilrichtungen, um nur einige zu nennen: Naima, Bundesjazzorchester, Ensemble H, Cologne Contemporary Jazz Orchestra.

Halo = Heiligenschein, oder auch Nimbus oder Lichthof. Wer nun damit etwas in Verbindung bringen möchte mit den zwölf Songs des neuen Albums, der möge seinen Gedanken und Assoziationen freien Lauf lassen. Andernfalls kann man sich des Pressetextes bedienen, denn hier wird es wie folgt erklärt: „All diese Songs besitzen eine nächtliche Qualität, in der Licht aus der Dunkelheit hervortritt. In ihrer Abfolge erleben wir eine traumartige Reise, auf der aus der Nacht die Morgendämmerung neu ersteht.“

Nun, mit der Ballade “In The Still Of The Night“ mag diese imaginäre Reise eröffnet werden, der Protagonistin Stimme wird sanft von Piano/Bass/Schlagzeug begleitet. Hinsichtlich dieser Thematik erinnere ich mich, dass man sich im Laufe der Jahrzehnte im Jazz bereits damit beschäftigte, spontanes Beispiel Gerry Mulligan mit seinem Album „Night Lights“. Doch hier steht halt das Saxofon im Zentrum des Ausdrucks dieser besonderen Stimmung. Will ich auf eine Vokal-Platte zurückkommen, dann fällt mir natürlich sofort ein Klassiker des Genres ein, ich meine Frank Sinatra und sein „In The Wee Small Hours“, dass sich zudem als Konzeptalbum etabliert hat, mit seiner Erzählung rund um Liebe, Einsamkeit, Melancholie und die Nacht mit den frühen düsteren Stunden des Morgens, ja, ein wunderbares Album!

Und wie kann sich nun hier Halo einfügen? In Bezug auf die Songtitel kann ich grundsätzlich einen ähnlichen Zusammenhang nicht erkennen, bis halt auf den eben genannten Auftaktsong. Der Titelsong spielt geschickt mit mehreren Stimmungen, mitunter erinnert er mich stilistisch ein wenig an den Ausdruck einer Moritat, und spätestens mit “Underwater Conversation“ ist es vorbei damit, hier eine ähnlich melancholische Stimmung wie auf den oben genannten Klassikern des Genres in Vergleich zu stellen. Denn hier wird eher gespielt mit Stimmungen, mit Tempi und mit diversen Assoziationen zu Kolleginnen der Protagonistin. Scateinflüsse, recht frei gestaltete Passagen, ständige Wechsel und das Ausbrechen aus üblichen Schemata lassen diesen Songs sehr interessant und vielleicht auch gar ein wenig „unbequem“ wirken.

Und so lässt sich Anette von Eichel auch nicht unbedingt spontan vergleichen mit typischen Sängerinnen des Jazz, man mag vielleicht ein wenig an Carmen McRae denken, aber man sollte auch Kolleginnen wie Norma Winstone oder eine freiere Ausprägung wie von Jeanne Lee denken. Insgesamt, unter Zugrundelegung der diversen Ausprägungen dieser Musik, ergibt sich eine recht große Bandbreite innerhalb der zwölf Songs, “Where You Eat“ mit diesem coolen funky Groove steht einer Ballade wie “While We're Good“ sehr entgegen.

Das Kollektiv aller Beteiligten hat also eine dichte Stimmung schaffen können, geprägt von hoher Individualität mit einem traumhaften Zusammenspiel. Und zum Schluss begeben wir uns dann doch noch in die Nacht, wenn die Sonne untergeht mit “Sunrise“. Und um den Pressetext noch kurz aufzugreifen, wonach „Licht aus der Dunkelheit“ hervortreten soll. Ich entdecke keine Dunkelheit, mir scheint das Licht durch alle Songs gleichermaßen.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 In the still of the night (4:44)
2 Halo (5:39)
3 Underwater Conversation (5:30)
4 Circular I (1:37)
5 Where you eat (3:13)
6 While we’re good (5:39)
7 Your name (3:12)
8 Circular II (1:21)
9 Tamtam (3:33)
10 Circular III (0:50)
11 Close the door (5:41)
12 Sunrise (3:17)

Besetzung

Anette von Eichel (vocals)
Sebastian Sternal (piano)
Henning Sieverts (double bass)
Jonas Burgwinkel (drums)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger