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Reviews

Meatshell

The Elevator Child


Info

Musikrichtung: Avantgarde/Improvisation/Electronic

VÖ: 01.05.2026

(Earshift Music)

Gesamtspielzeit: 22:04

Internet:

https://www.meatshellmusic.com/
https://jazzfuel.com/

Nach Australien wandere ich heute mit dem Experimental-Folk-Duo von Helen Svoboda und Andrew Saragossi. Man nennt sich Meatshell und mit The Elevator Child liegt das dritte Album vor. Gleich vorweg, den Begriff Folk kann man nun getrost streichen. Das Duo entstand 2018 anläßlich eines Aufenhalts in den Niederlanden. Im Wesentlichen basiert die Musik auf Bass und Saxofon. Gleichzeitig werden „electronics“ eingesetzt, und so entsteht aus diesen drei Elementen zuzüglich des Gesangs von Helen eine recht skurrile Klangwelt, die schwerlich punktgenau einzuordnen ist. So mischt sich in relativ feste Strukturen immer wieder etwas Freies, das sich selbstständig macht und für manchen Hörer/manche Hörerin für Ratlosigkeit und vielleicht sogar für Fassungslosigkeit führen könnte.

Und so fällt mir in der Tat nicht wirklich Vergleichbares ein, denn wer verfügt über eine solch ungewöhnliche Mischung aus Experimental Jazz, Art Pop, Folk und freier Improvisation??? Minimalistische Passagen und ein gewisses Chaos fügen sich zusammen, anarchistische Ausprägungen inbegriffen. Vielleicht ein bisschen Björk, ein bisschen Laurie Anderson, etwas früher Captain Beefheart oder The Flying Luttenbachers???

Auf jeden Fall scheinen die Elemente der Improvisation und der Plötzlichkeit jenen von Struktur vorgezogen worden zu sein. Nun, als Jazzer bin ich, und das mit Vorliebe, auch dem Free Jazz zugewandt, doch allein die Verwendung eines Saxofons gibt es hierhin keine Ausflüge, so dass das Saxofon allenfalls leichte Jazz-Elemente repräsentiert.

Nun geht es hier nicht allein frei und chaotisch zu, sondern verhält es sich mit dem Titelsong auch so, dass hier zunächst auf Basis von elektronischer Bearbeitung teilweise sogar zu einer Art Struktur kommt, bis sich auch hier eine Lösung in unkontrollierte Sphären ergibt.

Einen nicht unwesentlichen Anteil hat der dritte Mitwirkende, das ist Pat Telfer, der die elektronisch erzeugten Passagen in individuelle Anzüge kleidet, auf dem ersten Song, „The Elevator“, unterstützt hier sogar auf besonders interessante Weise, auch indem der Gesang von Helen Svoboda verfremdet wird, und dazu erklingt dann das ganz natürliche Saxofon von Andrew Saragossi, ja, das ist in der Tat sehr skurril!

Mit „The Kind That Cuts Deep“ bricht dann erstmalig so etwas wie Chaos aus, es erklingt Musik, die einfach aus dem Augenblick heraus umgesetzt worden scheint, aus momentanen Einfällen, Gefühlen, und das ganz einfach ungeordnet und doch irgendwie zusammenhängend. Mithin ist diese Klangwelt nicht sehr zugänglich, sie erscheint widersprüchlich, verrückt, verdreht, beim ersten Hördurchgang blieb ich ein wenig ratlos zurück. Später habe ich mich dann sogar entschlossen, einen persönlichen Lieblingssong auszuwählen, das ist „Bliss“, hier schwebt es herrlich verhallt durch den Raum, ein Verbund von textloser Stimme, dem Saxofon und elektronischen Wolken...

Im Nachhinein betrachtet sind mir dann noch gewisse Assoziationen eingefallen, solche, die schon lange zurückliegen, und zwar aus 1967, „Help, I'm a Rock“ von The West Coast Pop Art Experimental Band und The Turtles mit „Umbassa And The Dragon“ aus 1968, beides Songs, die mich seinerzeit auch staunen ließen auf ihre skurrile Art, ja, und nun solche Songs wie „Maximum Anything“ oder „High Speed Jockey“...., harter Tobak!!!! So etwas Verrücktes habe ich schon lange nicht mehr gehört!!! Ach ja, auch ein wenig verrückt ist die Spielzeit, 22 Minuten, wohl eher als EP geeignet....



Wolfgang Giese

Trackliste

1 The Elevator
2 The Kind That Cuts Deep
3 Maximum Anything
4 Scrape It Off
5 High Speed Jockey
6 Bliss
7 The Elevator Child
8 Pressure On Me (feat. Roman MC)

Besetzung

Andrew Saragossi (saxophones, electronics)
Helen Svoboda (vocals, electronics, double bass, bass guitar)
Pat Telfer (production, recording, mixing)

Roman MC (guest artist: spoken word - #8)
Dylan van der Schyff (guest artist: drums - #4)
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