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Reviews

Martín Iaies

People.Places. Music for Large Ensemble


Info

Musikrichtung: Jazz

VÖ: 21.08.2026

(Challenge)

Gesamtspielzeit: 55:36

Internet:

https://martiniaies.com/
https://www.challengerecords.com/
https://www.newartsint.com/

Heute stelle ich eine recht interessante Produktion eines argentinischen Gitarristen vor, es handelt sich um den Jazzer Martín Iaies. Der ebenfalls als Komponist, Arrangeur und Lehrer Tätige wohnt derzeit in Wien. Seine grundlegende musikalische Ausbildung ist zwar im Jazz verwurzelt, doch hat er sich stets damit auseinandergesetzt, über den Tellerrand zu schauen und sich neuen und anderen Formen außerhalb dieses Bereiches zu widmen. So mag sich dann auch ein früher Einfluss des damals jungen Mannes reflektieren lassen, als er sich im Teenager-Alter für Rockmusik interessierte.

Mit seiner aktuellen Veröffentlichung People.Places. komponierte er sieben der acht Songs und steckte sie in ein Gewand eines für ein grössere Ensemble vorgesehenes Konzept. Und so kann man freuen auf eine bunte Abfolge, die durch eine Komposition von Hilda Herrera (#3) abgerundet wird, die jedoch arrangiert wurde durch den Protagonisten. Letztlich hielten durch „Zamba Del Changuanco“ dann noch argentinische Folk-Einflüsse Einzug. Als Gast tritt auf drei Songs der Saxofonist Klaus Gesing auf.

Luftig und leichtgängig mit einer harmonischen Gestaltung begleitet uns der Gitarrist nach „Graz“, durch die Begleitung der Bläser mit diesem Arrangement wird darüber hinaus eine sanfte Big-Band-Atmosphäre erzeugt. Sehr auffällig, in positivem Sinne, gestaltet Martín Iaies sein Gitarrenspiel, sehr individuell ist dieser Klang, bei dem ich grundsätzlich eigentlich so gar nicht spontan assoziieren kann. Denke ich näher darüber nach, kommt mir zunächst John Scofield in den Sinn.

Dieser luftige Charakter zieht sich weiter durch die übrigen sieben Songs. Mitunter gibt es einige Besonderheiten, wie zum Beispiel bei „18/5“, wo man meint, das „Geblubbere“ eines Synthesizers wahrzunehmen, doch findet sich im Line-up kein entsprechendes Instrument, so vermute ich, dass der Sound durch die Gitarre erzeugt wurde. Sehr schön damit verbunden ist dieses sehr frei gestaltetete und offene Spiel des Saxofons von Alana Macpherson, danach übernimmt Thomas Quendler mit dem Piano das Ruder und bringt diesen Song in ein leicht romantisch angehauchtes Gefilde. Ach, dieser Song wird sofort von mir spontan in einen der Höhepunkte dieser Veröffentlichung gepackt, einfach spitzenmässig, diese Komposition, dieses Arrangement und letztlich die Ausführung und Gestaltung!

Gesamtheitlich betrachtet, ist People.Places. großartige Musik, die sehr individuell gestaltet wurde und wahrscheinlich auch sehr persönlich geprägt wurde vom Komponisten. Mit seinem ebenfalls individuellem Stil des Gitarrenspiels, das sehr viel Wärme ausstrahlt, gerade auch in den langsameneren balladesken Passagen und Songs, hat Martín Iaies eine sehr bemerkenswerte Musik voller Ästhetik geschaffen! Um noch einmal kurz auf die Vielfalt zurück zu kommen, man lausche einmal dem Song „El Donny“ und wird hier feststellen, dass sich der jugendlich Rock-Einfluss auch ein wenig verewigt zu haben scheint.

Und grundsätzlich wird People.Places. mit einem „feierlich“ klingenden „Canción de Cuna para Simón“ verabschiedet, eine dahinfließende Stimmung, doch man ließ es sich nicht nehmen, noch einen Bonus Track zu spendieren, „Zyklische Hoffnungslosigkeit“, ist das wirklich so zu übersetzen? Denn mit Sicherheit empfinde ich keine Hoffnungslosigkeit, sondern eher das Gegenteil, so freue ich mich auf eine Fortsetzung! Was mir noch auffiel: Als ein Projekt des Gitarristen habe ich durchgehend den Eindruck gewinnen können, dass er sich als solcher nie vordergründig präsentierte, sondern stets gruppendienlich und integriert agierte.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Graz (7:39)
2 Delfina's Way (7:03)
3 Zamba del Chaguanco (8:40)
4 18/5 (8:07)
5 El Donny (6:13)
6 In an Unknown Mood (8:54)
7 Canción de Cuna para Simón (3:42)
8 Cyclical Loss of Hope (5:05) (bonus track)

Besetzung

Martín Iaies (electric guitar)
Alana MacPherson,Tobias M. Hoffmann,Miloš Kostár, Anna Gollien (woodwinds)
Žan Cesar, Jordi Roviró (trumpet)
Matthias Bernsteiner (trombone)
Thomas Quendler (piano)
Maximilian Kreuzer (double bass)
Andreas Reisenhofer (drums)
Ariel Vei Atanasovski (cello)
Klaus Gesing (soprano saxophone - #3, 8, bass clarinet - #6)
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