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Reviews

Stygian Shore

Stygian Shore


Info

Musikrichtung: Metal

VÖ: 26.03.2020 (1984

(High Roller)

Gesamtspielzeit: 15:17

Internet:

http://www.hrrecords.de

Sonderlich karrierefördernd war es offensichtlich nicht, wenn man als Metalband seinen Namen nach dem Ufer des griechischen Totenflusses wählte. Die deutsche Formation, die sich Stygian Shore nannte, kam popularitätstechnisch auf keinen grünen Zweig, bei der US-amerikanischen Band sah es nur unwesentlich besser aus. Das Trio nahm am 10. und 11. März 1984 vier Songs für eine selbstbetitelte EP auf, die noch im gleichen Jahr über Roadster Records veröffentlicht wurde, aber das blieb dann auch schon alles, was die geneigte Anhängerschaft über Jahrzehnte hinweg von der Band hören konnte, wenn man nicht zufällig in Kansas in der Nähe von Wichita wohnte und daher vielleicht mal Gelegenheit hatte, die Formation in den Achtzigern auch live zu erleben. 1989 spielten Stygian Shore zwar ein volles Album mit 13 Songs ein, aber das blieb in den Archiven und wurde erst 2007 über Shadow Kingdom Records veröffentlicht, betitelt The Shore Will Arise. Zu dem Zeitpunkt hatte sich das irgendwann nach 1989 aufgelöste Trio bereits wiedervereinigt, was vielleicht den Anstoß gab, die alten Aufnahmen nun doch noch herauszubringen. Aber dann passierte wieder jahrzehntelang wenig, und erst als in den Beständen von Manilla-Road-Chefdenker und Roadster-Records-Boß Mark Shelton ein 10-Track-Promotape entdeckt wurde, kam noch ein weiteres Mal Bewegung in die Sache: Diese zehn Songs erblickten 2021 unter dem Titel Ultra Psychic Nightmares das Licht der Welt, ergänzt noch um sieben der 1989er Aufnahmen. Von den zehn Neulingen waren sieben bisher komplett unveröffentlicht, bei dreien handelte es sich um Neufassungen bereits bekannter Nummern. Das ist alles, was es an Tonkonserven von Stygian Shore bisher gibt – nicht sonderlich viel, wenn man die reine Quantität betrachtet. Die selbstbetitelte Vier-Track-EP wurde mehrfach wiederveröffentlicht, teilweise mit Bonustracks, teilweise aber auch in der Ursprungsform. Die hier vorliegende, 2020 erschienene Fassung von High Roller Records gehört zur letzteren Kategorie, wurde allerdings 2019 remastert.
Wenn schon die Quantität nicht eben berauschend ist, wie steht es dann um die Qualität, die sich hinter der kultigen Bleistiftcoverzeichnung verbirgt? Nun, Stygian Shore waren nicht nur labeltechnisch bei Manilla Road untergeschlüpft, sie erinnerten mit ihrem leicht kauzigen Stil auch ein wenig an die Shelton-Gang und liehen dieser sogar eine ganz spezielle Idee: Wer die Lyrics für eine Nummer geschrieben hat, der singt sie auch. Das praktizierten Manilla Road 1992 auf The Circus Maximus, Stygian Shore aber schon acht Jahre früher in ebenjenen vier Songs. Da es sich um ein Trio handelt, muß folglich einer zwei Songs singen und die anderen beiden je einen, wenn jeder drankommen soll. Bassist Greg Marshall macht in „Stygian Metal“ den Anfang – hier gibt es klassischen „Kauz-Metal“, also mit leicht polterigen Drums, aber durchaus vorwärtsdrängend, und Marshall hat eine dazu passende mittelhohe bis hohe Stimme. Gitarrist Mike Palmer folgt in „Luv Ta Rock Ya“, und die Schreibweise läßt schon eine musikalische Tendenz erahnen, aber nicht das originelle Ergebnis erhoffen: Kauz-Metal und frühen Westküsten-Haarspray-Rock so treffsicher zu verbinden, das muß man erstmal hinkriegen, und Palmer singt dazu mit leicht quäkiger, aber passender Stimme, die wie eine etwas geerdete Version von Vince Neil klingt. Das Tempo liegt hier für Stygian-Shore-Verhältnisse recht weit oben, und die Sologestaltung ohne Rhythmusgitarre verdeutlicht nicht nur die Livesituation, sondern macht auch per se richtig Hörspaß, wobei interessanterweise im hinteren Teil wiederum die Gitarre schweigt.
Die B-Seite der Vinylfassung eröffnet „Tidal Wave“, ein Stampfer mit trotzdem recht „grooviger“ Schlagzeugarbeit, den die Band als einzigen der vier Songs 1989 nochmal neu einspielte. Hier singt wieder Marshall, wobei sich im zentralen Break aber noch tiefes unheildrohendes Gebrüll einmischt, dessen Urheber nicht dingfest gemacht werden kann. In „Don’t Look Now“ hören wir dann Drummer Pete Dawson am Mikrofon, wobei er im Chorus von hohen Backings gestützt wird und ansonsten kurioserweise klingt wie ein Hybride aus seinen beiden Bandkollegen. Der Song selbst macht wieder mehr Tempo und verleugnet zwar seine Hardrockelemente nicht, aber generell will er sich schon eher im Metal positioniert wissen. Schade nur, dass er im Solo relativ einfallslos ausgeblendet wird.
Die vorliegende CD-Fassung kommt im zusätzlichen Pappschuber mit goldgetöntem Hintergrund des Covers, das Booklet enthält alle Lyrics sowie einige historische Fotos und Dokumente, verzichtet aber interessanterweise auf die Zuordnung der einzelnen Musiker zu ihren Instrumenten – diese Information muß man also anderen Quellen entnehmen. Wer durchaus originellen Metal hören will, kann sich dem Schaffen von Stygian Shore jedenfalls mit Interesse nähern, auch wenn ganz große Highlights zumindest unter den vier Songs hier nicht versteckt sind.



Roland Ludwig

Trackliste

1Stygian Metal3:33
2Luv Ta Rock Ya4:01
3Tidal Wave3:58
4Don’t Look Now3:41

Besetzung

Mike Palmer (Voc, Git,)
Greg Marshall (Voc, B)
Pete Dawson (Voc, Dr)
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So bewerten wir:

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