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Acoustica
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Info
Musikrichtung:
Akustik Rock
VÖ: 14.05.2001 (EastWest) Gesamtspielzeit: 70:27 Internet: http://www.the-scorpions.de |

Anfang 2001 spielten die Scorpions eine Reihe Akustik-Konzerte in Portugal. Bereits im Mai stand die an drei Abenden in Lissabon mitgeschnittene CD in den Läden und im August dann auch bei mir im Plattenregal. Die Gründe, warum ich sie nun, 25 Jahre später, nicht(!) für meine Kolumne 25 Years after ausgewählt habe und trotzdem eine Review erscheint, schildere ich in der Kolumne vom August 2026.
Natürlich sehen nicht wenige Fans in diesem Ansatz eine Art Kastrierung ihrer Lieblinge. Natürlich ritten die Hannoveraner mit diesem Album einem Trend nach, der bereits vor (und nach) ihnen von etlichen Bands beschritten wurde, um mit altem Material noch mal Kasse zu machen. Natürlich passte dieser gezähmte Auftritt prima zu der sich immer mehr auf seichte Balladen setzenden Entwicklung der Band. Natürlich wurde der Vorwurf laut, denen falle halt nichts Neues mehr ein.
Und dennoch hat das Album etwas, und zwar so viel, dass ich mir im Zuge der Arbeit an dieser Review die DVD zum Album bestellt habe, die noch ein paar Stücke mehr enthält.
Einige Fakten. Die Scorpions rüsten für Acoustica zwar instrumental ab; personell aber stocken sie auf. Vier Gastmusiker und drei Background Sängerinnen standen in Portugal mit auf der Bühne.
Nur 60 Prozent des gespielten Materials besteht aus umarrangierten Scorpions-Klassikern. Dazu kommen drei neue eigene Songs, die nie auf irgendeinem Studio-Album erschienen sind, und drei Cover-Versionen. Zusammenfassend kann man sagen: Das alles hätte man sich besser gespart. Die neuen Songs sind durch die Bank blasse Balladen, die bestens geeignet sind die Vorurteile gegen den damaligen Bandkurs zu bestätigen. Queens „Love of my Life“ wird mit einem okay durchgewunken. „Drive“ von den Cars bleibt blass und langweilt eher. Am besten kommt Kansas’ „Dust in the Wind“, bei dem Ariana Arcu am Cello die Violine auf nicht uninteressante Weise ersetzt. Aber – wie gesagt – statt dieses ganzen Packens hätte man lieber noch einige Scorpions-Stücke gehört.
Die neun eigene Stücke, die ausgewählt wurden, kann man in drei Kategorien zu je drei Titeln einteilen.
Da sind zum einen drei Balladen aus der (damaligen) Spätzeit der Band: „You and I“, „Send me an Angel“ und das natürlich unvermeidliche „Wind of Change“. Die verlieren wenig im Vergleich zum Original, da sie eh schon reduzierter waren. „You and I“ bleibt der Kitsch, der er immer schon war. „Send me an Angel“ bekommt von Christian Kolonovits immerhin ein interessantes Piano versetzt.
Dann gibt es drei weitere sowieso schon entweder ganz ruhige Stücke, oder Stücke, die über sehr ruhige Passagen verfügen: „Always somewhere“, „Holiday“ und „Still loving you“. Am spannendsten ist hier „Holiday“ dessen rockige Passagen mit einem tollen Rhythmus wiedergegeben werden, der das Stück auf ganz neue Weise leben lässt – das Highlight der Scheibe.
Und dann gibt es drei Stücke, die sich am stärksten verändern mussten, um akustisch durchzugehen – und zu den weiteren Highlights gehören.
Auf Platz drei einer der stärkste Live-Rocker der Band „Rock you like a Hurricane“, der auch hier als Finale genutzt wird und funktioniert, ohne dass er so viel anders wirken würde, als in der Voll-Version. Er hat das Rock-Gen einfach in sich. Dann kommt „The Zoo“, ein Stück, das im Original viel von produktionstechnischen Spielereien, wie der Talk Box lebt, wohl die mutigste Wahl für dieses Album. Die Band macht daraus nun eine coole, vom Blues getränkte Nummer und gefällt mir so fast besser als das Original, das ich immer als etwas künstlichen Fremdkörper im Scorpions-Katalog empfunden habe.
Und dann hat es doch tatsächlich auch ein Stück aus der Frühphase der Band mit Uli Jon Roth ins Programm geschafft, das besonders raue und rockige „Catch your Train“. Daraus wird ein erstaunlich relaxter Rhythmiker, der mit „Holiday“ mindestens gleich zieht. Klasse!
Insgesamt stellt Acoustica eine emotional gelungene Reise durch das Material der erfolgreichsten deutschen Rockgruppe überhaupt dar. Dass die Truppe fett rocken kann, war auch davor schon bekannt. Dass sie auch mit viel Gefühl überzeugen kann, macht sie hier so deutlich, wie nie zuvor. Dabei fällt die Qualität nach den ersten zwei Dritteln deutlich ab. Das ändert sich mit den beiden letzten Songs wieder etwas. Ein tolles Finale hätte man aber eher mit Titeln wie „Catch your Train“ oder „Holiday“ erzielt, die dem „Hurricane“ in diesem Fall deutlich den Wind aus den Segeln nehmen.
Als Fazit hätte man der Band etwas mehr Mut gewünscht auf frühe Rocker zurückzugreifen. Ich könnte mir z.B. Versionen von „Fly to the Rainbow“ oder „Speedy’s Coming“ in diesem Kontext gut vorstellen.
(Das Zusatzmaterial der DVD scheint am Mix wenig zu ändern. Es gibt zwar kein weiteres Cover, aber mit „Back to you“ einen weiteren Track, der auf keinem Studio-Album zu finden ist und mit „Tease me please me“ nur einen Titel, der nicht in meine Kategorien 1 und 2 (s.o.) passen würde.)

Trackliste
| 1 | The Zoo | 5:48 |
| 2 | Always somewhere | 4:11 |
| 3 | Life is too short | 5:18 |
| 4 | Holiday | 5:55 |
| 5 | You & I | 5:19 |
| 6 | When Love kills Love | 4:54 |
| 7 | Dust in the Wind | 3:49 |
| 8 | Send me an Angel | 5:24 |
| 9 | Catch your Train | 3:41 |
| 10 | I wanted to cry (but the Tears wouldn't come) | 3:49 |
| 11 | Wind of Change | 5:34 |
| 12 | Love of my Life | 2:32 |
| 13 | Drive | 4:00 |
| 14 | Still loving you | 6:11 |
| 15 | Hurricane 2001 | 4:34 |
Besetzung
Rudolf Schenker (Git)
Matthias Jabs (Git)
Ralph Rieckermann (B)
James Kottak (Dr)
Gäste:
Christian Kolonovits (Keys)
Johan Daansen (Git)
Mario Argandona (Perc)
Ariana Arcu (Cello)
Hille Bemelmanns (Back Voc)
Liv van Aelst (Back Voc)
Kristel van Craen (Back Voc)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

