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Alles ist gut
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Info
Musikrichtung:
Neue Deutsche Welle / Elektro-Punk
VÖ: 06.01.1981 (Virgin) Gesamtspielzeit: 34:51 |

Es ist heute kaum noch nachvollziehbar, welche Provokation „Der Mussolini“ und das Gesamtkonzept Deutsch amerikanische Freundschaft 1981 darstellte. Denn hier wurde nicht nur in eine Richtung provoziert, sondern praktisch jeder vor den Kopf gestoßen.
Die Textzeile „Tanz den Mussolini!“, die den italienischen Faschistenführer mit Party-Stimmung präsentierte, war schon gewagt genug. Mit dem folgenden „Tanz den Adolf Hitler!“ wurde das aber noch gesteigert. Dass damit kein Votum für Nationalsozialismus und Faschismus beabsichtigt war, machen die nächsten Zeilen deutlich: „Tanz den Kommunismus!“ und „Tanz den Jesus Christus!“. Emotional besetzte Tabu-Begriffe wurden unter die blinkende Disco-Kugel gezogen.
Auch das aufs absolute Minimum reduzierte musikalische Konzept, neben dem Trio schon fast als Progressive Rock durchgehen, war Provokation on top. Dass DAF damit zu Pionieren eines ganzen Sub-Genres werden würden, ahnte wohl niemand.
Auch der Bandname sorgte für Empörung. 1981 war die so genannte Nachrüstung der USA / NATO politisches Dynamit. Bis weit in die bürgerliche Mitte hinein wurde sie abgelehnt. Der Slogan „Ami go home“ war überall an die Mauern gesprüht. Antiamerikanismus war insbesondere in der links-alternativen Szene verbreitet.
Vollmundig positiv sprachen nur noch extrem konservative Kreise von der „Deutsch amerikanischen Freundschaft“. Mit ihrem queeren Auftreten, wie man das heute nennen würde, waren die Deutsch amerikanische Freundschaft aber gerade für diese Kreise ein Dorn im Auge.
1981 war diese Provokation nach allen Seiten, gewagt, aber ein Donnerschlag, der die Deutsch amerikanische Freundschaft zum Talk of the Town machte. 45 Jahre später hat sich diese Provokation abgenutzt. Egal ob politisch, religiös, gewalttätig oder sexuell, es gibt kaum eine Grenze, die nicht bereits immer wieder eingerissen und überschritten wurde.
Was also bleibt 2026 von der Deutsch amerikanischen Freundschaft noch übrig? Hat sie noch etwas zu sagen, wenn das Feuer der Provokation verschossen ist?
Bleibendes Highlight ist und bleibt „Der Mussolini“ - und das nicht wegen seiner provokativen Textzeilen. Das Stück geht so zeitlos in die Beine, dass es nicht wundert, dass damit ein neues Genre begründet wurde.
Das Stück kann nicht getoppt werden, aber es ist auch kein Solitär auf Alles ist gut. Der Opener und „Mein Herz macht Bum“ packen ähnlich, ebenso wie das pulsierende „Ich und die Wirklichkeit“, das stoische „Als wär's das letzte Mal“ oder das verhaltene „Verlier nicht den Kopf“.
Und dann gibt es da noch das zweite Highlight, das – musikalisch und textlich - völlig aus dem Rahmen fällt. Mit einem Casio wird ein Stück eröffnet, dass nicht nur in diesem Kontext als geradezu zärtlich bezeichnet werden muss. Ein echtes Liebeslied - aber natürlich geht auch das bei DAF nicht ohne Provokation. „Der Räuber und der Prinz“ kommt nun eindeutig homoerotisch rüber. In unseren queeren Zeiten gehört etwas Schwules zum guten karrierefördernden Ton. 1981 klang das völlig anders. Heute kommt dieses Liebeslied dennoch weiter völlig einzigartig. So lakonisch, ohne jeden Anflug von Schmalz wird kaum irgendwo geliebt.
Ja! Alles ist gut ist immer noch gut – gut gealtert – und steht deutlich über der Entstehungszeit.

Trackliste
| 1 | Sato-Sato | 2:43 |
| 2 | Der Mussolini | 3:50 |
| 3 | Rote Lippen | 2:41 |
| 4 | Mein Herz macht Bum | 4:26 |
| 5 | Der Räuber und der Prinz | 3:27 |
| 6 | Ich und die Wirklichkeit | 3:05 |
| 7 | Als wär's das letzte Mal | 3:24 |
| 8 | Verlier nicht den Kopf | 3:17 |
| 9 | Alle gegen alle | 3:55 |
| 10 | Alles ist gut | 3:25 |
Besetzung
Gabi Delgado-López
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

