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Reviews

Przemysław Jan Grabowski

Jazz Mysteries


Info

Musikrichtung: Modern Jazz

VÖ: 10.07.2026

(Eigenproduktion)

Gesamtspielzeit: 45:54

Internet:

https://www.jangrabowskimusic.com/
https://jazzfuel.com/

Przemysław Jan Grabowski ist ein polnisch-australischer Jazzmusiker mit polnischen Wurzeln. Der Lebensmittelpunkt des Pianisten/Keyboarders ist derzeit Washington, D.C.. Bei der mir vorliegenden Veröffentlichung Jazz Mysteries handelt es sich um sein Debütalbum.

Gleich vorweg möchte ich aus der Pressemitteilung zitieren, indem der Musiker selbst angibt:“ I was not interested in learning what was already written, but instead to create my own music and improvise.“ Nun, ferner ist zu erfahren, dass er sich sein Spiel selbst beigebracht hat („self-taught musician“) und es daher unter Umständen möglich sein könnte, dass er sich nicht unbedingt auf einen Fundus bestehender Musik und bestimmter Stile und Richtungen des Jazz bezogen hat. Doch das würde oder zumindest könnte ein Hinweis darauf sein, dass er mit Jazz Mysteries etwas völlig Neues geschaffen haben muss. So bin ich gespannt, ob ich dieses „Jazz-Mysterium“ werde lösen können.

Nun, eine solche Aussage ist aus meiner Sicht mit einem recht hohen Anspruch verbunden, schaut man auf die doch schon recht lange Geschichte des Jazz mit seinen mannigfaltigen Ausprägungen im Laufe der Jahrzehnte. Und so habe ich auch Jazz aus Polen stets als etwas recht Eigenständiges erleben können. Ja, ich bin gespannt! Ein Blick auf die Besetzungsliste des Albums weckt in der Tat auch Neugier, besteht die Band doch aus Musikern aus Kuba, Großbritannien und den USA, was insofern auf eine individuelle Ausrichtung schließen lassen könnte. Dieses wiederum kann die Option eröffnen, diverse Einflüsse aus verschiedenen Ländern einfließen zu lassen, mit entsprechend unterschiedlichen Temperamenten, Emotionen und ggf. sich daraus entwickelnder frei fließender Musik.

Der Reigen der sieben Songs startet mit „My Dearest Christine“, ein Song, den Grabowski für seine Frau komponierte. („I wrote this song for my beautiful wife and the song was inspired by my love for her.“) Eine sehr anerkennenswerte Geste, diese Liebeserklärung, und ihren Namen hat er damit auch gleich verraten. Doch um zum eigentlichen Thema zu kommen, zur Musik, so muss ich bereits hier und bei den nachfolgenden Songs feststellen, dass ich diese geplante „Neuschaffung“ nicht unbedingt nachvollziehen kann.

Auch hier werde ich in die Lage versetzt, locker assoziieren zu können. So fühle ich mich grundsätzlich in die sechziger Jahre hineinversetzt, in die Zeit des akustischen Post-Bop-Szene jener Tage, ich muss spontan an einen Herbie Hancock jener Tage denken, auch die Siebziger reichen in den Sound, der unter anderem für mich klar Anteile des Ausdrucks jenes in dieser Zeit agierenden Jazz-Labels CTI Records transportiert, mithin einerseits eine leichte Auffrischung des alten Post Bops/Hard Bops der Vorjahre und andererseits bereits mit sich dann entwickelnden Fusion-Elementen jener Zeit liebäugelnd.

Tiefer orientierte Kenner der Szene werden möglicherweise auch Vergleiche anstellen können mit anderen Pianisten/Keyboardern des Jazz, die sich auch grundsätzlich oder überwiegend autodidaktisch orientierten. So kann ich, unabhängig davon nur bemerken, dass mich zum Beispiel „Monsieur Green“ hinsichtlich des Pianospiels recht stark an Bill Evans erinnert. Darüber hinaus könnte hier zusätzlich noch gut und gerne das Trompetenspiel von Miles Davis hinzustoßen.

Ferner sind sicher der Saxofonist Emir Santa Cruz und der Trompeter Kali Rodriguez-Peña, beide aus Kuba stammend, verantwortlich dafür zu machen, dass sich so manches Mal ein kleines kubanisches Feeling in die Musik einschleicht. Ganz hervorragend gefällt mir diese Passage bei „Counting Sevens“, wenn sich diese beiden Musiker solistisch unterhalten und eine unglaublich lockere und emotionale Stimmung schaffen, das atmet in der Tag so eine Art Freiheit, auch klingt es großartig, wie der Protagonist dieses unterstützt durch sein Spiel, ja, und ein locker aus dem Handgelenk vorgelegtes kurzes Schlagzeugsolo von Andy Wilder erweitert diese Stimmung noch sehr einfühlsam.

Letztlich sehe ich den möglichen Anspruch, etwas ganz Neues geschaffen zu haben, sicher nicht erfüllt, die Absicht, seine eigene Musik zu kreieren und improvisatorisch zu gestalten, jedoch durchaus. Und Alles läuft wirklich sehr unkompliziert, sehr locker, und die Räume werden im Rahmen der Kompositionen ausgiebig genutzt, und so ist es angenehm auffällig, dass die Musik ständig auf hohem Niveau fließt! Ganz cool ist auch dieser betörende lockere Funk auf „Happy Beluga“! Insofern ein zu beachtendes Debütalbum mit einer Band, die dicht zusammenspielt und kreativ tätig wurde in ihrem Miteinander. Es bleibt nun Jeder/Jedem selbst überlassen, ob ich diese Jazz Mysteries ein wenig habe entschleiern können.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 My Dearest Christine (7:29)
2 Forward Voyage (5:27)
3 Footsteps Over The Horizon (6:19)
4 Monsieur Green (6:20)
5 Counting Sevens (6:42)
6 Serenading The Morning Sun (6:48)
7 Happy Beluga (6:35)

Besetzung

Przemysław Jan Grabowski (piano, Fender Rhodes)
Camila Cortina Bello  (piano, synthesizers) 
Emir Santa Cruz (tenor saxophone
Kali Rodriguez-Peña (trumpet)
Samer Sharawi (electric bass)
Noam Tanzer (acoustic bass)
Andy Wilder (drums)
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So bewerten wir:

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