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Reviews

Wartel / Landæus / Wartel Collins / Wartel

Celebrating Live



Wenn ich das Plattenlabel lese, muss ich spontan assoziieren, gerade dann, wenn es, wie hier, um Jazz geht. Brötz Records! Da bin ich gespannt, ob die Musik dieses Quartetts in irgendeiner Form mit der Musik von Peter Brötzmann, einem Pionier in Sachen Free Jazz in Deutschland, in Verbindung steht!

Nun, ganz so falsch lag ich gar nicht mit meiner Intuition, denn bei Celebrating Live handelt es sich um eine durchgehende Live-Improvisation von der Dauer von 46:30 Minuten! Wartel / Landæus / Wartel Collins / Wartel - wie ist das zu verstehen? Jonny und Hendrik Wartel sind Brüder aus Schweden, gemeinsam musizieren sie mit Georgia Wartel Collins, der Tochter von Jonny. 2024 wurde diese bestehende Formation gegründet, als der Pianist Mathias Landæus hinzustieß im Rahmen einer Tournee durch Schweden und Norwegen. Bereits seit den neunziger Jahren besteht eine enge Beziehung zwischen den Musikern.

Nun hat man die am 21.Mai 2024 in Oslo entstandene Live-Einspielung veröffentlicht, ja, gemäß des Titels zelebrierte man ausführlich das musikalische Verständnis untereinander durch die gemeinsame Kommunikation auf einem hohen Niveau. Hierbei stehen Kreativität und Freiheit im Ausdruck im Vordergrund, und reichliche Elemente des Free Jazz wurden hierbei genutzt. Man spürt den Zusammenhalt dieses Kollektivs und kann bemerken, wie man sich offensichtlich verschiedener Einflüsse des Genres bedient.

So gibt es neben sehr offenen und langen Passagen, die auch recht rau klingen können, auch wieder einige lyrische Strukturen, und hier sollte man dann jedem einzelnen Musiker zuhören, so scheint es mitunter, als würde jeder/jede eigene Ausflüge unternehmen, und das mag auch zutreffen, doch findet man dann oft wieder zusammen, wenn man das Feld des freien Jazz' verläßt und die Musik in einen strikt swingenden Modus versetzt, hierbei sind es vor Allem die Solisten, die sich hier in Szene setzen über den Rhythmusgebern. Jonny Wartel und Mathias Landæus brechen entweder aus oder finden sich auch wieder auf recht meditativem Boden wieder. Ebenfalls ist zu bemerken, dass einige Elemente aus der Folklore verarbeitet worden sind.

So assoziiere ich mehr als einmal die musikalische Ausgestaltung hin in die Richtung zu John Coltrane, und genau diese langen Passagen sind es, die mich sehr faszinieren, weil man diese auf dem Boden heftigen Swings mit kurzen heftigen Ausbrüchen garniert und somit sehr viel Lebendigkeit ausstrahlt. Auch ganz stark an Coltrane's Phase zur Zeit von „Love Supreme“ muss ich oft denken. So fallen auch solche Passagen auf, wo man den Saxofonisten mit „Flatterzunge“ á la Pharaoh Sanders erlebt, die Ausbrüche des Pianisten an Cecil Taylor denken lassen und die Bassistin auf ihrem Instrument ungewöhnliche Klänge erzeugt, von normal klingendem Streichen bis zum zu kratzenden Geräuschen. Das Schlagzeugspiel fügt sich in die jeweilige Stimmung perfekt ein, und auch Henrik Wartel hat sich mit einem ausdrucksstarken Schlagzeugsolo verewigt. Letztlich kann man das Gesamtergebnis durchaus in den Bereich Avantgarde verorten.

Kurzum, das ist kein reiner Free Jazz, es ist freier Jazz, der sich sowohl in die eine oder andere Richtung orientiert, wie selbstverständlich spielt man ganz geschlossen agierend mit diesen Elementen und erzeugt einen hohen Grad an Energie und Spannung, zwischen Wildheit und Meditation. Free Jazz, ja, aber Peter Brötzmann als Vergleich, nein, aber die Richtung stimmte immerhin!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Side A
2 Side B

Besetzung

Jonny Wartel (tenor and soprano saxophone)
Mathias Landæus (piano)
Georgia Wartel Collins (bass)
Henrik Wartel (drums)
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So bewerten wir:

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11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
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19 bis 20 Überflieger