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Reviews

Sienna Spiro

Visitor


Info

Musikrichtung: Pop

VÖ: 03.07.2026

(Capitol)

Gesamtspielzeit: 33:17

Internet:

https://www.siennaspiro.de/
https://www.capitolrecords.com/
https://www.promotion-werft.de/

Mit Visitor „besucht“ mich die 2005 in London geborene Sienna Spiro. Das ist ihr Debütalbum, nach einer Debütsingle vor zwei Jahren, „Need Me“, das wohl in der Welt des Internets kräftigen Zuspruch fand. So wurde sie als „Superstar“ bezeichnet und ihre Stimme wurde über alle Massen gelobt und als ungewöhnlich bezeichnet. Nun, das mag daran liegen, dass die Künstlerin nachweislich sogenannte Stimmbandknötchen hat, die die Stimme recht rau und mitunter recht zurückhaltend im Ausdruck klingen lassen. So habe ich das Gefühl, sie würde manchmal Worte verschlucken, doch im Ausklang der einzelnen Textzeilen kommt eine Art besonderes Vibrato zum Vorschein, dass für mich dann schon eher eine Besonderheit darstellt.

Nun, „Need Me“ ist eine nette Pianoballade, eigentlich nichts Besonderes im Vergleich zu dem, was an ähnlichen Balladen bereits in der Geschichte des Songwritings produziert wurde. Ich denke, in Verbindung mit dem offiziellen Video, wo sich die junge Dame ganz verzweifelt präsentiert, wurde hier kräftig an der Mitleidsschraube gedreht. Und absolut auffällig hierbei ist, dass sie für mich absolut nach einem „Adele-Klon“ klingt, man vergleiche zum Beispiel mit „Hello“ von Adele! Und dieser „Wettstreit“ geht als klarer Sieg an Adele!

Nun, und was hat sich nun verändert mit den zehn Songs des neuen Albums? Gleich vorweg, Sienna verfügt eindeutig über eine eindrucksvolle und emotional geprägte Stimme, keine Frage. Doch spätestens nach den ersten Songs etabliert sich ein gewisses Schema, tatsächlich geschieht nicht viel hinsichtlich eines mit Abwechslung gespickten Albums. Das mag an den sich sehr ähnelnden Kompositionen liegen, die einzig und allein darauf ausgerichtet zu sein scheinen, dieses Mass an Dramatik aufzubauen und ständig aufrecht zu erhalten.

Sicher sind auch die Streicher- und Bläserarrangements recht ausdrucksstark und sehr professionell gestaltet, grundsätzlich ist hier auch ein Album mit Musik entstanden, die als gut und makellos zu bezeichnen ist, doch fehlt mir hier etwas, so wie ein rein persönlicher Ausdruck, ich spüre nur eine Fixierung auf eine ganz bestimmtes, die Herzen von Zuhörern*innen zu verinnerlichende Ausdruckweise, einfach viel zu traurig im Ausdruck, ganz so schlimm ist das Leben auch nicht, wie ich hier oft das Gefühl habe, dass man genau das zu signalieren scheint.

Wie zu lesen ist, gehören Etta James und Frank Sinatra zu gesanglichen Vorbildern der jungen Dame, doch davon spüre ich hier nicht einmal ansatzweise etwas. Deren Ausdruck und Wucht und Dramatik und Überzeugung fehlt hier eindeutig, vielleicht wird sich das noch einstellen, die Basis ist teilweise wohl vorhanden. Millionen von Streams sind für mich noch lange kein Ausdruck von Genialität und phänomenalem Gesang, wie propagiert wird.

Jene Songs, die mit diesen Streicherarrangements ausgestattet sind, gehören für mich zu den Gewinnern dieser Platte, wie zum Beispiel „Time, You & Me“, das ich für einen sehr beeindruckenden Song halte. Das hat dann auch die „Wucht“ der sechziger Jahre, als es Künstler wie Scott Walker gab und die Ausdruckskraft von Musik, wie sie gelegentlich für Filme verwendet wurde, auch berührt mich mit diesem Song ihr Gesang mehr. Vielleicht sollte sich die Künstlerin, wie einst Scott Walker, einmal an Songs von Jacques Brel wagen und diese auf ihre Art interpretieren, denn dessen Panorama von Gefühlen jeder Art könnte einen Weg weisen, um von diesem Fehlen von Abwechslung in der Dramatik der Songs abzukommen, und ich glaube, dass Sienna Spiro über dieses Talent verfügt, das zukünftig umzusetzen, und nicht verzagen, wenn es dann vielleicht auch weniger „Klicks“ in den einschlägigen Medien gibt.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 This Is My House
2 We're Not In Love
3 Great Expectation
4 Die On This Hill
5 He's Not My Baby, I'm His
6 Pure
7 The Visitor
8 Time, You & Me
9 You Stole The Show
10 Mono No Aware

Besetzung

Sienna Spiro (vocals)
Lemar Carter (drums)
Dylan Day (guitar)
Benny Bock (keys)
Leon Michels (guitar, flutes)
Brass Ensemble (saxes, trumpets, trombones)
Larry Gold (strings arranger)
String Ensemble (strings)
Omar Fedi (bass, guitars, keyboards)
Yakob (piano, strings, programming, organ, synths)
Sam Allen (orchestra arrangement)
Andrew Synowiec (guitar)
Joe Spiro (background vocals)
Michael Pollack (piano, keys)
Rob Moose (violin, viola)
Paul Cornish (piano)
Carlitos Del Puerto (upright bass)
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