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Return Me To Light
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Info
Musikrichtung:
Melodic Rock
VÖ: 17.11.2023 (Frontiers) Gesamtspielzeit: 46:11 Internet: http://www.frontiers.it http://www.michaelsweet.com |

Dass Michael Sweet nicht ausschließlich dem Metal zugetan ist, sondern auch deutlich leichtgewichtigeren Rock-Spielarten, weiß der Kenner spätestens seit seinen ersten Solowerken aus den 90ern. So verwundert es nicht, dass er, mit seiner Hauptband Stryper mittlerweile bei den Melodic-Rock-Spezialisten Frontiers Records gelandet, auch in das umfangreiche dortige Projektschaffen eingebunden worden ist. „Sein“ Projekt heißt irritierenderweise Sole Driver, ist aber ein kreatives Duo aus ihm und Alessandro Del Vecchio, der auch bei gefühlt drei Vierteln der anderen Frontiers-Projekte mit von der Partie ist, von denen wiederum zwei Drittel mehr oder weniger austauschbar klingen.
Die spannende Frage vorab ist nun also: Heben sich Sole Driver durch irgendwas aus der Masse heraus? Man könnte ja hoffen, dass wenigstens Sweets Stimme als Trumpfkarte taugt – aber diesen Zahn zieht einem schon der Opener „Rise Again“. Die typische Stimmfärbung ist immer noch da, aber der Sänger agiert derart matt und kraftlos, dass der Song, eigentlich eine gelungene Melodic-Rock-Hymne, dadurch einen Gutteil seines Reizes verliert. Der Rezensent hat von den seit der auch schon wieder viele Jahre zurückliegenden Reunion erschienenen neuzeitlichen Stryper-Scheiben noch keine im Player gehabt und auch keine von Sweets diversen anderen neuzeitlichen Aktivitätsfeldern, aber so richtig Lust drauf macht das Hören von Sole Driver nun auch wieder nicht. Im Gegenteil, man ist nach den ersten Hördurchläufen eher abgetörnt und muß sich Mühe geben, den instrumentalen Teil von Return Me To Light davon nicht zu weit herunterziehen zu lassen. Normalerweise hört der Rezensent jede Scheibe dreimal und schreibt während des dritten Hörens die Rezension. Durch spezielle Umstände bedingt bekam Return Me To Light einige Durchläufe mehr – und siehe da, so ganz langsam beginnt man sich doch irgendwie an die Stimme zu gewöhnen (man darf wahrscheinlich nicht den Fehler begehen, zwischendurch eine der alten Stryper-Scheiben zu hören – das würde Return Me To Light wohl doch weit zurückwerfen), und man hat zudem Zeit, auch mehr auf die Feinheiten der Songs zu achten, von denen es beim genaueren Hinhören doch einige gibt. Der Hymnencharakter des Openers wurde bereits erwähnt, wobei diese Nummer im klassischen Melodic Rock bleibt, während „Anymore“ an zweiter Stelle deutlich moderner daherkommt, was in diesem Falle bedeutet, dass speziell die Rhythmik an den NuRock der 90er erinnert, also einem Stil, in den zahllose traditionelle Melodic Rocker damals wechselten, als sie merkten, dass sich für ihre althergebrachten Klänge in den 90ern kaum noch jemand interessierte. Ob dieser Stil hier als sarkastischer Kommentar zu werten oder aber richtig ernst gemeint ist, muß offenbleiben. Die besagten verschleppten Drums spielt hier Michele Sanna, der die komplette Scheibe als Gast eingetrommelt hat, und es fällt auf, dass er zwar durchaus immer mal von der Geradlinigkeit abweicht (höre etwa „Out Of The Dark“), aber dieser 90er-Anstrich auf Return Me To Light auf besagten Song beschränkt bleibt. „Pieces Of Forever“ fällt speziell durch die enthusiastische Leadgitarrenarbeit auf, die Del Vecchio um den Song hängt – es ist definitiv er und nicht Sweet, welchletzterer bekanntermaßen des Gitarrenspiels auch mächtig ist, bei Sole Driver, zumindest sofern man dem Booklet glaubt, aber ausschließlich für den Gesang verantwortlich zeichnet, während Del Vecchio die komplette Instrumentalarbeit (bis auf die Drums) übernimmt.
Noch ein Kuriosum: Diverse Songs lassen anhand ihres Intros eine ganz andere Richtung erwarten als die, die sie im Hauptteil einschlagen. „Hope’s Holding You“ etwa täuscht zunächst eine Ballade an, betritt dann aber konventionelles Melodic-Rock-Terrain, während „Eternal Flame“ mit Trommelwirbel und Energieschub anhebt und einen flotten Speedknaller erhoffen läßt, aber auch „nur“ im gemäßigtem Melodic Rock landet, wobei das kernige Hauptriff so weit in den Hintergrund gemischt wurde, dass es kaum noch Wirkung entfalten kann. Gleich mehrere Songs enden zudem etwas abrupt und muten etwas amputiert an, wozu neben „Eternal Flame“ beispielsweise auch „Spinning Wheel“ zählt.
Und wenn wir bei Kuriosa sind, muß „Spinning Wheel“ noch als ein Wendepunkt innerhalb von Return Me To Light angeführt werden: Ab diesem Song, der an Position 5 steht, ertappt man sich häufiger bei Gedanken an die Pretty Maids, zumal Sweet, wenn er etwas rauhere Töne forciert, gar nicht so weit von Ronnie Atkins entfernt landet. Nur muß man halt festhalten, dass Sole Driver letztlich „nur“ sowas wie „Pretty Maids aus der Retorte“ darstellen, und das war sicherlich nicht Sinn und Zweck der Sache. Zudem zünden nicht alle Ideen, stellt sich etwa der kurze „Radioeffekt“ der Gitarre im Finale des eigentlich recht zündenden „To Be Saved“ als eher überflüssiger Fremdkörper heraus, und auch der verschachtelte Aufbau des Titeltracks wirkt eher bemüht als organisch entwickelt. Zudem stößt Sweets Stimme beim Versuch des hohen Kreischens im Finale besagten Titeltracks hörbar an Grenzen, obwohl sie schon in den Hintergrund gemischt worden ist. Und so gut auch „Soul Inside“ geradeaus rockt, den „Radioeffekt“ hätte es auch hier nicht gebraucht. Der Closer „Wounded“ wiederum hätte noch ein paar Gramm Hymnenfaktor mehr gebrauchen können, paßt aber letztlich prima ins irgendwie unentschlossene Bild, das Return Me To Light zum Rezensionszeitpunkt abgibt. Das ist immer noch besser als das eines patenten Langweilers, den es zum üblichen Rezensionszeitpunkt nach drei Durchläufen hatte, und der Rezensent schließt nicht aus, dass weitere Durchläufe das Bild abermals verändern könnten – nur in welche Richtung, bleibt unklar. Fest steht allerdings zu jedem Zeitpunkt: Wer Pretty-Maids-artige Musik hören will, ist mit Pretty-Maids-Scheiben (oder den Solowerken von Ronnie Atkins) besser bedient, und an die alten Stryper-Heiligtümer kommen Sole Driver bei weitem nicht heran.

Roland Ludwig
Trackliste
| 1 | Rise Again | 4:41 |
| 2 | Anymore | 4:31 |
| 3 | Pieces Of Forever | 4:12 |
| 4 | Hope’s Holding You | 5:00 |
| 5 | Spinning Wheel | 3:41 |
| 6 | Out Of The Dark | 4:04 |
| 7 | Eternal Flame | 4:02 |
| 8 | To Be Saved | 3:48 |
| 9 | Return Me To Light | 3:54 |
| 10 | Soul Inside | 4:00 |
| 11 | Wounded | 4:13 |
Besetzung
Alessandro Del Vecchio (Git, Keys, B)
Michele Sanna (Dr)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

