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Reviews

Gebhard Ullmann

Coffee And Berries


Info

Musikrichtung: Avantgarde Jazz

VÖ: 22.05.2026

(ESP Disk)

Gesamtspielzeit: 72:45

Internet:

https://www.gebhard-ullmann.com/
https://www.martinaweinmar.de/
http://www.espdisk.com/

Den Jazz-Saxofonisten Gebhard Ullmann hatte ich zuletzt vorgestellt mit seiner Veröffentlichung aus 2024. Bei „Impromptus und Interationen“ wurden jedoch lediglich seine Kompositionen vorgestellt, und sein Saxofon erklang dort nicht. Das ist nun wieder anders mit der aktuellen Produktion Coffee And Berries. Im klassischen Quartettformat, hier mit Saxofon/Posaune/Bass/Schlagzeug. Und hier wird kräftig und ausgiebig dem freien Jazz gefrönt. Das gleicht einer Zeitreise in die Sechziger, als sich der Jazz durch solche Musiker wie Albert Ayler, Ornette Coleman oder John Coltrane zu befreien schien. Doch die Musik von Ullmann strahlt nicht vollkommen in diese Richtung, sondern ist letztlich auch für einen Teil „europäisch“ orientiert. Nicht ganz so „radikal“ wie Peter Brötzmann, aber ein wenig vielleicht in Richtung Gunter Hampel oder John Surman, letztlich aber mit einer eigenen Ausrichtung, hin zur eher avantgardistisch ausgerichteten Stilistik. Letztlich greift das Quartett jedoch verschieden ausgeprägte Elemente aus der Geschichte des freien Jazz auf, und gerade weil seine Begleiter US-amerikanische Jazzmusiker sind, findet hier eine Art stilistischer Schulterschluß statt.

So wird halt sehr viel improvisiert und neben klassischer Ausrichtung des Jazz integriert Ullmann bei dieser Produktion noch live electronics, insofern wird dieser kreative Jazz noch um ein Stückchen Mehr an Kreativität erweitert. Und genau dieses hohe Maß an Schöpfungskraft ist auch dadurch erreicht worden, dass man die Musik ohne Proben live einspielte in New York, in den Park West Studios. So gewinnt die Musik Kraft und Intensität aus dem Augenblick heraus. Hierbei fällt mir ganz besonders der Schlagzeuger Charles Downs sehr positiv auf, weil er einen Rhythmusteppich legt, der sowohl ein wenig Bodenhaftung beinhaltet als auch eine Menge Improvisation, ohne gleich abzuheben, und dabei spielt er sein Können als gestaltender Musiker ganz besonders aus.

Herrlich, wie sich Ullmann darüber „austoben“ kann, ja, man spürt, wie er das ausnutzt und spontane Ideen entwickelt und sofort umsetzt, diese Fülle des Sounds ist sehr beeindruckend mit ihrer Art der Improvisation. Und die Musik entsteht somit aus dem Augenblick, ist das Ergebnis von Dialogen, Zusammenspiel und solistischem Wirken als gemeinschaftlich dichte Einheit, die darüber hinaus mit sehr spannenden Momenten aufwartet. So kann man sich herrlich fallen lassen, dieser freie Jazz ist insofern nicht unbedingt „aufdringlich“ oder „unbequem“ oder zu abstrakt, sondern stets mit sehr viel dynamisch geprägter Leidenschaft, die sich aus dem Augenblick entwickelt, ausgefüllt.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 The Thing (7:31)
2 G-S (4:51)
3 Transatlantic 2024 (12:15)
4 G-C (5:02)
5 Coffee And Berries (1) (21:19)
6 G-J (5:12)
7 Coffee And Berries (2) (16:38)

Besetzung

Gebhard Ullmann (tenor saxophone, live electronics)
Steve Swell (trombone)
Joe Morris (double bass )
Charles Downs (drums)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger