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All Day Long
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Info
Musikrichtung:
Jazz
VÖ: 10.07.2026 (Eigenproduktion) Gesamtspielzeit: 52:35 Internet: https://www.songahchae.com/ https://jazzfuel.com/ |

Mit All Day Long stellt sich ein Album vor, eingespielt mit einem Pianotrio. Nun, die Musikrichtung Jazz betreffend, gibt es sicher einige „Eckpfeiler“ dieses Genres und ggf. auch ganz bestimmte Produktionen, die damit in Verbindung gebracht werden. Aus den fünfziger/sechziger Jahren konnte man sich gut an beispielsweise Bud Powell oder Bill Evans orientieren, und ganz besonders auch an Oscar Peterson. Später wurde das Genre auch entsprechend erweitert um sich öffnende Spielweisen, wie sie von Keith Jarrett, Ahmad Jamal, E.S.T, Helge Lien oder Vein ständig erweitert wurden und der Jazz-Ausdruck neu gestaltet wurde. Wie passt die aus Südkorea stammende und in Spanien lebende Pianistin SongAh Chae nun dazu?
War es einst mehr in jene Richtung verortet, dass die Begleiter der Pianisten meistens auch die überwiegende Begleiterfunktion innehatten, so löste sich das nach und nach durch moderner orientierte Beispiele. Und so verhält es sich auch so mit All Day Long. Ein vorwiegend kollektiv wirkender Eindruck offenbart sich in der Gestaltung der zehn von der Pianistin komponierten Songs. Und so drängt sich die Protagonistin auch nicht unbedingt in den Vordergrund, ist zwar zunächst erst einmal klangbestimmend durch ihr Klavier- und gelegentliches Orgelspiel, doch integriert sie dieses geschickt zu einem wirklich recht individuell klingenden Sound.
Nun, wir können nun auch keine explosiven Ausbrüche wie etwa bekannt von Cecil Taylor erwarten, denn in erster Linie wird auf eine schön klingende Klanglandschaft Wert gelegt, aber bei weitem nun nicht so, dass es etwa, gegenteilig, kitschig klingen würde. Denn dazu erkennt man rasch die hochwertige und durchdachte künstlerische Gestaltung des Pianospiels, das mich mitunter auch daran denken läßt, Elemente aus der klassischen Musik zu entdecken und diese Stimmung zu empfinden.
Fast könnte man nun auch vermuten, dass Elemente der Weltmusik möglicherweise eingeflossen sein könnten, bei dieser Besetzung mit der Protagonistin aus Südkorea, dem Bassisten aus Zypern und dem britischen Schlagzeuger. Nun, wer sich im Einzelnen näher damit beschäftigt, könnte möglicherweise entsprechende Einflüsse entdecken, ebenso sicher aus der Klassik. Auf jeden Fall ist es sehr ungewöhnlich, wenn SongAh Chae die Orgel einsetzt, zwar nicht unbedingt vordergründig und/oder reisserisch, sondern als subtiles Element, das eine besondere Nuance einbringt, und das klingt in der Tat ganz einfach schön. Letztlich empfinde ich es so, dass sich dieser Jazz weniger an der sich in den USA entwickelten Jazz-Tradition orientiert, sondern eher von den Tugenden europäischer Jazztradition angehaucht ist, und man könnte den Sound mit einem Wort vielleicht auch festzurren: So klingt es durchgehend einfach „SCHÖN“!
So sehr ich dann auch versucht habe, mich aus der großen Kiste der jazzigen Beispiele zu bedienen, so bleibt der Sound von All Day Long doch relativ individuell und ich kann nicht umhin, letztlich einen Bezugspunkt zu entdecken. Und zwar tendiere ich gefühlsmäßig in zwei Richtungen, die sich zudem auch nicht ausschließen, das ist einmal Piano-Jazz aus skandinavischen Ländern und dann Musik des Münchener Labels ECM Records. Ja, das in etwa wäre/ist die große „Schublade“, in die ich diese Musik stecken muss, dazu vielleicht einen Hauch klassischer Musik, Chopin, Debussy, Bach zum Beispiel! Sehr viel Schönheit, sehr viel Lyrik im Ausdruck, ich kann mir zur Musik durchaus kleine Gemälde vorstellen, oder Situtationen, die sich vor meinem „geistigen Auge“ entwickeln. Ich entdecke Ruhe, Schönheit, Melodik, Gemeinsamkeit, Zurückhaltung mit gleichzeitig breiter Ausdruckskraft, die stets eine Art Balance hält.
Ich tendiere in der Regel dazu, mich bei Rezensionen an einzelnen und hervorzuhebenden Songs zu orientieren, hier geht das nicht, die zehn Songs werden zusammengehalten durch diese kollektive Ausdruckskraft, ich empfinde All Day Long insofern als kollektive Gesamtheit mit entsprechender Gestaltungskraft, stets herrscht in der Musik ein tiefes Gleichgewicht, dass auch mich in einem solchen bestätigt, darüber hinaus ist es das sich tief einbohrende Gefühl von Geborgenheit und Schönheit, wie bereits aufgeführt, sehr kollektiv und überzeugend dargeboten!

Trackliste
2 I Shall Not Want
3 Broken Spirit
4 Vindication
5 Come and See
6 In Time of Trouble
7 My Fortress
8 All Day Long
9 Mere Breath
10 Answer Me
Besetzung
Manos Stratis (double bass)
Joshua Wheatley (drums)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

