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To Some Place New
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Info
Musikrichtung:
Chamber Jazz
VÖ: 14.05.2026 (Eigenproduktion) Gesamtspielzeit: 55:24 Internet: https://www.milenagranci.com/ https://jazzfuel.com/ |

Heute stelle ich eine Pianistin mit französisch-italienischen Wurzeln mit ihrem Debütwerk vor.
Milena Granci studierte Jazz-Piano in Rom und lebt seit 2020 in London, und integrierte sich zwischenzeitlich in die dortige Jazz-Szene. Mit diesem Album, To Some Place New begibt sie sich in einen Bereich, der verschiedene Einflüsse beinhaltet, so hat sie unter dem Hintergrund von Jazz als Basis unter anderem folkloristische Anklänge einbezogen, und ein recht vordergründiger Bestandteil, so empfinde ich es jedenfalls, ist die starke Beteiligung von Gesangspassagen, sowohl einerseits durch die Sängerin Aitzi Cofre Real, und andererseits ganz besonders auf dem Eröffnungssong mittels eines Chores, der von allen Beteiligten gemeinsam bestritten wird, und auf „Different Road“ fügt die Protagonistin gemeinsame Backing Vocals mit der genannten Sängerin hinzu.
Grundsätzlich wird hier Jazz geboten, der sich nicht spontan in eine bestimmte Schublade packen läßt. Mit Jazz der Fünfziger oder Sechziger hat es zunächst einmal stilistisch nicht viel zu tun, am ehesten käme hier als ungefährer Vergleich jene Musik zum Tragen, wie sie in Europa entstand und hier ganz besonders auf dem Label ECM Records. Und die typischen Merkmale von Jazz in Form von swingenden Elementen treten nur vereinzelt auf, so dass man schon in Richtung Fusion denken muss, weil halt auch diese Spielarten hinsichtlich der Rhythmik aufgegriffen werden, mitunter mit einem Hauch von Rock untermalt.
Was ganz besonders angenehm auffällt, ist dieser große melodische Reichtum der Kompositionen, mit vielen lyrischen und diversen emotional ausgeprägten Passagen, auch empfinde ich Einiges der Musik tatsächlich auch in der Richtung britischen Jazz' verortet. Wie ich bereits aufführte, kommt dem Gesang eine wichtige Rolle bei der Gestaltung zu. Genau das überzeugt mich nicht immer, gerade hinsichtlich der starken Priorität, die dem Gesang beigemessen wird. So ist mir das oft zu überpräsentiert, zumal die Vocals ja nicht zur textlichen Gestaltung eingesetzt werden, sondern als rein instrumentale Begleitung.
So empfinde ich den Gesang nicht immer unbedingt integriert und dieses Element unterstützt auch nicht unbedingt den vielleicht nötigen Swing des Jazz. Als Bestandteil der Fusion ist es sicherlich eine individuelle Ausdrucksform, aber oft habe ich den Eindruck, dass durch den Gesang die jeweilige Gestaltung der Kompositionen ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird und die solistischen Passagen von Piano, Saxofon und Akkordeon dann ein wenig zu kurz kommen.
Wenn sich ein Song wie „When You Feel Like It“ zum Beispiel im Trioformat mit Piano, Bass und Schlagzeug entwickelt, dann empfinde ich die stärksten Momente im Ausdruck der Musik im Zusammenklang der Akteure, und hier ist es Harry Toulson mit seinem Altsaxofon, der dem Song zum Schluss noch einmal einen großen jazzigen Schub verpasst. Als recht interessanten und gelungenen Gestaltungspart sehe ich den jeweiligen Einsatz von James Pettinger mit dem Akkordeon.
Insgesamt betrachtet, und zwar aus nicht subjektiver, sondern aus relativ objektiver Sicht halte ich das Ergebnis von To Some Place New für sehr gelungen und mit einem hohen Grad von Individualität ausgestattet. So wirkt die Musik recht breitflächig im Ausdruck und hat diese epische Kraft in dieser Breite, man kann sich erzählerisch unterhalten fühlen, man kann sich veranlasst fühlen, persönliche Bilder im Kopf zu erzeugen auf „Veranlassung“ dessen, was hier vorgetragen wird, dieser Jazz ist oft auch entsprechend kammermusikalisch und mit einer gewissen Eleganz ausgestattet. So darf man gespannt sein, wie sich die Musik von Milena Granci weiterentwickeln wird und welche Richtung(en) sie fortan einschlagen wird. Sie selbst trug vor, dass ihr die Kompositionen von Maria Schneider die Ohren geöffnet hätten dafür, diesen musikalischen Weg einzuschlagen.

Trackliste
2 When You Feel Like It
3 Maria’s Song
4 Different Road
5 To Some Place New
6 A Journey Home
7 Remembering John
8 Lament
Besetzung
Aitzi Cofre Real (vocals)
James Pettinger (accordion)
Harry Toulson (alto sax)
Ali Watson (double bass)
Ollie Peszynski (drums)
Everyone (choir - #1)
Aitzi and Milena (backing vocals #4)
So bewerten wir:
| 00 bis 05 | Nicht empfehlenswert |
| 06 bis 10 | Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert |
| 11 bis 15 | (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert |
| 16 bis 18 | Sehr empfehlenswert |
| 19 bis 20 | Überflieger |

