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Reviews

Marche Funèbre

After The Storm


Info

Musikrichtung: Epic (Doom/Death) Metal

VÖ: 27.09.2024

(Ardua Music)

Gesamtspielzeit: 45:05

Internet:

http://www.arduamusic.com
http://www.facebook.com/MarcheFunebreDoom

Das Livereview vom 2022er Marche-Funèbre-Gig im Leipziger Bandhauskeller hatte bei der Band für Überraschung gesorgt: „Some unexpected references here“, lautete der Kommentar, als die Belgier es auf ihrer Facebookseite verlinkten, und er zielte speziell auf Manowar ab. Gemeint waren im Review natürlich die zwar unpathetischeren, aber trotzdem epischen Momente von Manowar, wie sie Joey DeMaio auf deren ersten vier Alben in mehr oder weniger großer Dichte unterbrachte und an die sich der Rezensent hier und da erinnert fühlte. Ob die Band daraufhin beschlossen hat, dass in den 45 Minuten des neuen, ihres fünften Albums After The Storm definitiv nichts mehr nach Manowar klingen soll? Man könnte es beinahe vermuten, denn auch nach etlichen Durchläufen entdeckt der Rezensent in den sechs neuen Songs keine entsprechenden Anklänge mehr.
Dafür bestätigt sich aber die grundsätzliche Einordnung des Quintetts: Marche Funèbre klingen immer noch so, als würde man die alten Paradise Lost mit Atlantean Kodex kreuzen, und auch ein paar andere der damals genannten Referenzen tauchen wieder auf – in der doublebassunterlegten Melodiegitarrenpassage nach Minute 3 in „Palace Of Broken Dreams“ denkt man irgendwie automatisch an Amon Amarth. Zwei andere damals nicht genannte Bands müssen als grundsätzliche Orientierung noch angeführt werden, und beide siedeln in Osteuropa: die Weißrussen Gods Tower und die Russen Scald. Mit all den Ausführungen soll nicht gesagt werden, Marche Funèbre wären etwa nur Kopisten – aber sie stehen offenbar zu ihren Vorbildern und bereiten aus ihren Einflüssen ihr ureigenes Gebräu zu. Den mittlerweile einzigen Death-Metal-Knochen in ihrem Gerüst bildet Arne Vandenhoecks Gesang – der Vokalist bewegt sich oft und gerne im klassischen Grunzsektor und besitzt eine Stimmfärbung, die bisweilen an diverse niederländische Nachbarn der Vergangenheit erinnert, wofür Bandnamen wie Orphanage oder auch Morphia als Anhaltspunkte dienen sollen. Allerdings herrscht auf After The Storm eine enorme Stimmvielfalt vor, hören wir gelegentlich auch Gekreisch mäßigen Verzweiflungsgrades und vor allem mehrere Cleangesangslagen, von denen eine tatsächlich ein wenig an den auf dem Weg von Icon zu One Second befindlichen Nick Holmes oder an dessen seinerzeitiges Vorbild James Hetfield (zu Zeiten, als der richtig singen gelernt hatte) erinnert und nicht zuletzt hier der Faktor lagert, der die Band in Tateinheit mit der oft äußerst melodieseligen Gitarrenarbeit auch fürs klassische Epic-Metal-Fach qualifizieren würde. Wie sich diese Vielfalt in Zukunft entwickeln wird, bleibt abzuwarten: Neben Vandenhoeck steuern auch Bassist Boris Iolis und Gitarrist Peter Egberghs auf dem Album Gesang bei, aber letzterer hat die Band mittlerweile verlassen, und ob sein Nachfolger Fré De Schepper, der auf After The Storm bereits die (seltenen) Klavierpassagen beigesteuert hat, auch zum Mikrofon greifen wird, müssen die künftigen mit ihm entstehenden Tonzeugnisse zeigen – die ganz aktuelle EP Echoes From Beyond besitzt der Rezensent allerdings noch nicht.
Für Tempofetischisten ist After The Storm freilich nichts, und das in beiden Richtungen. dass eine Epic- bzw. Doom-Scheibe den Drummer nicht zur Raserei treiben wird, ist von vornherein klar – der im soliden Midtempo vorwärtsdrängende Schlußteil von „Devoid Of Empathy“ (mit ein paar harmonischen Ideen, die auch Timo Rautiainen hätten einfallen können) stellt für lange Zeit das Maximum dar, zu dem sich Dennis Lefebvre hinreißen läßt. dass sich Marche Funèbre aber auch von purer Doom-Schleichgeschwindigkeit fernhalten, muß gesondert erwähnt werden, weil das in diesem Kontext durchaus nicht selbstverständlich ist, wenngleich der Bandname schon andeutet, dass zwar ein Trauermarsch angestrebt wird, aber ein solcher eben doch ein gewisses Tempo aufweisen muß, damit einen bei zu bedächtigem Zuckeltrab das Gewicht der Kiste nicht schon vor dem Grab zur Strecke bringt, wie es sinngemäß im RockHard in den 90ern im Review zu Funerals Tragedies-Album hieß. Lefebvre hat jedenfalls einen bestimmten schleppenden Midtempo-Rhythmus so liebgewonnen, dass dieser grundlegend gleich in etlichen Songs zum Einsatz kommt: „In A Haze“, „Palace Of Broken Dreams“, „Enter Emptiness“ und auch der Titeltrack. Das anfangs langsamere, dann schnellere „Devoid Empathy“ wurde bereits erwähnt, und „Stranded“ muß gesondert betrachtet werden, stattet der Drummer die flottere Midtempolage doch hier mit einem fast beschwingten Grundbeat aus, die in diesem Umfeld ziemlichen Raritätenwert besitzt. Noch eine Kuriosität: Man könnte vermuten, die Flamen komponierten mit der Stoppuhr im Blick – alle sechs Songs gehen zwischen 6:58 und 8:07 Minuten ins Ziel, also mit einer Differenz von nur einer reichlichen Minute, was bei solchen epischen Nummern durchaus Seltenheitswert besitzt. Der Titeltrack wartet darüber hinaus mit einer spannungsgeladenen Übergangssituation auf, wie man sie in den fünf Songs zuvor noch nicht gehört hat, und seine hintere Hälfte bietet mit treibendem Midtempo dann auch das Schlagzahlmaximum der Scheibe auf. Trotzdem ragt er eher wenig aus dem Material heraus – die komplette Dreiviertelstunde weist ein ziemlich homogenes hohes Niveau auf, das man goutieren kann oder eben nicht. Puristen aller Art werden mit After The Storm wohl eher nicht glücklich, aber alle Epic-Metal-Freunde, die sich grundsätzlich zwischen Paradise Lost und Atlantean Kodex wohlfühlen und eine originelle Mixtur zu schätzen wissen, könnten hier viel zu entdecken finden. dass das Coverartwork des bookletlosen, aber mit allen Texten und Credits aufwartenden Digipacks von Brooke Shaden allerdings auch zu einer Nightwish-Scheibe (Ära Tarja oder Anette) gepaßt hätte, dürfte nun wirklich purer Zufall sein.



Roland Ludwig

Trackliste

1In A Haze7:21
2Palace Of Broken Dreams6:58
3Devoid Of Empathy7:36
4Enter Emptiness7:29
5Stranded7:03
6After The Storm8:07

Besetzung

Arne Vandenhoeck (Voc)
Kurt Blommé (Git)
Peter Egberghs (Git, Voc)
Boris Iolis (B, Voc)
Dennis Lefebvre (Dr)
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So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger