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Reviews

Sacrificium

Oblivion


Info

Musikrichtung: Death Metal

VÖ: 10.03.2023

(Nordic Mission)

Gesamtspielzeit: 44:03

Internet:

http://www.nordicmission.net
http://www.sacrificium.net

Recht große zeitliche Abstände zwischen den Tonzeugnissen von Sacrificium ist man mittlerweile gewöhnt. Prey For Your Gods, der Drittling der seit 1993 aktiven Formation, erschien 2013, aber kurz danach stellten Whirlwind Records, wo elf Jahre zuvor auch schon das Debüt Cold Black Piece Of Flesh erschienen war, ihre Aktivitäten ein, was das Quintett naturgemäß nicht gerade nach vorn brachte. Letztlich fanden sich mit Vision Of God Records in den USA und Nordic Mission in Europa neue Partner, die teilweise vergriffene Werke neu auflegten, aber auch neues Songmaterial veröffentlichten, zunächst 2019 die EP The Avowal Of The Centurion und nun den neuen Longplayer Oblivion.
Letztgenannter macht schon mit den ersten Sekunden des Openers „Annihilated“ klar, dass das Quintett nicht daran denkt, irgendwas Grundsätzliches an seinem Stil zu ändern. Zwar könnte sich die luftig-leichte Leadgitarrengirlande, die da von oben einschwebt, auch in andere Gefilde weiterentwickeln, also Göteborg-Death oder gar klassischen Traditionsmetal, aber dann stößt Vokalist Claudio Enzler einen herzhaften Grunzer aus, Thorsten Brandt oder Martin Epp knüppelt herzhaft aufs Drumkit ein (gemäß den Credits sind beide Schlagwerker am Album beteiligt, aber es ist nicht detailliert ausgewiesen, wer welche Songs spielt), und auch das Riffing macht klar, dass hier nach wie vor klassischer Death Metal angesagt ist, wenngleich in einer durchaus melodiedurchwirkten Variante sowohl beim Riffing als auch in den Leads. Beide Komponenten entfernen sich für längere Zeit deutlich von etwaigen Göteborg-Anklängen – wenn man eine Vergleichsband in Schweden sucht, kämen Pantokrator oder phasenweise auch Hypocrisy ins Blickfeld.
dass Sacrificium keine puren Tempobolzer sind, ist aus früheren Zeiten auch schon bekannt, und so mischt schon „Annihilated“ ins vorherrschende Geknüppel auch ein paar Midtempo-Schiebeparts. „Martyrium“ macht dann klar, dass auch Claudio durchaus nicht nur in unteren Kellerlagen agiert, sondern sich auch in höheren Gefilden artikuliert, wobei er sich freilich von etwaigen melodischen Anflügen nach wie vor konsequent fernhält – diesen Job überläßt er dann doch Wolfgang Nillies und Fred Berger an den Sechssaitern. Nillies, der Oblivion auch produziert hat, hat noch ein paar Effekte hinzugefügt, die etwa „From Above“ in Richtung auf dessen ziemlich hymnischen Refrain eine Extraportion Pfiff geben und in der hier gegebenen sparsamen Dosierung als Bereicherung und nicht als Verwässerung des Stils der Schwaben (plus Exil-Sächsin – Ulrike Uhlmann, in früheren Zeiten mal Zweitgitarristin, spielt mittlerweile Baß) anzusehen sind, was auch aufs orchestrale Outro von „Born Guilty“ zutrifft, dem bisher am stärksten melodiedurchwobenen Song. Das kurze Instrumental „Where All Prayers Fail“ bleibt dann völlig deathmetalfreie Zone, sondern könnte von jeder Band im Spektrum ab Classic Rock härterwärts übernommen werden, und irgendwie wünscht man sich, es wäre noch weiter ausgearbeitet worden. „Eye For An Eye“ stellt die hoffnungsvolle Botschaft der Band am stärksten in den Vordergrund – hier verarbeitet das Quintett Zitate aus „Der große Diktator“ und schließt mit der intensiven Zeile „Hate never ends hate!“. „Decadence Reigns“ greift wieder kurz in den Effektkasten und macht zudem klar, dass Claudio auch fast thrashig shouten kann – auf Oblivion sind zwar auch zwei Gastsänger dabei, aber nicht in diesem Song, also muß das Claudio selber sein. Christoph Zacharias haben wir in „Eye For An Eye“ schon gehört, Eddie De Witte kommt im Refrain des folgenden „Cohorts Of Oblivion“ vor, dem Song, der sich bisher am weitesten in Richtung Melodic Death bewegt und der auch im Repertoire von Amon Amarth gut aufgehoben wäre, wobei der luftige Refrain durch das Gekreisch De Wittes tatsächlich nochmal an Charme gewinnt. Weil das eben so gut geklappt hat, repetieren Sacrificium diesen Stil in „Death From Within“ gleich nochmal, diesmal aber ohne Gastsänger, dafür aber mit Akustikintro und nun wirklich völlig göteborgkompatiblen Gitarren, was die Melodiestrukturen angeht. Und jetzt brat mir einer einen Storch, der Closer „Written In My Scars“ bleibt auch bei diesem Stil – Oblivion rückt also mit zunehmender Spielzeit immer weiter gen Göteborg, obwohl der klassische, wenngleich melodiedurchwirkte Death Metal nach wie vor dominiert. Das Akustikoutro paßt dann auch prima ins Bild: Sacrificium sind sich grundsätzlich zwar treu geblieben, stellen sich aber innerhalb des Death Metal durchaus breit auf.
Wenn man an Oblivion etwas kritisieren will, dann, dass es wieder keinen Übersong wie das steinalte Epos „Psalm Of An Unborn“ gibt. Aber okay, dieser Song existiert ja schon, und wer ihn hören will, kann Cold Black Piece Of Flesh oder das Mortal Fear-Demo einwerfen. Wer seinen Death Metal sowohl urwüchsig als auch melodisch und tendenziell eher schwedisch als amerikanisch mag, der ist bei Sacrificium nach wie vor richtig und macht mit Oblivion nichts verkehrt.



Roland Ludwig

Trackliste

1Annihilated5:46
2Martyrium3:12
3From Above4:08
4Born Guilty4:50
5Where All Prayers Fail1:52
6Eye For An Eye4:17
7Decadence Reigns4:29
8Cohorts Of Oblivion5:24
9Death From Within5:07
10Written In My Scars4:50

Besetzung

Claudio Enzler (Voc)
Wolfgang Nillies (Git)
Fred Berger (Git)
Ulrike Uhlmann (B)
Thorsten Brandt (Dr)
Martin Epp (Dr)
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So bewerten wir:

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